Olympische Spiele 2012 in London

„Dabei sein“ war nicht alles …

Esslingen (Korrespondenz): Die 30. Olympischen Spiele sind zu Ende. Dieses Mal waren die Frauen endlich überall dabei. 1896 in Athen ließ der Begründer dieser Spiele in der Neuzeit, Pierre Baron de Coubertin, nur 295 männliche Athleten aus 13 Nationen an den Start. Jetzt waren 4.800 der 10.500 Olympioniken weiblich und Frauen in jeder der 204 nationalen „Mann“schaften vertreten. Selbst das extrem frauenfeindliche saudi-arabische Regime konnte sich dem Fortschritt der internationalen Frauenbewegung nicht mehr entziehen und akzeptierte erstmals die Teilnahme zweier Sportlerinnen beim Judo und in der Leichtathletik, wenn auch mit Kopftuch. Unser Glückwunsch an diese Bahnbrecherinnen!
Umjubelt wurden von über 80.000 Zuschauern im Stadion Superleistungen wie die des jamaikanischen Läufers Usain Bolt, der es als erster Sprinter geschafft hat, für die 100 und die 200 Meter sowie in der Staffel zweimal in Folge olympische Goldmedaillen zu holen – und um den es einen entsprechenden „Medienrummel“ gab. Bejubelt wurden aber auch Leistungen wie die des 25-jährigen Timi Garstang von den Marshallinseln, der in diesem Jahr überhaupt zum ersten Mal an einem Wettkampf teilgenommen hat und im Vorlauf über 100 Meter mit 12,81 Sekunden ausschied. Sein Kommentar: „Im Stadion waren heute mehr Menschen, als auf den Marschallinseln leben.“
Diese Olympiade rückte viele Sportarten in den Blickpunkt, die sonst wenig Medienöffentlichkeit bekommen. Die Leistungen beim Geräteturnen, Fechten, Tischtennis und anderen Sportarten nötigten großen Respekt ab. In vielen Sportarten hat eine neue junge Generation die alte Garde abgelöst. Dabei waren es oft junge Frauen, die neue Spitzenleistungen zeigten, z. B. bei den Schwimmerinnen die Chinesin Ye Shiwen oder die knapp 16-jährige Litauerin Meylutité.
Viel Theater machten Spitzenfunktionäre, bürgerliche Politiker und Medien zum Thema „deutsche Medaillen“. Die 392 deutschen Teilnehmer hatten bereits 2008 vom Bundesinnenministerium die Zielvorgabe bekommen, 86 Medaillen (davon 28 goldene) zu erobern. Dagegen wurden „nur“ 44 Medaillen erkämpft (mehr also als in Peking), die „Schuld“-Diskussion ist in vollem Gange. Überheblich und teilweise mit ätzenden Kommentaren wurden Leistungen deutscher Athleten abqualifiziert, so wenn „Bild“ die Schwimmer als „Looser“ bezeichnete. Solche idealistischen, großspurigen Zielvorgaben – mit 4 Prozent der Teilnehmer 9,5 Prozent der zu vergebenden Trophäen abkassieren zu wollen – entsprechen der deutschen Vormachtstellung in der EU, die sich eben auch im Sport ausdrücken soll. Wurde als olympische Idee einst „Dabei sein ist alles“ propagiert, genügt dies imperialistischen Herrschaftsvorstellungen nicht einmal im Ansatz …
„Dabei sein“ – daraus wurde vor allem auch für Großkonzerne, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die bürgerlichen Medien ein riesiges Geschäft. Die Spiele haben einen geschätzten Rekord-Umsatz von über 7 Milliarden Euro gebracht. Allein die Fernsehrechte gingen mit fast 3,2 Milliarden Euro über den Tisch. Die großen Sponsoren wie BMW, McDonalds, Coca Cola, Visa usw. investierten fast 800 Millionen Euro – sie werden auf ihre Kosten kommen.
Schlagzeilen machte der „Fall Nadja Drygalla“: Die Ruderin verließ panisch das olympische Dorf, als ihr Freund als strammer NPD-Faschist in Rostock zum Medienthema wurde. Verteidigungsminister De Maizière nahm sie in Schutz. Er will ihre Einstellung in die Bundeswehr als Sportsoldatin „ernsthaft prüfen“ und lobt ihre angeblich „eindrucksvolle Distanzierung von rechtem Gedankengut“. Die „Distanzierung“ blieb allerdings sehr verschwommen. Warum die Flucht, wenn angeblich „keine Kontakte zur rechtsextremen Szene“ von ihr bestehen und ihr Freund „mit der NPD gebrochen“ hat? Die Auseinandersetzung über die Ruderin Drygalla ist eine Reaktion auf die deutlich gewachsene antifaschistische Grundeinstellung in Deutschland.
Nationale Begeisterungsstürme fielen überhaupt wenig auf. Der Respekt für die Leistung der Sportlerinnen und Sportler aller Nationen bei insgesamt bunten und fröhlichen Wettkämpfen zeigt, trotz aller nationalistischen Gegentendenzen und Geschäftemacherei im Zeichen der fünf Ringe, dass gerade gerade der internationale Charakter der Olympischen Spiele die Menschen weltweit begeistert.

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