Alle gemeinsam – todos juntos – tous ensemble!

Die rückläufigen Wirtschaftsdaten in den meisten Ländern kündigen einen neuen Einbruch in der Weltwirtschaftskrise an.

Panisch versuchen die Regierungen der 20 größten Industrieländer, wenigstens einen unkontrollierten Absturz zu verhindern. Aus der Krise des Euro ist inzwischen eine Krise der EU geworden. Vor diesem Hintergrund vertiefen sich die Klassengegensätze und hat sich das Klassenbewusstsein des internationalen Industrieproletariats in Europa weiter entwickelt.

Am 28. Juni: ein länderübergreifender Aktionstag von GM-, PSA- und Opel-Kollegen mit internationaler Ausstrahlung! Am 30. Juni: Fortsetzung in Straßburg mit einer Protestkundgebung und Demonstration! Und gleichzeitig stehen die griechischen Stahlarbeiter in Aspropirgos bei Athen seit nun mehr über 280 Tagen im Streik, der sich ausdrücklich gegen die Auflagen der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF richtet! Ihr Kampf hat inzwischen andere Belegschaften in Griechenland ermutigt, selbst mit in den Streik zu treten. In Spanien gibt es seit dem 29. Mai einen unbefristeten Streik von 8.500 Bergarbeitern auf allen Schachtanlagen! Es geht gegen die EU-Auflagen, den Bergbau stillzulegen. Sie blockieren Autobahnen und kämpfen gegen Einsätze von Polizei und der Bürgerkriegstruppe Guardia Civil.
So erhebt sich in den letzten Monaten das internationale Industrieproletariat in Europa.
Es internationalisiert seinen Kampf und beginnt, den Klassenkampf im eigentlichen Sinne zu entwickeln.

München – Bochum – Paris – Straßburg …
Vom 17. bis 20. Mai hatten sich in München 600 Teilnehmer aus 19 Ländern zum 7. Internationalen Automobilarbeiterratschlag getroffen. Zwei Tage lang berieten sie, dann waren sie sich über eine künftig verbindlichere Koordinierung und Kooperation einig. Ein Ergebnis des Ratschlags war auch, die für GM/Opel bereits bestehende „Solicharta“ auf PSA zu erweitern. Darin verpflichten sich die Teilnehmer aus GM- und PSA-Belegschaften, „die Allianz der Arbeiter zu schmieden … Der aktuelle Kampf gegen die geplanten Werksstilllegungen von Opel/Bochum, PSA Aulnay/Frankreich und PSA/Madrid ist unser aller Kampf“.
Schon einen Tag nach dem Ratschlag wurde damit Ernst gemacht: Zahlreiche Teilnehmer aus Brasilien, Mexiko  und Russland kamen zur Belegschaftsversammlung nach Bochum. So wurde die Protest- und Solidaritätskundgebung vor dem Tor zu einer internationalen gemeinsamen Aktion.
Zum Zeitpunkt der Aufsichtsratssitzung von Opel am 28. Juni wurde ein gemeinsamer länderübergreifender Aktionstag vorbereitet. Einen Tag vor dem Aktionstag organisierten die auch auf dem Automobilarbeiterratschlag vertretenen brasilianischen Gewerkschafter von CSP Conlutas einen zweistündigen Streik bei GM Sao Jose dos Campos. Dort verabschiedeten sie eine Solidaritätserklärung an die Kollegen in Bochum. Am Aktionstag kamen weitere Solidaritätsadressen unter anderem aus Indien, den USA sowie von Südkorea und den Fiat-Arbeitern aus Italien.  Louis von der CGT kam von
GM Saragossa (Spanien) nach Bochum ebenso wie Bertrand von PSA Mulhouse/Frankreich. Gleichzeitig fuhr eine Delegation aus Bochum nach Paris zur Kundgebung von 1.500 PSA-Kollegen, wo sie freudig begrüßt wurden. Das erlebte  auch die Delegation aus Bochum, die am 30. Juni zur Demonstration von GM und PSA-Beschäftigten nach Straßburg gefahren ist.

Verbindung gewerkschaftlicher und selbständiger Aktionen
Der Kampf gegen die Arbeitsplatzvernichtung belebt das Ringen um eine positive Gewerkschaftsarbeit und die gewerkschaftliche Kampfeinheit. In Bochum wurde sich im Betriebsrat intensiv auseinandergesetzt, aber auch um die Gemeinsamkeit gerungen. Das Ergebnis war, dass bei der Belegschaftsversammlung am 17. 6. die Belegschaft geschlossen die Versammlung verließ, als Opel-Chef Stracke die Stilllegungspläne für Opel Bochum nicht zurücknehmen wollte.
Immer deutlicher wird, dass die Spaltung in verschiedene Richtungsgewerkschaften innerhalb eines Betriebs wie in Frankreich oder Spanien das gemeinsame und einheitliche Handeln erschwert.
Während in Frankreich die Streiks am 28. 6. in Aulney von den Gewerkschaften organisiert wurden, sind die Arbeiter in Deutschland aufgrund der Einschränkung des Streikrechts gezwungen, den Kampf zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze selbständig zu führen. Das ist für die Kollegen eine höhere Hürde. Umso bedeutsamer sind mehrere selbständige Bandabschaltungen in Eisenach aus Protest gegen die Verweigerung der Auszahlung der Tariferhöhung. In Bochum stand am 28. 6. das Band im Türmodul. Das war ein selbstbewusstes Zeichen, das sich wie ein Lauffeuer im Werk verbreitete.

