Besuch bei den streikenden Kumpel von Asturien

„Ihr Mut und ihre Verlässlichkeit sind das Feuer ihres Kampfes“

(Korrespondenz): Wir hatten unseren Urlaub in Asturien schon lange geplant, als die umfangreichen Kampfaktionen der Bergarbeiter in Asturien zum Erhalt ihrer Zechen begannen. Brennende Barrikaden auf Autobahnen, Feuerwerkskörper, Zechenbesetzungen, nackte Hintern in Richtung Polizei … Ich war ganz aufgeregt. Wow – was für eine Kampfkraft und Energie!
Jetzt sind wir hier in der Nähe der Bergbaustädte Langreo und Mieres und besuchen eine der Protestversammlungen, die jeden Dienstag und jeden Samstag auf dem Zechengelände stattfinden. Und wie immer ist die Wirklichkeit bei weitem vielfältiger als Medienberichte mit spektakulären Bildern.
Die Versammlung soll um 18 Uhr beginnen. Die Zeche Pozo Candin ist nicht leicht zu finden. Langreo ist ein langgestrecktes, industriell entwickeltes Tal und erinnert uns in vielem an die Stahlarbeiterstadt Longwy zur Zeit der Stilllegung der Stahlwerke in den 1980er Jahren. Ein Video über den letzten Protestmarsch von Candin hilft und wir erinnern uns: ein gelbes Gebäude, eine lange Straße den Berg hinunter.

Um 17.30 Uhr sind erst wenige Kollegen da, die Gewerkschafter der UGT bauen eine Anlage auf. „Wie viele Leute werden wohl kommen?“ fragen wir einen ehemaligen Bergmann. „Kann man nie wissen, hängt vom Tag ab.“ Wir kommen ins Gespräch. Er hat 22 Jahre auf der Zeche Candin gearbeitet. Für ihn ist es selbstverständlich, jedes Mal hier zu sein. Er sagt erbittert: „Was soll das Gerede in der Zeitung, wir würden von Subventionen leben. Ich habe hier mehr als zwei Jahrzehnte gearbeitet und ich habe von meiner Arbeit gelebt – nicht von den Subventionen.“ Wie die meisten hier ist er aus einer traditionsreichen Bergarbeiterfamilie. Seine beiden Brüder arbeiten noch auf der Zeche, sein Vater war Bergmann, sein Opa kann sich noch an den großen Streik der Bergarbeiter Asturiens gegen Franco 1937 erinnern.

Inzwischen kommen immer mehr Familien den Berg hinauf. Lehnen sich an die alten Loren und unterhalten sich. Die Babys im Kinderwagen werden gefüttert, die Kleinen suchen sich Spielplätze zwischen Transportschienen und altem Arbeitsgerät. Viele, Erwachsene und Kinder, tragen T-Shirts: „Ich unterstütze die 5 von Candin: Abelardo, Carlos, Dario, David und Roberto.“ Das sind die fünf Bergarbeiter, die seit 39 Tagen unter Tage das Bergwerk besetzt halten.

Die Musik aus den Lautsprechern hallt über das Tal: Arbeiterlieder, die auf die Schnelle umgedichtet wurden und alle Zechen Asturiens besingen, Gewerkschaftslieder und „Commandante Che Guevara“. Ein paar Feuerwerkskörper knallen.
Inzwischen ist es 18.30 Uhr und zirka 300 Menschen füllen den Platz vor dem Förderturm. Das Zukunftsprogramm von „Kumpel für AUF“ und die Einladung zur 1. Internationalen Bergarbeiterkonferenz in Peru 2013 stoßen auf großes Interesse.

Um 19 Uhr gibt es eine kurze Kundgebung. Ein Gewerkschafter berichtet vom „marcha de carbon“ („Marsch für Kohle“) von 80 Bergarbeitern aus ihrer Region nach Madrid, der heute seine neunte Etappe erreicht hat. Trotz enormer Hitze in der Region Léon und langen Tagesmärschen halten die Kumpel durch. Sie bekommen viel Unterstützung. Freiwillige Ärzte und Sanitäter begleiten sie, an jeder Station bringt die lokale Bevölkerung Essen und Getränke, und Delegationen der regionalen Industriebetriebe begleiten die Marschierenden. In manchen Regionen wächst der Zug auf über 2.000 Menschen an. Alle Augen sind nach Madrid gerichtet, wo die Bergleute am 10. Juli eintreffen und am 11. Juli an der Spitze einer machtvollen Demonstration gegen das drastische Krisenprogramm der Regierung Rajoy marschieren werden. Besonders würdigt der Redner die „Encerrados“, jene Bergleute der Zechen Candin und Santiago, die unter Tage ausharren: „Sie und ihre Familien sind unser stärkstes Faustpfand in diesem Kampf.“
Die Kundgebung dauert nicht länger als zehn Minuten. Alles Wichtige ist gesagt.

Mit ernsten Gesichtern stehen sie da, die Kinder und Jugendlichen, die Rentner, die aktiven Bergarbeiter und Bergarbeiterinnen, die Frauen, in ihrem Rücken das Surren des Förderschachts, vor sich den verrosteten Förderturm von Candin und die alten Transportgleise für die Förderwagen. Es ist keine moderne Zeche. Es ist einfach ihr Arbeitsplatz. Die Zähigkeit und Kampfentschlossenheit, die aus ihren Gesichtern spricht ist nicht so spektakulär wie die Straßensperren ein paar Kilometer weiter. Aber auf lange Sicht sind dieser Mut und diese Verlässlichkeit das Feuer des Kampfes.
Wir wünschen uns sehr, dass sie im März 2013 nach Peru zur 1. Internationalen Bergarbeiterkonferenz kommen. Anders als in der Automobilindustrie, deren internationale Monopole in der ganzen Welt exakt dieselben Fabriken aufbauen, hat der Bergbau enorme Unterschiede im Stand der Abbaumethoden und der Produktionstechnik. Der kleine informelle Goldabbau in Peru, die riesigen Bagger des Braunkohletagebaus in Deutschland, die Bergwerke in Südafrika und in Kasachstan oder in den Bergen Boliviens verlangen den Bergleuten ganz unterschiedliche Anstrengungen ab. Aber überall auf der Welt eint sie ihre lange Kampftradition, ihre Härte, die Solidarität auf der Arbeit und in ihren Familien, ihr Stolz und ihre Unbeugsamkeit. Die Bergleute Asturiens müssen Teil dieser internationalen Koordinierung werden.

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