Stahltarifrunde: Der Kampf um die unbefristete Übernahme hat Bedeutung für alle

Stahltarifrunde: Der Kampf um die unbefristete Übernahme hat Bedeutung für alle

Stahl-Auszubildende bei einer Warnstreikaktion

Bei der diesjährigen Stahltarifrunde hat die IG Metall neben der Forderung nach 7 Prozent mehr Lohn und Gehalt auch die Forderung nach unbefristeter Übernahme der Auszubildenden aufgestellt. Sie übernimmt damit eine Vorreiterrolle. Die Durchsetzung dieser Forderung hat Bedeutung für alle Beschäftigten. Sie ist mittlerweile fest unter den Stahlarbeitern verankert. Seit Jahren wird bereits in den einzelnen Betrieben die Auseinandersetzung um ihre Durchsetzung geführt. Die „Rote Fahne“ sprach mit einem Jugendvertreter der Stahlindustrie.

Wie sieht die Übernahmepraxis in eurem Betrieb aus?

Die ausgebildeten Lehrlinge bekommen alle einen befristeten Vertrag, obwohl sie alle auf einem festen Stammarbeitsplatz arbeiten. Die Zahl der Lehrlinge wird bei uns nach einem langfristigen Personalplan festgelegt. Das haut aber meist nicht hin, weil sich ständig was ändert. Die IG Metall hat bereits in den 1980er Jahren einen Tarifvertrag abgeschlossen, dass alle Lehrlinge mindestens ein Jahr übernommen werden müssen. Dies war zu einem Zeitpunkt, als massenhaft Stahlarbeitsplätze vernichtet wurden und die Übernahme in der Luft hing. 2009 wurde dies auf zwei Jahre ausgedehnt. Natürlich ist das besser, als wenn du sofort nach der Ausbildung arbeitslos wirst. Was soll das aber, wenn du auf einem festen Arbeitsplatz eingesetzt bist? Das ist voll blöd, weil du nichts planen kannst und ständig unter Druck bist.

Die Stahlvorstände behaupten, durch die Forderung würde die Zahl der Ausbildungsplätze verringert …

Das ist reine Zweckpropaganda! Bei uns z. B. ist die Zahl der Ausbildungsplätze viel zu gering. Wenn es nach dem Bedarf ging, hätten wir dieses Jahr ein Drittel mehr Lehrlinge einstellen müssen. Und bei ThyssenKrupp, dem größten Stahlhersteller, werden alle ausgebildeten Lehrlinge, mit Ausnahme der Jugendvertreter, zunächst in eine Beschäftigungsgesellschaft (PEAG) abgeschoben und von dort an TKSE ausgeliehen! Wenn man bedenkt, wie viele Leiharbeiter und Werkverträge es in der Stahlindustrie gibt, ist die Forderung nach unbefristeter Übernahme nach der Ausbildung mehr als berechtigt.

Wie ist die Bereitschaft, sich für die Forderungen einzusetzen, habt ihr schon was geplant?

Die Lehrlinge stehen hundert Prozent hinter der Forderung und es ist auch eine große Bereitschaft da, was dafür zu machen! Die älteren Kollegen unterstützen dies, weil sie uns junge Arbeiter als Kollegen brauchen und Zeitverträge als Spaltung ablehnen! Wir wollen mit allen Auszubildenden am 7. November zur zweiten Verhandlungsrunde fahren, um dort für unsere Forderungen zu demonstrieren. Wir werden aber nicht alleine fahren, sondern gemeinsam mit den älteren Kollegen. Denn nur gemeinsam können wir unsere Forderungen durchsetzen. Das wollen wir dann auch mit einem eindrucksvollen Warnstreik am 9. November unterstreichen! Wenn sich dann nichts bewegt, bin ich für Urabstimmung über einen Streik!

Vielen Dank für das Interview!

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