Keime künftiger branchenübergreifender Massenkämpfe
Bei Opel/GM/PSA, beim Streik der griechischen Stahlarbeiter und der spanischen Bergleute entwickelt sich nicht nur eine Koordination innerhalb der Branche, sondern die Kämpfe und Auseinandersetzungen strahlen auf andere Belegschaften aus, fordern diese heraus. So bilden sie eine wichtige Grundlage zur Ausweitung der Kämpfe und zum Übergang zu Massenkämpfen gegen die Regierungen. Bei der Solidaritätsversammlung in Bochum am 21. 6. und am Aktionstag am 28. 6. waren kämpferische Delegationen weiterer Automonopole wie Daimler und Ford, von Zulieferern, Stahlkonzernen, Metallbetrieben da, ebenso die Bergarbeiterbewegung „Kumpel für AUF“ und Beschäftigte aus Gesundheitskonzernen. In Spanien schlossen sich Transportarbeiter dem Streik der Bergleute an, griechische Stahlarbeiter haben freundschaftliche Verbindungen zur kämpferischen Automobilarbeiterbewegung aufgebaut.

Es geht um das ganze Leben
Im Kampf der Opel-Kollegen um die Abwehr von Arbeitsplatzvernichtung und Werkschließungen geht es auch um die Zukunft der Arbeiter und ihrer Familien, ganzer Städte und Regionen. Ein Opelaner brachte das zum Ausdruck: „Wir arbeiten heute viermal so viel wie vor zehn Jahren. Mancher fragt sich, wie lange schaff‘ ich das noch? Wir müssen nicht nur die Werkschließung verhindern, wir brauchen Neueinstellungen und wir kämpfen für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Und wir denken auch an die Umwelt – wir brauchen emmissionsfreie Antriebe“. 1.197 Kolleginnen und Kollegen bis hin  zu prominenten Künstlern unterschrieben in Bochum das angriffsfreudige „Zukunftsprogramm“ der Opelaner. Das ist auch offen für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, den echten Sozialismus, und gibt Antikommunismus keine Chance.
Die Einbeziehung der Familien und die Frauenarbeit ist ein Trumpf, denn ein Arbeitskampf wird auch immer zu Hause entschieden. Die Frauen des neu gegründeten Frauenkomitees „BASTA!“ bei Opel Bochum haben sich in der Öffentlichkeit bereits viel Anerkennung erworben. Sie haben deshalb auch die Initiative für das Protestcamp am 28. 6. ergriffen, wo sie das starke Rückgrat und die lebendige Seele der Protestversammlung und Solidaritätsfete am Tor waren.
Zahlreiche Montagsdemonstrationen aus dem Ruhrgebiet, kommunalpolitische Bündnisse, der Frauenverband Courage usw. stärken den Opelanern den Rücken. Die Durchdringung der Arbeiterbewegung mit der kämpferischen Opposition erhöht das Potenzial von beiden.

Elemente des internationalisierten Klassenkampfs im eigentlichen Sinne
Die spanischen Bergleute kämpfen gegen die gleichen  EU-Gesetze, mit denen auch in Deutschland und anderen Ländern die Schließung des Steinkohlebergbaus erzwungen werden soll. Die griechischen Stahlarbeiter kämpfen ausdrücklich gegen die Auflagen der EU/EZB und des IWF. Der ökonomische Kampf um die Lebensgrundlagen wird so auch zum politischen Kampf gegen die spanische und griechische Regierung und die EU. Dabei machen die Arbeiter wichtige Erfahrungen mit dem Staatsapparat, Justiz, Polizei und Bürgerkriegstruppen. Das ist eine  Grundlage für die Erkenntnis, dass der Staatsapparat Herrschaftsinstrument des internationalen Finanzkapitals und eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft notwendig ist.
All diese Elemente festigen sich in einer bewussten Arbeit zur Koordinierung und Höherentwicklung der Arbeitereinheit im eigenen Land wie international. Motor der Koordinierung, Kooperation und Revolutionierung ist die Schaffung und Stärkung revolutionärer, marxistisch-leninistischer Arbeiterparteien.

Potenzial der revolutionären Weltkrise wächst
Beim Krisengipfel der EU am 28. 6. saß der Aufschwung der Arbeiterbewegung in Europa „mit am Tisch“. Zu Recht entwickeln die Herrschenden Furcht vor Massenkämpfen und der Revolutionierung der Arbeiterklasse und der Volksmassen.
Insbesondere die spanische Regierung – wie auch die italienische und die griechische – drangen darauf, die Durchsetzung und gar weitere Verschärfung der Krisenprogramme für die breiten Massen abzuschwächen. Zugleich steckt die EU aber im Dilemma: Angesichts des Rückgangs der Weltwirtschaft verschärft sich die Finanz- und Verschuldungskrise und damit auch der Boden für die latente politische Krise, für die Entwicklung des Klassenbewusstseins und des Klassenkampfs.  
Das Potenzial der revolutionären Weltkrise wächst, obwohl die Aufstandsbewegung in den arabischen Ländern derzeit ins Stocken geraten bzw. zum Spielball machtpolitischen Gerangels zwischen den imperialistischen Machtgruppen geworden ist. Die klassenkämpferischen und revolutionären Kräfte der Welt fürchten sich nicht vor der „explosiven Lage“ – im Gegenteil, sie setzen alles daran, den internationalen Klassenkampf höher zu entwickeln zur Vorbereitung der internationalen sozialistischen Revolution.
Alle Möglichkeiten zu nutzen, um vertrauensvolle Verbindungen zwischen Kollegen, camarades und compañeros über Ländergrenzen zu schaffen, die revolutionären Parteien zu festigen und zu stärken, die ICOR breit bekannt zu machen – was für eine begeisternde Aufgabe in diesen bewegten Zeiten.

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