EM: 2012: Fußballexperten wurden überrascht

Die ersten Spiele der Vorrunde sind hinter uns. Das Spiel Niederlande gegen Deutschland war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet. Über die Grenzen Europas hinaus hat diese EM Interesse geweckt. In Europa konzentrieren sich neben Lateinamerika die derzeit besten Nationalmannschaften der Welt. Spanien steht auf Platz 1, Deutschland auf 3, Niederlande auf 4, England auf 6, Kroatien auf 8, Dänemark auf 9 und Portugal auf 10 der aktuellen Fifa-Weltrangliste. Die „Rote Fahne“ sprach mit Bernhard Dietz, ehemaliger 53-facher Nationalspieler und Kapitän der Europameistermannschaft von 1980:

Ich glaube, dieses Mal werden wir keinen Außenseitersieg erleben, wie vorletztes Mal mit Griechenland. Von allen Mannschaften neben Deutschland hatte ich besonders die Holländer stark eingeschätzt. Beide sind ähnlich gestrickt. Bei uns sind Klose und Gomez überragende Stürmer. Die Holländer haben mit von Persie und Huntelaar ebenbürtige Spitzen. Die zentrale spielaufbauende Rolle von Schweinsteiger hat bei Holland Sneijder. Bisher hatte ich besonders die Portugiesen als Mitfavoriten im Visier. Sie haben aber in den letzten Spielen und gegen Deutschland eher enttäuscht. Natürlich gibt es weitere Favoriten auf den Titel: Spanien gehört unbedingt dazu. Aber auch Italien darf man nicht abschreiben, auch wenn es da etliche Turbulenzen im Vorfeld gab. Die Begegnung der beiden war schon von der Qualität ein echtes Endspiel.
Und Frankreich und England zählen von ihrem Spielerpersonal sowieso zu den Topp-Mannschaften, auch wenn sie etliche Ausfälle verkraften müssen. Man darf die ersten Vorrundenspiele nicht allzu hoch hängen. Das zeigt die polnische Mannschaft, die erst im zweiten Treffen besser auf Touren kam.
Die deutsche Mannschaft wird sicher weit kommen und will natürlich Erster werden. Ob sie es dann wird, ist zweitrangig. Bundestrainer Löw hat ein gutes Feeling für die Leute. Natürlich kann man es nicht jedem Recht machen. Die Debatte darüber, ob Löw mehr Bayernspieler bringt oder mehr vom Meister Dortmund, halte ich für schädlich. Das schürt Gegensätze. Für mich gibt es eh keinen „Ersatzspieler“. Wenn man zu einem Turnier antritt, darf es nur einen Kader geben. Es reicht bei der Dichte der Spitzenmannschaften nicht, nur gute Spieler zu haben. Sie müssen zusammenhalten. Das beeindruckt bei unserer Mannschaft. Manche sagen, dass es die beste jüngste Nationalmannschaft aller Zeiten ist. Man kann allerdings frühere Epochen nicht mit heute vergleichen. Früher spielten acht Mannschaften, heute 16 in der Endrunde. Damit erhöht sich das Risiko, durch einen Ausrutscher bei einem Spiel in den Finalrunden rauszufliegen. Als wir 1978 bei der WM in Argentinien gegen Österreich ausgeschieden sind, waren wir keine homogene Mannschaft. Da gab es Gruppenbildungen. Danach baute der Nachfolger von Helmut Schön, Jupp Derwall, eine neue Truppe auf. Ich hatte das Glück, dazu zu gehören. Wir hatten einen tollen Zusammenhalt und wurden 1980 Europameister. Wir halten übrigens den Rekord einer deutschen Nationalmannschaft mit zweieinhalb Jahren ohne Niederlage. Darauf bin ich auch heute noch stolz.

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