Oberleitungsschaden

Sonntagnachmittag. Ich renne auf den Zug, mit dem ich von Stuttgart nach Duisburg zurückfahren will nach einem Besuch bei der Verwandtschaft. Schnell noch was zum Trinken gekauft, man hört ja immer wieder, dass die Klimaanlagen im ICE ausfallen. Gerade noch rechtzeitig komme ich an – was ist denn da los? Massenhaft Leute auf dem Bahnsteig. Und auf der Anzeigetafel: „voraussichtlich 60 Minuten Verspätung“. Super, umsonst gerannt. Am laufenden Meter haben die ICEs Verspätung – und man bezahlt sie teuer! Das Ding heißt auch noch „Sprinter“, weil es besonders schnell sein soll! Da hätte ich mit meiner Schwester auch noch locker einen Kaffee trinken können. Eine Stunde Stehen geht gar nicht mit meinem Rücken, aber die Bänke sind natürlich alle belegt. Überhaupt – wie so was mit den schmalen Bahnsteigen bei „Stuttgart 21“ mal aussehen soll? Ein Irrsinn. Schon jetzt müssen manche Leute hart an die Kante ran, wenn jemand mit Gepäck durch will.

Ich trödle durch den Bahnhof, schaue alle Läden und Cafés an und bin nach einer halben Stunde wieder auf dem Bahnsteig. Das Gepäck nervt, der Rücken tut weh. Neue Infos von der Anzeigetafel: „voraussichtlich 120 Minuten Verspätung“. Der Zug ist also ausgefallen, ein anderer auch. „Oberleitungsschaden bei Ulm“ und bei einem anderen noch ein Maschinenschaden, sagt ein Bahn-Beschäftigter, der am Bahnsteig steht, umringt von Menschentrauben, und geduldig Auskunft gibt. Der Flieger in Frankfurt? Achselzucken – es gibt leider keinen Ersatz für eine Verbindung nach Frankfurt zurzeit. Die junge Frau scheint den Tränen nahe. Eine andere hat sich vor Fahrtantritt extra im Internet erkundigt – da war von 25 Minuten Verspätung die Rede. „Das ist jetzt mehr geworden“, so der Bahnmitarbeiter. Allerdings. Ein Mann erzählt empört, dass der Oberleitungsschaden schon am Samstag bekannt gewesen sei. Warum stellt die Bahn keine Ersatzzüge, die in Stuttgart eingesetzt werden? Wahrscheinlich gibt’s keine, das würde ja den Gewinn schmälern …

Auf einem anderen Gleis fährt ein Intercity nach Norden. Der braucht nach Duisburg fast zwei Stunden länger als der gebuchte ICE. Aber endlich sitzen hat was – und wer weiß, ob und wann überhaupt noch ICE fahren heute? Das denken wohl viele – die leeren Waggons sind sofort belegt. Aufatmen – aber ein Problem gibt’s: An allen Plätzen leuchtet ein Schildchen „ggf. reserviert“. Hoffen wir mal, dass der Fall nicht eintritt, die meisten hatten natürlich für andere Züge reserviert, das ist jetzt futsch.

Das mit den Sitzplätzen ist auch das hauptsächliche Gespräch, als der Zug dann endlich startet. Vor mir sitzt eine ältere Frau mit einem kleinen Enkel, die hektisch versucht, mit dem Handy ihren Sohn zu erreichen. Sie hat wegen der Verspätung ihren Anschluss in einen kleinen hessischen Ort verpasst und weiß nun überhaupt nicht, ob und wie sie dorthin kommen soll. Sie rennt in heller Aufregung los, einen Zugbegleiter zu finden – ohne Erfolg. Ich versuche es auch noch mal – erfolglos. Schließlich erbarmt sich ein junger Mann, seine Internet-Verbindung zu nutzen. Die Frau beruhigt sich wieder. Kurz vor Heidelberg werden dann die Reservierungs-Schildchen aktualisiert: Wir sitzen fast alle auf reservierten Plätzen! Das Gerenne geht los – jeder schnappt sich sein Gepäck und versucht, noch einen der wenigen freien Plätze zu finden. Ich habe Glück … und freue mich in den nächsten Stunden, dass ich mal wieder am Rhein langfahren kann. Das ist einfach ein wunderschöner Anblick und zum x-ten Mal denke ich, man sollte da mal mit dem Schiff fahren … Diejenigen allerdings, die auf dem Flur auf dem Boden sitzen, haben nichts von der Aussicht.

Irgendwann kommt dann eine Zugbegleiterin. „Das einzige, was bei der Bahn klappt, ist die Fahrkartenkontrolle“, witzelt einer. Die Frau ist schon angefressen, hat sich wahrscheinlich schon einiges anhören müssen. Ich frage, ob es nicht eine Fahrpreiserstattung gebe bei solchen Verspätungen, inzwischen komme ich auf zweieinhalb Stunden. Doch – sie erklärt mir, dass ich ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf 50 Prozent Rückerstattung vom Fahrpreis habe, ab einer Stunde sind es 25 Prozent. Auch das Geld für die Reservierung bekommt man zurück. Man kann das in einem Reisezentrum am Bahnhof beantragen. „Warum wird das eigentlich am Bahnhof und in den Zügen nicht durchgesagt? Das wissen doch viele gar nicht“, frage ich ganz freundlich. Sie blafft mich an: „Soll ich das vielleicht durchsagen?“ Na ja. Die Frau neben mir freut sich, sie will auch Fahrgeld zurück.

In der folgenden Woche hole ich mir so 31 Euro wieder. Das ist für die ICOR – mit wärmsten Grüßen an Bahnvorstand Grube und Co.!

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