Mutige Arbeiterinnen in Jakarta/Indonesien: „… dann streiken wir eben weiter!“

Mutige Arbeiterinnen in Jakarta/Indonesien: „… dann streiken wir eben weiter!“

Emelia Yanti, Generalsekretärin der GSBI

Jakarta, 19. 7. 12 (Korrespondenz): Seit nunmehr sechs Tagen steht die Mehrheit der Beschäftigten einer für Adidas produzierenden Fabrik bei Jakarta im Streik. Von den 2.500 Beschäftigten, vor allem Frauen, beteiligt sich die überwiegende Mehrheit an den Streikaktionen. Es wird um ein ganzes Paket von Forderungen gestritten: Mindestlöhne, Wiedereinstellung entlassener gewerkschaftlicher Führer, Bezahlung von Überstunden, Urlaub nach dem Zuckerfest, Neueinstellungen, um die Arbeit zu schaffen.

Geführt wird der Streik von der Gewerkschaft GSBI – der „Föderation unabhängiger Gewerkschaften“. Die Gewerkschaft arbeitet erst seit fünf Monaten in dem Betrieb und führt aktuell Tarifverhandlungen durch. Nach mehreren Verhandlungsrunden hatten die Arbeiterinnen genug von den ergebnislosen Reden und organisierten den Streik.

Das Werk ist belagert und die Streikenden übernachten auf dem Fabrikgelände. Die Gewerkschaft ruft die Ehemänner der Beschäftigten auf, auch am Werk zu übernachten. Sehr viele folgen der Aufforderung, die Kinder werden bei Familienangehörigen untergebracht und die Frauen sind sehr stolz darauf.

Emelia Yanti, Generalsekretärin der GSBI: „Obwohl der Streik sogar nach dem restriktiven indonesischen Streikrecht legal ist – da er während Tarifverhandlungen stattfindet –, geht die Polizei brutal gegen ihn vor. Polizisten versuchten, die Streikenden zu provozieren und setzten Tränengas gegen sie ein. Für die Schwangeren wurde eine Extrazone abseits der Streikposten geschaffen. Dort sollten sie geschützt sein und dennoch ihre Zustimmung zum Streik bekunden können. Doch selbst gegen sie wurde Tränengas eingesetzt! So brach kurzzeitig Panik aus.“ In den folgenden Tagen gin- gen die Sicherheitskräfte noch brutaler vor und es gab mehrere Verletze. Aber die Streikenden bewältigten die Situation und entschieden, weiterzukämpfen.

Schon in der Vorbereitung des Streiks hatte die Gewerkschaft die Belegschaft auf eine harte Auseinandersetzung vorbereitet: Es kann sein, dass die Auseinandersetzung nicht nach drei Tagen beendet ist?! „Dann streiken wir weiter!“. Es kann sein, dass Polizei eingesetzt und Verantwortliche entlassen werden?! „Dann streiken wir auch dagegen!“.

Emelia Yanti: „Es ist der erste Streik der Belegschaft und sie ist noch streikunerfahren – aber es wird eine harte Auseinandersetzung. Es kann sein, dass wir eine internationale Kampagne zu seiner Unterstützung entfalten müssen. Dann setzen wir auch auf die Unterstützung der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus Deutschland.“

Die erste internationale Solidaritätsadresse kam von der Frauenreisegruppe, die derzeit durch mehrere Länder Asiens reist. Die Resolution spricht die herzliche Solidarität aus, informiert über die Vorbereitungen zur 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2016 und endet: „Wir werden Euren mutigen Streik auch in Deutschland bekannt machen. Lasst Euch keine Angst einjagen, haltet an Eurem Streik weiter fest!“

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