Die erste Runde in der ERA-Auseinandersetzung bei Ford ist abgeschlossen

Köln (Korrespondenz): Am Montag, den 12. 12. fand bei Ford eine reguläre Betriebsversammlung statt. Sie war deutlich schlechter besucht als sonst. Die meisten Kollegen erwarteten sich dort nichts Neues. Nach wochenlangen, vielfältigen Protesten verarbeiten die Kollegen jetzt ihre Erfahrungen und überlegen, wie es weitergehen soll. Viele grübeln. In den Gesprächen flammt schnell wieder die Wut auf über diese massiven Angriffe auf das Lohnniveau, die Jugend und auf die Wertschätzung der Ware Arbeitskraft.


Seit Wochen wird jetzt in den Hallen des 17.000 Mitarbeiter starken Werks von den Bereichs-Betriebsräten mit der Geschäftsleitung die sogenannte „fehlerhafte Zuordnung einzelner Mitarbeiter sorgsam geprüft“. Rainer Ludwig, Geschäftsleitung Ford, dementierte mit dieser Formulierung, dass es sich um eine klare Taktik der Geschäftsleitung handelt, die Arbeitsplätze möglichst so zu bewerten, dass innerhalb von Jahren Millionen an Lohnkosten eingespart werden sollen. Tausende eingelegte Widersprüche gegen die persönliche Eingruppierung oder Arbeitsplatzbeschreibung werden zurzeit mühselig bearbeitet. Auch auf der Betriebsversammlung gab es dazu wie erwartet keinen aktuellen Stand.
In auffällig vielen Redebeiträgen von Kollegen wurde mehr als deutlich, dass die Geschäftsleitung an allen Ecken und Enden versucht, die ERA-Einführung gründlich auszuweiden, um ihren Profit zu mehren. Mögen noch so viele konkrete Probleme von den Bereichs-Betriebsräten dabei behoben werden können. In Kollegenbeiträgen wurde klar, dass sich damit die vielen Kritiken an der Einführung von ERA nicht in Luft auflösen.
Auch der Richtungsstreit in der IG Metall spiegelte sich so auf der Betriebsversammlung wider: Lässt sich mit ERA als „zeitgemäßem Entgeltsystem“ eine Gerechtigkeit zwischen Arbeitern und Angestellten herstellen? Oder muss nicht angesichts der DGB-eigenen Studien in Frage gestellt werden, ob dieser ERA-Tarifvertrag so bestehen bleiben sollte?
Übel aufgestoßen ist manch einem der wenigen anwesenden Kollegen, dass jedem, der „ERA weg“ haben will, in den Mund gelegt wurde, damit würde er auch allgemein Tarifverträge ablehnen. Und wer die kämpferischen Forderungen der selbständigen Unterschriftenliste* unterstützte, der provozierte angeblich gar, dass Ford aus dem Arbeitgeberverband austreten würde. Können über 1.200 Arbeiter mit ihrer Unterschrift so daneben liegen? Oder wurden sie womöglich vor einen ominösen „Karren gespannt“? Nein. Hier soll der Bock zum Gärtner gemacht werden.
„Nein zu ERA“ war Ausdruck der Stimmung in der Belegschaft: Wir erfahren am eigenen Leib, dass durch die Einführung von ERA Ford ermöglicht wurde, Tausende Arbeiter als „überbezahlte Überschreiter“ abzustempeln und aus Hunderten von Facharbeitsplätzen nun billigere Produktionsarbeitsplätze als „Maschinenbediener“ zu machen. War es bisher üblich, bei Ford mit einer Lohngruppe 7 oder 8 Stapler zu fahren, wird man heute nach 10 Jahren Berufserfahrung als Logistikmitarbeiter auf eine EG 4 runtergestuft – obwohl der anwesende Vertreter der IG Metall in seiner Rede klarstellte, dass eine LG 7 heute eine EG 8 oder 9 sein muss!
Dass dabei der „positive ERA-Ausgleichsbetrag“ und die „Überschreiterzulage“ und damit der bisherige volle Bruttolohn abgesichert wurde und sogar „tarifdynamisch“ sein soll, reicht den Kollegen nicht. Die Voraussage der Geschäftsleitung gibt dem Recht: Die EU-Krise wirke sich auch auf Ford Deutschland aus, da wir viele Fahrzeuge in andere EU-Länder exportieren – „strenge Kostenkontrolle“ sei mehr denn je angesagt.
Und auch der Gesamtbetriebsrat mahnte in dem Zusammenhang: Nicht, dass Ford noch „nervös“ wird angesichts der Überkapazitäten in Europa und es zu Werksschließungen kommt wie damals in den USA. Die Wachsamkeit in der Belegschaft und die bisher gemachten Kampferfahrungen sind eine gute Grundlage für 2012!
Die erste Runde in der Auseinandersetzung um die ERA-Einführung mag mit dem vor uns liegenden Weihnachtswerkurlaub beendet sein. Doch der Gong für die zweite Runde wird schneller ertönen, als es der Geschäftsleitung lieb sein wird.


* Die Forderungen auf der Liste lauteten „Gegen die Spaltung der Mannschaft: Leistungszulage festschreiben, für alle gleich, wie bisher! Gegen die Abwertung unserer Arbeitsplätze und für die Jugend: Kein Arbeitsplätze unter EG 7 bei Ford! Wir fordern das 100-prozentige Weihnachtsgeld zurück!“

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