„Baggert uns ja nich an!“

„Baggert uns ja nich an!“

Aktion der Mieterinitiative gegen den Abriss der Siedlung am Zinkhüttenplatz in Duisburg-Hamborn beim Internationalen Frauentag 2012

Widerstand gegen den Abriss der Duisburger Siedlung am Zinkhüttenplatz

Duisburg (Korrespondenz): Im November 2011 erfahren die „Immeo“-Mieter der in den 1960er Jahren von Thyssen gebauten Siedlung am Zinkhüttenplatz in Duisburg-Hamborn aus der Presse: ihre Siedlung wird abgerissen für die Parkplätze des beschlossenen Facto­ry-Outlet-Centers (FOC). „Baggert uns ja nich an! Kein Abriss für das FOC – wir bleiben hier!“ wird zur Losung ihres Widerstands.

Die Hintergründe

Im Zuge der Neuorganisation der internationalen Produktion brauchen die Konzerne gewaltige Summen für ihren erbitterten Konkurrenzkampf um die Beherrschung des Stahlmarkts. Mit der Fusion von Thyssen und Krupp werden auch die Wohnungsgesellschaften zusammengelegt und für die Kriegskasse des Konzerns versilbert.

Ein Großteil der Kredite, mit denen „Immeo“ – wie andere Immobilienkonzerne – 2006 die Übernahme der Wohnungen finanziert hat, muss 2013 abgelöst oder neu finanziert werden. In der derzeitigen Weltwirtschafts- und Finanzkrise setzt dies „Immeo“ zusätzlich unter Druck – das ist mit ein Grund für die massiv vorangetriebenen Mieterhöhungen und den Verkauf der Siedlung am Zinkhüttenplatz.

Es ist pure Heuchelei, wenn verschiedene Stadträte jetzt so tun, als wären sie vom Umfang des Outlet­Centers überrascht. So heißt es in der städtischen Ausschreibung: „Es wird empfohlen, Erweiterungsmöglichkeiten konzeptionell zu bedenken.“ Gleichzeitig werden alle Inte­ressenten verpflichtet, Informationen der Stadt, auch zu den Grundstücken am Zink­hüttenplatz „vertraulich zu behandeln und darüber Stillschweigen gegenüber Außenstehenden zu bewahren“ (Exposé).

Indem sich auch die Ratsfraktion der Linkspartei voll hinter diese Pläne stellt, macht sie sich zum Handlanger der Konzerne und Banken – ob sie das will oder nicht!

Der Widerstand wird organisiert

Die Mieter gründeten eine Bürgerinitiative und wählten eine Sprechergruppe. Zu den Treffen kommen über 300 Mieter, aber auch andere, die sich mit ihrem Kampf solidarisch erklären. Auf den Treffen werden Argumente ausgetauscht, die weiteren Schritte beraten, die Ängste und Sorgen der betroffenen Mieter angesprochen.

Nach anfänglicher Angst und Unsicherheit wuchs so ihre Entschlossenheit. Sie organisierten eine Menschenkette um die Siedlung, eine Demonstration vor dem Rathaus, traten entschlossen auf einer Informationsveranstaltung und einer öffentlichen Bezirksvertretungs­sitzung und dem Neujahrsem­pfang der Bezirksvertretung auf. Eine Abordnung machte ihr Anliegen auf der Montagsdemonstration bekannt. Der Internationale Frauen­tag wurde in der Siedlung gefeiert und eine Delegation von Frauen ging anschließend noch in die Duisburger Innenstadt und nahm dort an den Aktivitäten zum 8. März teil. Als Nächstes wollen sie am 16. April an der Montagsdemonstration teilnehmen, am 21. April findet ein Solidaritätsfest in der Siedlung statt und am 1. Mai wird ebenfalls demonstriert.

Dabei unterstützt sie die Wohngebietsgruppe Hamborn der MLPD mit Rat und Tat. So gaben wir zwei Flugblätter heraus, die den Standpunkt der MLPD klar darlegten, organisierten eine gut besuchte Veranstaltung zu den Hintergründen, traten auf der öffentlichen Bezirksvertretungssitzung auf, stellten Kontakt mit anderen Mieterinitiativen her und berieten sie.

Spaltungsversuche scheitern

Es gab und gibt verschiedene Versuche, die Mieter zu verunsichern und zu spalten: Immeo versuchte mit massiven persönlichen Besuchen und der Einrichtung eines Büros in der Siedlung, die Mieter zum Ausziehen zu bewegen. Die bürgerliche Presse, aber auch alle Ratsparteien versuchten es mit antikommunistischer Hetze und der Diffamierung aller, die sich mit den Mietern solidarisch erklärten, als „Nichtbetroffene“. Dieser Spaltungsversuch scheiterte. So erklärte der Presse­sprecher der Mieterinitiative, Helmut Mattern, gegenüber der „WAZ“, dass jede Solidarität, außer von Faschisten, gern gesehen ist.

Immer mehr Menschen, auch außerhalb der Siedlung, lehnen den Abriss und den Bau des FOC ab:

Sie sind empört über die Vorgehensweise der bürgerlichen Politiker, die hinter verschlossenen Türen und mit Geheimabsprachen arbeiten.

Viele, auch immer mehr ThyssenKrupp-Kollegen, lehnen das FOC wegen der CO2-Belastung ab. Der Duisburger Norden ist durch Feinstaub und andere Emissionen von ThyssenKrupp-Stahl und Grillo sowie durch den Verkehr jetzt schon enorm belastet.

Nicht wenige befürchten, dass nachher eine Bauruine da steht, weil die Geschäfte im FOC früher oder später pleite gehen. Oder dass die Häuser abgerissen, aber kein FOC gebaut wird, weil dem Investor das Geld ausgeht.

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