Opel Bochum: große Solidarität – Betriebsversammlung unterbrochen

Opel Bochum: große Solidarität – Betriebsversammlung unterbrochen

Internationale Gäste, selbst kämpferische Gewerkschafter und Automobilarbeiter, zeigten ihre Solidarität

Mit der geplanten Verlagerung des Astra nach England und Polen und der Zafira-Produktion von Bochum nach Rüsselsheim hat die Konzernleitung von GM/Opel faktisch die Schließung des Bochumer Opel-Werkes beschlossen. Mit großer Spannung wurde die Betriebsversammlung und das ganze Drumherum am Montagmorgen, den 20. 5. erwartet.

Die außerordentliche Betriebsversammlung war groß als „öffentlich“ angekündigt. Das sah dann ganz anders aus: Schwarze Vorhänge wurden aufgehängt, dass nichts nach außen dringen sollte. Normalerweise ist die Schranke offen, der Zaun wurde zugemacht, es waren private Sicherheitskräfte da. Das deutete offensichtlich auf Angst und Panik bei der Opel-Geschäftsleitung hin. Ihr erster Mann Karl-Friedrich Stracke behauptete nun im Angesicht der Kolleginnen und Kollegen auf der Bochumer Betriebsversammlung, sie hätten noch kein Konzept. Das würde erst bei einer Aufsichtsratssitzung am 28. Juni unterschrieben. Er setzte voll auf Hinhaltetaktik und Vertrösten. Beifall bekam die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, vor allem wenn sie kämpferische Töne anschlug. Sie kündigte an, dass sich die Bundesländer nicht gegeneinander ausspielen lassen sollen. Zwei Kollegen aus Eisenach und aus Rüsselsheim durften reden und bekamen Applaus, als sie sich für die Kampfeinheit aller Opel-Belegschaften aussprachen. Die Betriebsrätin Annegret Gärtner-Leymann sagte unter Beifall, dass Opel unter anderem für „krankmachende Verhältnisse“ verantwortlich ist. Kollegen aus dem Werk berichten und Verteiler der Kollegenzeitung „Blitz“ bestätigen, dass die Kolleginnen und Kollegen enttäuscht und wütend waren, über die Hinhaltetaktik der Geschäftsleitung.

Insgesamt herrschte eine Unentschlossenheit, ob es richtig ist, jetzt sofort härtere Kampfmaßnahmen zu ergreifen oder doch noch abzuwarten. Es gab eine größere Zahl kämpferischer Beiträge, die sich die Kolleginnen und Kollegen mit großer Aufmerksamkeit und Ernst anhörten. Noch trat die Belegschaft nicht in den Streik. Es gibt noch viele Fragen, z.B. ob das was bringt. Aber als der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel dagegen Stimmung zu machen versuchte und den Gedanken an Streik als „Spaltung“ diffamierte, bekam er keinen Beifall. Die Konzernzeitung von Kollegen für Kollegen, der „Blitz“, wurde von vielen genommen und regte zu intensiven Diskussionen an. Die Opelaner konnten morgens vor dem Werkstor Solidaritätsdelegationen aus fünf Ländern und mindestens 14 Großbetrieben begrüßen. Sie waren extra vom 7. Automobilarbeiterratschlag gekommen, der am Sonntag zu Ende ging. Es waren auch da: die Bochumer Gruppe von Courage, MLPD, Rebell, Bir-Kar und noch gut hundert weitere Teilnehmer. Die Geschäftsleitung weigerte sich, den ausländischen Delegationen die Teilnahme an der Betriebsversammlung zu ermöglichen. So gab es dann vor dem Tor Kundgebungen mit ca. 100 bis 120 Teilnehmern mit Beiträgen von Kollegen und Gewerkschaftern aus vielen Autobetrieben und anderen Großbetrieben. Auch die Montagsdemonstration, die diese Kundgebungen angestoßen hatte, beteiligte sich. Ford-Kollegen drückten ihre Solidarität unter anderem mit Liedern aus, Courage hatte Catering organisiert – immerhin gingen die Kundgebungen mit Pausen über fünf Stunden. Am Ende der Betriebsversammlung zogen einige Kollegen vor das Tor zu einer öffentlichen Abschlusskundgebung für diesen Tag. Die Betriebsversammlung wurde „unterbrochen“ – die Auseinandersetzung geht weiter.

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