„Eine denkwürdige Betriebsversammlung bei Opel-Bochum“

Die „Rote-Fahne“-Redaktion sprach mit klassenkämpferischen Opelanern

Die Betriebsversammlung bei Opel Bochum am Samstag, den 17. 6. 12, fand knapp eine Woche nach der Ankündigung von GM/Opel statt, die Schließung des Werkes Bochum eventuell vom geplanten Termin Ende 2014 auf 2016 bis zum Auslaufen der Zafira-Produktion zu verschieben (wenn die Arbeiter dem durch ihren Kampf nicht einen Strich durch die Rechnung machen). Die Betriebsversammlung endete für die Geschäftsleitung mit einer bösen Überraschung. Nachdem Opel-Chef Stracke andeutete, er werde die Fragen der Kollegen nicht beantworten, verließen die Opelaner geschlossen den Saal, bevor er zu Wort kommen konnte. Die „Rote Fahne“ sprach mit zwei Opelanern:

Was sagt ihr zur Versammlung, die Schlagzeilen machte?
Es war eine erfolgreiche Versammlung. Der Geschäftsleitung wurde eine klare Ansage erteilt: „Wir wollen keinen Verzicht, sondern den Erhalt der Arbeitsplätze und somit auch des Werkes.“ Es wurde zwischen den verschiedenen Richtungen im Betriebsrat und unter Vertrauensleuten gegenüber den Vertretern der Geschäftsleitung Einigkeit demonstriert. Die wurden dann wie kleine Jungen stehen gelassen. Das drückte bei allen Opelanern das erhöhte Selbstvertrauen aus. Das Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen untereinander ist spürbar gewachsen. Auch das Verhältnis und der Schulterschluss zur MLPD und der ihr zugerechneten Kollegen ist deutlich gewachsen. Die Kollegen spüren, dass sie die MLPD brauchen für den bevorstehenden Kampf.

Vor der Versammlung gab es eine Kundgebung?
An der Auftaktkundgebung, die von der Betriebsratsliste „Offensiv“ organisiert wurde,  haben teilgenommen: Bir-Kar, MLPD, Montagsdemo Gelsenkirchen, Vertreter von HSP, VDO, die Ellesmere Port-Delegation, das Frauenkomitee BASTA!, die Gelsenkirchener Stadträtin Monika Gärtner-Engel und noch eine ganz Reihe Kollegen. Zugehört haben viel mehr, als direkt bei der Kundgebung standen. Die Auftaktkundgebung demonstrierte: die Solidarität steht! Alle Redner werteten als beachtlichen Erfolg, dass GM einen Rückzieher von der geplanten Schließung 2014 machen musste. Das ist allein auf die wachsende Kampfbereitschaft zurückzuführen. Es war eine politische Entscheidung. Es ist auch klar geworden, dass damit der Kampf gegen die Schließung erst richtig los geht. Mit Empörung wurde die Erpressungspolitik zurückgewiesen: Opel steigert die Arbeitshetze ins Unerträgliche. Es kann nicht hingenommen werden, dass sie die 4,3 Prozent Tariflohnerhöhung klauen wollen.

Und wie ging es bei der Betriebsversammlung weiter?
Es waren etwa 2.000 Kolleginnen und Kollegen da. Erstmals kamen mit vier Frauen vom Frauenkomitee BASTA! auch einige Frauen und Kinder ins Publikum.
Der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel hielt eine kämpferische Rede. Er bestätigte, dass Teile des GM-Managements auf der Schließung 2014 bestehen wollten. Nur das Eingreifen des IGM-Vorsitzenden Huber mit dem Angebot der Stundung der 4,3 Prozent hätte den Schließungsbeschluss verhindert. Der Betriebsrat hat aber keinerlei Zustimmung für den Verzicht auf die 4,3 Prozent gegeben oder unterschrieben. Nachdem der erste ans Saalmikro ging, wurden Zwischenfragen erlaubt. Besonders Furore machten die mutigen Frauen von „Basta!“. Die stellten sich gleich ans Saalmikrofon und alle vier hielten erfrischende und kämpferische Beiträge, die uns ans Herz gingen.
Es sprachen insgesamt neun Leute.

Dann kam der Höhepunkt?
Ja, Einenkel sprach dann weiter und lobte das Frauenkomitee als „eine hervorragende Initiative.“ An die Geschäftsleitung gerichtet: „Wenn Sie uns nicht mehr brauchen, dann machen Sie doch zu und zwar jetzt!“ Das gab richtig Applaus in der Bude. Stracke solle sagen, ob es Nachfolgemodelle und keine Schließung gibt. Der schüttelte nur den Kopf. Einenkel: „Dann wissen wir, was zu tun ist.“ Dann sprach der Betriebsrat Peter Gabriel: „Die Schließung 2016 ist keine Verhandlungsgrundlage“ … Wenn der Vorstand nicht bereit ist, uns zu antworten, dann brauchen wir uns das auch nicht mehr antun.“ Daraufhin verließen wir geschlossen die Halle.

Wie geht es weiter?
Draußen fand dann eine Abschlusskundgebung statt. Es  war wichtig, dass sich noch ganz viele Unterstützer (etwa 300 Kollegen) beteiligten. Hervorgehoben wurde die Einigkeit der Belegschaft gegen die Konzernspitze. „Wir lassen uns nicht ausspielen, weder Lohnverzicht noch Schließung und Abbau.“
Die Kundgebung wertete auch aus, dass es jetzt weiter geht mit der Vorbereitung des Aktionstags am 28. Juni und einer breiten Solidarität. Vor allem die weitere Arbeit für einen neuen Kampf wurde rege diskutiert: über die Zukunft der Jugend und die Lage im Werk und die Lage in den Familien, und wie das alles mit dem Kampf gegen Hartz IV zusammenhängt. Die Versammlung war ein Erfolg und super. Der Tag war ein Schritt für die weitere Festigung der Einheit.

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