Amundsen und Scott: Zwei Wege im Kampf um den Südpol

Amundsen und Scott: Zwei Wege im Kampf um den Südpol

Amundsen

Am 14. Dezember 1911 erreichte der Norweger Roald Amundsen als erster Mensch den Südpol, vier Wochen später der Brite Robert Scott, der auf dem Rückweg umkam. Ihre Lager waren 320 Kilometer voneinander entfernt und sie hatten Kontakt miteinander. Scotts Scheitern wurde und wird heroisiert und idealisiert – z. B. in Stefan Zweigs „Sternstunden der Menschheit“ – Amundsens Erfolg jedoch eher beiläufig zur Kenntnis genommen und glücklichen Umständen zugeschrieben.


In Wahrheit verhält es sich umgekehrt: Scotts Scheitern war vorprogrammiert, Amundsens Erfolg war sorgfältig geplant und berücksichtigte alle bisherigen Erfahrungen. Die beiden vertraten völlig verschiedene Forschertypen: Scott – ein junger englischer Offizier – wollte seinen eigenen Ruhm und den seines Landes mehren, das damals eine der beherrschenden imperialistischen Mächte war. Wie in einem Brennglas vertrat er die Überheblichkeit – und Schwäche – der chauvinistischen imperialistischen Ideologie: Was er aus England kannte, war für ihn gut – der Rest schlecht, egal, ob das für die Verhältnisse in der Antarktis passte. Er verwendete englische Ponys und Motorschlitten, die beide komplett versagten. Dabei waren die Ponys schon bei der Südpol-Expedition Ernest Shackletons 1909 gescheitert!
So mussten die Engländer die schweren Schlitten selbst ziehen. Seine Mannschaft trug englisches Tuch (grobe Wolle), das sich von der Nässe vollsaugte und kaum vor der Kälte schützte und zu schweren Erfrierungen führte. Amundsen dagegen stand in der Tradition Nansens (s. „Rote Fahne“ 26, S. 25), er war Sohn eines kleinen Landes, das sich in seiner Zeit gerade von der schwedischen Kolonialherrschaft frei machte. Zu seinen historischen Leistungen gehören außer dem Südpol die erste Durchfahrt der Nordwestpassage im Norden Kanadas von Grönland zur Beringsee, der erste Nordpol-Überflug mit Flugzeug und bahnbrechende Erkenntnisse über den Erdmagnetismus. Überheblichkeit war ihm fremd. Er studierte die Erfahrungen der Eskimos, trug z. B. daher Felljacken aus Seehundsfell, die vor Wind und Nässe schützten und die Wärme hielten. Er verwendete an die Arktis angepasste Hunde als Zugtiere, die ihm auf dem Marsch auch als Nahrung dienten. Er war bescheiden und lernbegierig – Nansen war sein Freund und Mentor und Amundsen verwendete Nansens arktischen Bedingungen ideal angepasstes Schiff, die „Fram“, ein zweites Mal. Er war großherzig und fair. Es ging ihm um die Sache. Scott war unbelehrbar, er wies das Angebot Amundsens zurück, der ihm Hunde zur Verfügung stellen wollte und ihm sogar anbot, die Expedition gemeinsam zu unternehmen. Amundsen durchdachte jedes Detail genau. Scott meinte, er könne sich das sparen und alle Schwierigkeiten mit Willensanstrengung meistern. Scotts fast übermenschliche Energieleistung verdient Respekt. Aber das ist auch alles. Sein Scheitern war zwingend, er ersetzte Planung und Kenntnis der Natur durch Willkür, Subjektivismus und Borniertheit.
Sein Scheitern und Tod war das Ergebnis einer Kette von großen und scheinbar kleinen Fehlern, nicht Pech oder Schicksal. Amundsens Freiheit war die Einsicht in die Notwendigkeit. „Ein fanatischer draufgängerischer Einsatz ist keine Heldentat, sondern eine unüberlegte Handlung, die nichts mit Vernunft zu tun hat. … Ein freier, heldenhafter Entschluss besteht dort, wo sich der Mensch nach naturwissenschaftlichen und sozialen Gesetzmäßigkeiten einsetzt, wenn er weiß, dass seine Handlung richtig ist.“ (Edouard Calic, Roald Amundsen, Berlin 1963 S. 206f).

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