Elgin – Katastrophe in der Nordsee

Ein Beispiel für die Unvereinbarkeit des Kapitalismus mit dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen

Seit dem 25. März entweichen unkontrolliert stündlich etwa 10.000 Kubikmeter Gas an der Ölplattform Elgin in der Nordsee in Nähe der schottischen Küste und verseuchen Luft und Meer. Die 238 Arbeiter der Plattform wurden umgehend evakuiert, die Umgebung für den Schiffsverkehr gesperrt, offiziell wegen der hohen Explosionsgefahr. Diese besteht zweifellos auch nach Erlöschen der Gasfackel am 31. März weiter, ein Funke würde genügen.

Vom Betreiber, dem französischen Ölmulti Total wie von der Behörden wird eine Vertuschungs- und Verharmlosungspolitik betrieben, die an die Methoden bei der Fukushima-Katastrophe erinnert. Vertuscht wird, dass Erdgas immer einen mehr oder weniger hohen Anteil an Schwefelgasen, speziell auch Schwefelwasserstoff (H2S) enthält. Die Umweltschutzorganisation WWF spricht deshalb schon von „Todeszonen im Meer“.

Zu diesem Gas schreibt das Institut für Arbeitsmedizin der Universität Rostock: „Die Giftigkeit von Schwefelwasserstoff ist sehr hoch und ist gefährlich für Mensch, Tier und Pflanzen.“ Diese Bestandteile werden deshalb auf den Gasbohrinseln auch abgefackelt, damit das Gas überhaupt ans Festland transportiert und verwendet werden kann. Der Hauptbestandteil des Erdgases ist Methan. Kommt es unverbrannt in die Atmosphäre, ist es dort ein 20-mal stärkerer Klimakiller wie das Kohlendioxid CO2!

Die Elgin-Katastrophe ist einzuordnen in eine lange Reihe von Unfällen und Beinahe-Katastrophen an Öl- und Gasplattformen in der Nordsee. Allein im Jahr 2008 wurden 491 Ölunfälle mit Freisetzung von mehr als 300 Tonnen Öl dort registriert. Im August 2011 verursachte eine defekte Leitung an der Shell-Plattform „Gannet Alpha“ die schlimmste Umweltkatastrophe Großbritanniens in den letzten zehn Jahren. Der Betreiber Total wusste nach Angaben der Gewerkschaft RMT übrigens bereits seit Februar von Problemen auf der jetzt leck geschlagenen Plattform Elgin, die Warnungen der Arbeiter über immens steigenden Gasdruck wurden aus Profitgier jedoch in den Wind geschlagen. Die Elgin fördert aus fünf Bohrlöchern 9 Millionen Kubikmeter Gas täglich, das sind 3 Prozent der britischen Gesamtfördermenge, dazu noch 60.000 Barrel Leichtöl am Tag.

Der Gasausbruch erfolgte jetzt aus einem seit einem Jahr stillgelegten Bohrloch aus einer Gesteinsschicht in 4 Kilometer Tiefe und liegt damit über einen Kilometer über (!) der Lagerstätte, aus der Total fördert. Das sind stichhaltige Hinweise, das bei der Bohrung entweder skrupellos durch diese gefährliche Lagerschicht nach unten durchgebohrt wurde, oder dass damals bereits das hochgefährliche und giftige „Fracking-Verfahren“ eingesetzt wurde, um Gas mit hohem Druck und Chemikalien aus dem Gestein herauszupressen. Das würde auch erklären, warum sich jetzt das Gas offensichtlich aus 4.000 Metern Tiefe aggressiv durch Beton und Bohrleitung hindurch gefressen hat. Trotz nahender Erschöpfung der Förderung von Erdöl und Gas aus konventionellen Lagerstätten und des begonnenen Übergangs in die globale Klimakatastrophe giert das internationale Finanzkapital nach Maximalprofiten aus der Ausbeutung bisher nicht zugänglicher Lagerstätten, die bei den hochgetriebenen Öl- und Gaspreisen jetzt auch noch zusätzliche Maximalprofite versprechen. Gasdruck und Hitze und die Verseuchung durch diese Fördermethoden machen Tiefbohrungen zu einem völlig unkalkulierbaren und unbeherrschbaren Risiko.

Sofortige lückenlose Aufklärung über die wahre Dimension der Elgin-Katastrophe! Total muss für alle Schäden haftbar gemacht werden! Sofortmaßnahmen zur Eindämmung der Katastrophe und Verbot aller weiteren Tiefsee-Bohrungen nach Erdöl und Erdgas! Der Kapitalismus ist unvereinbar geworden mit Schutz und Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, die kapitalistische Umwelt- und Energiepolitik ist ein schlagendes Argument für den echten Sozialismus weltweit!

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