Steht eine neue internationale Bankenkrise bevor?

Steht eine neue internationale Bankenkrise bevor?

Seit der Ende Juli 2011 begonnenen neuen internationalen Börsenkrise haben besonders die Aktienkurse der Banken eine Talfahrt erlebt. Innerhalb von vier Wochen verlor der europäische Aktienindex für Banken fast 30 Prozent. Der Chef der staatlichen KfW-Bank, Ulrich Schröder, schätzt die Lage der Banken gegenwärtig „viel dramatischer als 2008“, zum Zeitpunkt vor dem Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise ein. Noch kann man nicht von einer Bankenkrise sprechen, die Entwicklung steuert aber darauf zu.

Während die Krisenlasten mit verschärften Krisenprogrammen auf die Massen abgewälzt werden, flossen bis zum bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise 1.200 Milliarden Dollar an Krediten der US-Notenbank (FED) an taumelnde Großbanken, was diese für neue Spekulationen und die Profitmaximierung nutzten. In Europa haben Banken laut EU-Kommission ebenfalls staatliche Garantien, Kredite und Kapitalspritzen im Umfang von 1.100 Milliarden Euro erhalten. Dies und die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat die Spekulation erneut explodieren lassen.
Durch spekulative Hypothekengeschäfte und die anhaltende Immobilienkrise hat die Bank of America, die größte US-Bank, im zweiten Quartal 2011 ein offizielles Rekordminus von 9,1 Milliarden Dollar eingefahren. Sie plant natürlich nicht die Kürzung der Managergehälter, sondern die Entlassung von mehr als 10.000 Beschäftigten. Ähnliche Pläne haben auch zahlreiche weitere Großbanken in den USA, Europa und Asien.
Die europäischen Großbanken haben gegenwärtig wachsende Finanzierungsprobleme, da sie ihre Geschäfte zum größten Teil auf Pump finanzieren. Im Durchschnitt finanzieren sie ihre Aktivitäten mit nur zirka vier Prozent Eigenkapital. Bankanleihen finden gegenwärtig jedoch kaum Käufer, da die Anleger das Risiko von Wertverlusten scheuen. Der sogenannte Interbankenmarkt, auf dem sich die Banken für ihre Kreditgeschäfte gegenseitig Geld leihen, ist drastisch eingebrochen. Kreditausfallversicherungen, im Branchenjargon „Credit Default Swaps“ (CDS) genannt, sind aufgrund der wachsenden Unsicherheit inzwischen teurer als Anfang 2009, als die Finanzkrise ihren bisherigen Höhepunkt erreichte.
Dies sind Anzeichen für eine sich entfaltende Wechselwirkung zwischen der chronischen Überakkumulation des Kapitals, einem sich anbahnenden Rückfall innerhalb der Weltwirtschaftskrise, der Staatsschuldenkrise sowie der Finanz- und Börsenkrise. Mit der Gefahr von Staatsbankrotten in Ländern wie Griechenland, Portugal, Irland usw. steigt auch das Risiko von Wertverlusten der von ihnen gehaltenen Staatsanleihen und „fauler Kredite“, die von den Schuldnern nicht mehr zurückgezahlt werden können. Börsenkrisen wie die jetzige „schränken die Kapitalbasis der Banken ein, die nach wie vor große Aktienpakete halten, und veranlassen sie, Kredite vorsichtiger zu vergeben“ („Götterdämmerung über der ,neuen Weltordnung‘“, S. 440/441). Schließlich verschärfen sich in dem Zusammenhang auch die zwischenimperialistischen Widersprüche. So will die US-Regierung die Deutsche Bank für die  Schulden der beiden verstaatlichten Immobilienfinanzierungsbanken „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ zur Kasse bitten.
Der begonnene Rückfall der Wirtschaft innerhalb der Weltwirts- und Finanzkrise beinhaltet die Möglichkeit von raschen qualitativen Veränderungen mit weitgehenden Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche und politische Entwicklung.

Dieter Ilius

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