Reicher Planet – und Millionen hungern!

Gehen uns die Lebensmittel aus? Gibt es einfach zu viele Menschen? Meint die Natur es schlecht mit uns? Es scheint immer schwieriger zu werden, die sieben Milliarden Menschen auf der Welt zu ernähren.

Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms leiden derzeit 925 Millionen Menschen Hunger! Ein Drittel aller Sterbefälle bei Kindern unter fünf Jahren geht auf Unterernährung zurück. Hungerkatastrophen sind fast schon eine Tagesmeldung in den bürgerlichen Massenmedien: In Ostafrika und der Sahel-Zone wegen der Dürre, in Nordkorea wegen Überschwemmungen – und auch der Hunger in den reichsten Ländern nimmt zu. Aber nicht nur der Hunger: Auch Mangel- und Fehlernährung, gerade bei Kindern, Nahrungsmittelunverträglichkeiten usw. Was ist los auf diesem so reichen Planeten?

Im Jahr 2008 erreichten die Nahrungsmittelpreise weltweit ein erstes Rekordhoch. Sie verdoppelten sich gegenüber den Jahren 2003/2004. Lediglich im Jahr 2009 gingen die Preise etwas zurück, um im Jahr 2011 erneut Rekordhöhen zu erreichen.

Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 über neun Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Da die landwirtschaftlich nutzbare Fläche auf der Erde begrenzt ist und durch Klimaveränderungen, durch Zerstörung und Zersiedlung kleiner wird, muss die Ernährung der Weltbevölkerung durch erheblich steigende Erträge gewährleistet werden. Natürlich muss man ab einer bestimmten Bevölkerungszahl auch für eine Begrenzung des Bevölkerungswachstums eintreten. Natürlich muss sich auch im Nahrungsmittelverbrauch etwas ändern, z. B. hat übermäßiger Fleischverbrauch schlechte Konsequenzen für die Ernährungssicherung der Weltbevölkerung (und auch für die Umwelt und Gesundheit). Bekannt ist aber, dass bereits heute 12 Milliarden Menschen aufgrund der Produktion problemlos ernährt werden könnten. Die Weltgetreideproduktion steigt bisher, mit Schwankungen natürlich, parallel zum Verbrauch und wird dieses Jahr ein neues Rekordniveau mit 2,4 Milliarden Tonnen erreichen.

Der „Bio“sprit erzeugt Getreideknappheit!

Das wird inzwischen selbst von bürgerlichen Experten zugegeben. Etwa 150 Millionen Tonnen Getreide werden jährlich zu Ethanol (Alkohol) umgewandelt, um ihn in Autos zu verbrennen. Allein davon könnten 330 Millionen Menschen ernährt werden! Studien belegen, dass über diesen Weg keinerlei CO2 eingespart wird. Dazu kommt der „Bio“gas-Boom, der nur durch massive staatliche Subventionierung überhaupt funktioniert. Gefördert werden vor allem große Gasanlagen mit hohem Maisanteil, die Konzerne betreiben. Für Palmöl- und Zuckerrohranbau in den Tropen wird immer mehr Regenwald abgeholzt. Die subventionierte Agrarenergie dient den Automobil- und Erdölmonopolen, die dadurch an der bisherigen Technik festhalten können.

Spekulation treibt die Preise!

Die subventionierte Agrarenergie führt zur entscheidenden Verknappung von Nahrungsrohstoffen, sie treibt mit Hilfe der Spekulation die Preise. Die Investitionen in Rohstoffpapiere stiegen von 90 Milliarden US-Dollar 2005 auf mehr als 400 Milliarden Dollar 2010 mit steigendem Anteil in Agrarrohstoffen (DLG-Mitteilungen 1/2012). Am 23. Juli berichteten die Medien von der schlimmsten Trockenperiode in den USA seit 1956: „Die extreme Trockenheit in den USA treibt die Preise für Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais und Soja in extreme Höhen. Rohstoff-Spekulationen verschärfen die Lage.“ (boerse. ARD.de).

