Bei den mutigen Frauen von Schorndorf

Bei der zweiten Tasse Kaffee beim sonntäglichen Frühstück stieß ich in der Sonntagszeitung auf einen interessanten Ausflugstipp: „Stadtführung mit einer Stadtheldin“. Schorndorf, eine Stadt im Remstal bei Stuttgart, wird ja sonst eher als Geburtsort von Gottlieb Daimler erwähnt.

Also Kaffee ausgetrunken, die Fährräder aus dem Keller geholt und mit S-Bahn und Regionalzug nach Schorndorf. Schließlich sollte die Führung um 11 Uhr vor dem Rathaus in Schorndorf losgehen.

In der Tat, kurz vor elf steht da schon eine ganze Schar von Besuchern, in ihrer Mitte die Stadtführerin in einem Kostüm der Stadtheldin Barbara Künkelin aus dem Jahre 1688.

Im Dezember besagten Jahres stand der französische General Melac mit seiner berüchtigten Soldateska vor den Toren der Stadt und forderte deren Übergabe. Der General hatte mit seinen Truppen bereits unter anderem in Esslingen gehaust. Und zwar in einer solch brutalen Weise mit Plünderungen und Vergewaltigungen, dass er in dem darauf zurückgehenden süddeutschen Schimpfwort „Du Lackel“ unsterblich wurde.

Der württembergische Hof hatte bereits die kampflose Übergabe der Stadt Schorndorf beschlossen. Denn die angeblich für die Verteidigung zuständigen Landestruppen befanden sich gerade auf einem sogenannten „Türkenfeldzug“ außer Landes. Wie sich die Dinge doch gleichen.

Auch die Stadtherren waren bereit, die Stadt kampflos zu übergeben. Da organisierte die beherzte Frau des Bürgermeisters – eine einfache Bauerntochter aus dem Allgäu – die Frauen. Sie schlossen zuerst einmal die feigen Stadtherren im Rathaus ein. Dann bewaffneten sie sich mit allem, was zur Verfügung stand. Sensen, Sicheln etc. – die Frau des Lehrers soll mit dem sogenannten „Tatzenstock“, mit dem sonst die Schüler verprügelt wurden, erschienen sein.

Mit einem solchen Widerstand hatte der General nicht gerechnet und siegestrunken seine Artillerie schon zur nächsten Stadt vorausgeschickt. So stand er ohne Kanonen da, dafür aber den „furchtlosen Schorndorfer Weibern“ gegenüber und zog ab.

Ein Bild dieser denkwürdigen Szene ziert heute das Rathaus und im Stadtmuseum gibt es einiges dazu zu sehen.

Soweit die Geschichte. In diesen Tagen werden sich mutige Frauen aus der ganzen Welt beim Frauenpolitischen Ratschlag treffen. Der findet am 15./16. September in Ludwigsburg statt – von Schorndorf nur einen Katzensprung entfernt.

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