Das tragische Scheitern eines Revolutionärs Zum Tod von Luis Corvalán/Chile

aus Rote Fahne 31/2010

RoteFahne31_10.jpgAm 21. Juli starb kurz vor seinem 94. Geburtstag Luis Corvalán, ehemaliger Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chiles. Schon 1932, mit 16 Jahren, war er ihr Mitglied geworden und der spätere Lehrer arbeitete vor allem als Redakteur für die Parteizeitungen. Nach dem Parteiverbot 1947 wurde Corvalán verhaftet und während seiner Gefangenschaft 1950 in Abwesenheit ins ZK gewählt, dem er bis zu seinem Tod angehörte. 1958 wurde er Generalsekretär der KP Chiles. Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits eine verhängnisvolle Entwicklung eingesetzt, die viele Revolutionäre das Leben und die Arbeiterklasse viel Blut kosten sollte.

 

Der revisionistische Verrat

„Am 11. September 1973, nach dreijähriger Regierungsdauer des Präsidenten Allende, wurde Chiles, besonderer Weg zum Sozialismus‘ im Blute erstickt. Tausende Werktätige, von einer entfesselten Soldateska erschossen, erschlagen, hingerichtet, bestialisch ermordet, wurden zu Grabe getragen und mit ihnen die Illusion des ,friedlichen Weges zum Sozialismus‘“ – mit diesen Worten leitete Willi Dickhut, der Mitbegründer und Vordenker der MLPD, einen Grundsatzartikel ein. Er erschien unter dem Titel „Chile und der Weg zum Sozialismus“ als „Blaue Beilage“ der „Roten Fahne“ im November 1973 (diese Beilage ist in der Sammelausgabe des REVOLUTIONÄREN WEG 1–3 als Anhang zum RW 2 vollständig abgedruckt).

Der sowjetische KPdSU-Vorsitzende Chruschtschow verkündete auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 die angebliche Möglichkeit eines friedlichen Weges zum Sozialismus. Ausgehend von diesem Verrat am Marxismus-Leninismus hatte Corvaláns Vorgänger, Galo Gonzalez, behauptet, auch in Chile sei „mit friedlichen, parlamentarischen Mitteln, durch Wahlen“ eine Veränderung anzustreben – und das trotz der Illegalität der Partei!

Der Wahlsieg des Sozialisten Allende schien ihm 1970 scheinbar Recht zu geben. Vor allem die von Mao Tsetung geführte KP Chinas verbreitete damals Warnungen vor solchen Illusionen. Doch auch Corvalán beharrte auf diesem Standpunkt. Mehr noch: Nach einem ersten Putschversuch zweier Panzerregimenter im Juni 1973 war es Corvalán, der den Arbeitern Sand in die Augen streute, anstatt ihre Bewaffnung zu organisieren: „Die Erhebung wurde schnell niedergeschlagen durch den entschiedenen Einsatz des Chefs des Heeres und durch die treue Haltung der bewaffneten Streitkräfte, der Polizeikräfte und der Sicherheitsorgane“, verkündete er am 8. Juli 1973. Die Revisionisten hatten eine Theorie entwickelt von der fortschrittlichen Rolle zumindest von Teilen der Armee in neokolonial abhängigen Ländern (s. dazu REVOLUTIONÄRER WEG 22, Kapitel V/4: „Die imperialistische Theorie von der ,Armee als führender Kraft‘ im Kampf der Völker um nationale und soziale Befreiung“). Zwei Monate später zeigte der berüchtigte General Pinochet mitsamt der Armee seine „treue Haltung“ – allerdings zum US-Imperialismus und der herrschenden Klasse Chiles!

Die revisionistische Entartung der KP Chiles mussten zuerst die Massen büßen, die ihr vertrauten, aber auch Corvalán selbst wurde ihr Opfer – er wurde erneut verhaftet und drei Jahre ohne Anklage festgehalten. Im Dezember 1976 erreichte die Regierung der Sowjetunion seinen Austausch gegen den sowjetischen Dissidenten Wladimir Bukowski. Bis zum Ende des Pinochet-Regimes 1988 lebte er in der UdSSR.

Die fehlende Selbstkritik

Ein Jahr nach seiner Rückkehr gab Corvalán das Amt des Generalsekretärs ab, aber nicht als Ausdruck des Scheiterns seiner revisionistischen Politik, sondern aus Altersgründen. Bis zu seiner letzten Buchveröffentlichung im Jahr 2008 blieb er bei seiner Haltung und auch der Zusammenbruch der Sowjetunion selbst, die den Revisionismus bis zum „neuen Denken“ Gorbatschows gesteigert hatte, änderte daran nichts.

Corvalán gehört damit zu den ehemals führenden Revolutionären, die die alte kommunistische Bewegung auf den Weg des Revisionismus und Reformismus brachten.

In Deutschland verlor auch die revisionistische DKP in ihrem Nachruf kein selbstkritisches Wort zu dieser tragischen Entwicklung. Wir möchten die DKP-Führung an die 1974 von ihrem Parteivorstand herausgegebene Broschüre „Fragen an die Anhänger maoistischer Gruppen“ erinnern: Darin hat sie die KP Chinas beschimpft, weil diese schrieb, der Putsch habe es den Ländern Lateinamerikas erlaubt, die „unheilvollen Infiltrations- und Sabotageversuche der sowjetischen Revisionisten auf dem Kontinent klarer zu erkennen“. In ihrem „friedlichen“ Kampf gegen den Imperialismus ist die DKP – wie Luis Corvalán – trotz aller starken Worte kläglich gescheitert. Zu den konkreten Fakten und den grundsätzlichen Schlussfolgerungen, die 1973 in der „Blauen Beilage“ enthalten waren, hat sie bis heute nicht konkret Stellung genommen. Würde es nicht den Zeichen der Zeit entsprechen, damit Schluss zu machen?

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