Ein Sechstel aller Geldanlagen in Agrarrohstoffen liegt nach Angaben der Entwicklungsorganisation Oxfam in den Händen deutscher Finanzinstitute. Vorne steht in Deutschland der Allianz-Versicherungskonzern, der 6,24 Milliarden Euro direkt und indirekt in Nahrungsmittel „investiert“ habe oder besser: in das perverse Drecksgeschäft mit Nahrungsmitteln – und daraus Super-Gewinne erzielt!

Der Hunger und das Klima

Der Welthunger wird dramatisch verschärft durch den beschleunigten Übergang in die weltweite Klimakatastrophe. Bereits jetzt werden durch ausgetrocknete wie auch überschwemmte Böden massenhaft Ernten vernichtet. Die US-Forscher David Battisti von der Universität von Washington und Rosamond Naylor von der Universität Stanford haben schon im Jahr 2009 Berechnungen angestellt, nach denen sich durch die zu erwartenden Klimaveränderungen katastrophale Folgen für die Welternährung ergeben: Gegen Ende des Jahrhunderts könnte die Hälfte der Weltbevölkerung von Hungersnöten bedroht sein, riesige Völkerwanderungen seien zu erwarten. „Früher konnten sich die Menschen woanders hinwenden, um Nahrung zu bekommen“, so Battisti. „Aber in der Zukunft wird es keinen anderen Ort mehr geben. Hunderte Millionen Menschen werden nach Nahrungsmitteln suchen.“ (ORF. at, 8. 1. 09) Inzwischen gibt es noch dramatischere Berechnungen zur Entwicklung und den Folgen der Klimakatastrophe!

Um diese katastrophalen Entwicklungen zu verhindern, muss weltweit ein entschiedener, vereinigter Kampf organisiert werden, die Umwelt vor der Profitwirtschaft zu retten!

Die Diktatoren des Hungers …

Immer stärker wird die gesamte Nahrungsmittelproduktion der Welt dem allein herrschenden internationalen Finanzkapital unterworfen. „Die Monopolisierung und Industrialisierung der gesamten Landwirtschaft führte zu einer neuen Erscheinung: zur Verschmelzung von Agrar-, Handels-, Bank- und Industriekapital im internationalen Maßstab. Damit wuchs auch die Landwirtschaft aus der nationalen Produktion heraus und wurde zum untrennbaren Bestandteil des internationalen Finanzkapitals. Durch die Verschmelzung der Agrarmonopole mit dem Finanzkapital wurde eine weitere Stufe in der materiellen Vorbereitung des Sozialismus erreicht.“ (Stefan Engel, „Götterdämmerung über der ,neuen Weltordnung‘“)

und der Kampf um den Sozialismus

Eine neue Stufe in der materiellen Vorbereitung des Sozialismus – denn tatsächlich wurden damit die Voraussetzungen geschaffen, weltweit auf höchstem wissenschaftlichen und technischen Niveau Lebensmittel in ausreichender Menge zu erzeugen und jedem Menschen eine qualitativ hervorragende Ernährung zu ermöglichen. Das setzt allerdings voraus, dass Produktion und Verteilung dem Profitdiktat entrissen werden, dass mit dem Sozialismus eine Gesellschaft erkämpft wird, in der der Mensch im Mittelpunkt steht – nicht auf Werbebroschüren internationaler Übermonopole, sondern in der Realität!

Gerade bei der Welternährung zeigt der Kapitalismus, dass er nicht in der Lage ist, auch nur eines der existenziellen Probleme der Menschheit zu lösen, die er verursacht hat. Das führt zu immer mehr Unruhe und Aufständen unter den Massen der Welt, die nach Lösungen, nach anderen Perspektiven suchen und zunehmend die bestehenden Verhältnisse bekämpfen. Das US-Außenministerium schätzt, dass allein zwischen 2007 und 2009 über 60 Unruhen weltweit aufgrund von hohen Nahrungsmittelpreisen und Hunger ausgelöst wurden.

Es ist eine lebenswichtige Aufgabe, dass eine gemeinsame Kampffront der Arbeiterklasse und der Bauern international zustande kommt und den Kampf um die Veränderung der gesellschaftlichen Grundlagen des Welthungers führt. Dieses Signal gab auch die erste erfolgreiche internationale Bauernkonferenz in Indien, die auf Initiative der ICOR stattfand und an der auch eine Delegation der MLPD teilnahm (s. S. 8).

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