Griechenland in Leid und Aufruhr

Gelsenkirchen (Korrespondenz): Edessa ist eine Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern. Vor zwei Jahren konntest du kein kleines Geschäft sehen, das leer stand. Jetzt ist fast jedes zweite Geschäft geschlossen. Die kleinen Buden, die Zigaretten und sonstige kleine Artikel verkauften, gibt es kaum mehr. Nur noch ein paar im Zentrum. Griechische Lebensmittelgeschäfte um die Ecke haben alle zugemacht. Nur LIDL blüht auf, schafft aber auch nur Arbeitsplätze im 300- bis 400-Euro-Bereich.
Die kleinen und einheimischen Geschäfte schließen eines nach dem anderen. Die  Stadt liegt in den Bergen und die Leute sind meistens mit dem Taxi gefahren. Das war auch nicht teuer. Die 39 Taxi-Besitzer konnten so ihre Familien durchbringen. Jetzt fährt kaum noch einer und die Taxi-Besitzer gehen mit 20 Euro Einnahmen nach Hause. Davon muss aber alles bezahlt werden. Die Preissteigerungen sind unerträglich. Getränke sind um 51,3 Prozent, Bier um 38 Prozent teurer geworden. Ein Kilo Fleisch bekommt man nicht unter 8 Euro. Zucker ist um 21,5 Prozent, Kaffee um  31,2 Prozent, und Milch um 14,2 Prozent teurer geworden.
Meiner Schwester, die 620 Euro Rente hatte, wurden im Dezember, Januar – und jetzt auch im Februar 230 Euro weniger überwiesen. Sie konnte mit der kleinen Rente eh kaum über die Runden kommen und  weiß jetzt nicht, wie es weitergehen soll. Die ganze Last ist nun für sie noch größer geworden, denn sie ist diejenige, die schauen muss, dass etwas zum Essen auf dem Tisch kommt. Montags gibt es Bohnensuppe, dienstags Linsen, mittwochs Zitronenkartoffeln. Fleisch kaufen sie jetzt bei LIDL und das auch nur als Geschmacksverstärker. So geht es dem größten Teil der Menschen in Griechenland.

Widerstand gegen Sondersteuer
Über 500.000 Griechen konnten die Sondersteuer für Wohnungsbesitzer nicht bezahlen. Pro Quadratmeter – entsprechend der Lage – muss man 6 bis 7 Euro bezahlen. Die jährliche Zahlung dieser Steuer, die 400 Euro pro Familie ausmacht, ist gekoppelt mit der Stromrechnung. Der Strom wird abgedreht, wenn die Zahlungen ausbleiben!
Um den Ausdruck der entsprechenden Bescheide zu verhindern, besetzte die Gewerkschaft im November vergangenen Jahres das Rechenzentrum der Stromgesellschaft. 14 Kollegen stehen derzeit wegen „Hausfriedensbruch und Behinderung öffentlicher Arbeiten“ deswegen vor Gericht.
Die Lehrer fordern die Eltern auf, den Schülern Decken mitzugeben, weil viele Schulen nicht beheizt werden. Kindergärten schließen, weil es kein Toilettenpapier gibt und die Putzfrauen entlassen worden sind.

Die Situation wird sich noch mehr verschärfen
Von 2009 bis heute haben die Arbeiter und Angestellten 50 Prozent Lohnverluste gehabt. 150.000 von ihnen sollen bis zum Jahr 2015 entlassen werden. Zudem wird eine vollständige Zerschlagung des Tarifrechts in der privaten Wirtschaft angestrebt. Alle Löhne der nach dem allgemeinen nationalen Tarifvertrag bezahlten Kollegen werden um 22 Prozent gesenkt. Damit sinkt der bereits jetzt nicht zum Leben ausreichende Mindestlohn von 751 auf 586 Euro brutto im Monat. Nach Abzug von Sozialabgaben und Steuern bleiben davon 480 Euro netto übrig!
Neueingestellte, die jünger als 25 Jahre sind, sollen sogar nur 510 Euro brutto erhalten. Das Arbeitslosengeld sinkt von 461 auf 323 Euro. Der 22-prozentige Abschlag gilt für alle Lohnstufen im Tarifvertrag. Wer sich also in zehn Jahren Schufterei auf 962 Euro brutto hochgearbeitet hatte, muss nun wieder mit 750 Euro auskommen. Die bisher gültigen stufenweisen Lohnerhöhungen nach jeweils drei Arbeitsjahren werden bis mindestens Ende 2014 ausgesetzt.
Die Arbeitslosigkeit ist auf über eine Million gestiegen. Jeder zweite Jugendliche hat keinen Job. In Athen und Thessaloniki sind über 200.000 Menschen obdachlos geworden. Trotz alldem lassen sie sich nicht unterkriegen.

Die Regierung wird damit nicht durchkommen
Über eine Million Menschen waren am Wochenende auf der Straße. Die Regierung wird mit dieser Politik nicht durchkommen. Die „schwarze Front“ (die Übergangsregierung – d. Autor) wird fallen. Die Demonstrationen und Streiks in diesen Tagen sind die richtige Antwort auf die Provokation der „schwarzen Front“.
Diese Auseinandersetzung in Griechenland hat das Bewusstsein der Menschen, vor allem der Arbeiter, weiterentwickelt.  Die Suche und die Auseinandersetzung über eine Zukunft ohne EU, Troika und „schwarze Front“ wächst. Auch Kinder stellen Fragen nach ihrer Zukunft ohne Unterdrückung und Elend und Ausbeutung. Es ist wichtig, dass wir in Deutschland die Solidarität organisieren.

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