Alice Schwarzers „offensive Integration“

aus Rote Fahne 36/2010

RoteFahne36_10.jpgIn ihrem demnächst erscheinenden Buch mit dem Titel „Die große Verschleierung. Für Integration, gegen Islamismus“ beschwört Alice Schwarzer, wie schon in Interviews und diversen Zeitungsartikeln, die Gefahr einer „weltweiten Offensive“ des Islamismus und einer „systematischen Unterwanderung unseres Bildungs- und Rechtssystem mit dem Ziel der Islamisierung“. Dabei sei es „zusehends schwerer zwischen dem Islam als Religion und dem politischen Islam zu unterscheiden“.

Sie fordert eine „offensive Integration“ durch die Vermittlung „von den durch unsere Gesellschaft errungenen Werten: Aufklärung, Gleichberechtigung, Demokratie“. So berechtigt und notwendig die Kritik an der zutiefst rückständigen Unterdrückung der Frau durch islamistische Fundamentalisten ist, stellt sie dieser zutiefst rückständigen Ausprägung damit die formale Gleichberechtigung im westlichen kapitalistischen System als angebliche Alternative gegenüber. Die systemimmanente doppelte Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen, von der gerade Migrantinnen besonders betroffen sind, stört Alice Schwarzer offensichtlich nicht.

Ganz auf der Linie ihrer Wandlung zur Verteidigerin des Kapitalismus liegt ihr erneuter antikommunistischer Ausfall mit der Behauptung, die Linke habe den Islamismus gefördert: „Und groß war auch die Bereitschaft gläubiger Altlinker, nach dem Tod ihrer Götter Mao und Che Guevara, neuen Göttern zu folgen: Allahu Akbar!“

Sie versucht für ihre Dreistigkeit schon gar keine Beweise vorzubringen, sie würde ja auch keine finden. Denn selbst Antikommunisten wie der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt bescheinigen dem Führer der chinesischen Revolution, Mao Tsetung, dass er besonders viel für die Gleichberechtigung der Frau getan und erreicht hat.

Dass marxistisch-leninistische Parteien und Kräfte gemeinsam mit der internationalen Frauenbewegung den Kampf für die Trennung von Religion und Staat und gegen die extreme Entmündung, Entrechtung und Unterdrückung der Frauen durch den religiösen Fundamentalismus, sei er islamischer, hinduistischer oder christlicher Ausprägung weltweit zu ihrer Sache machen, passt nicht in Alice Schwarzers Weltbild. Die kämpferische Frauenbewegung fördert den Zusammenschluss von jungen Frauen und Mädchen gegen jede Form von Diskriminierung und Sexismus, dazu gehört auch der Kopftuch- bzw. Verschleierungszwang. Wenn Alice Schwarzer aber ein Verbot des Kopftuchs als „Flagge des Islamismus“ an Schulen nicht nur für Lehrerinnen, sondern auch für Schülerinnen fordert, dann wird jede Kopftuchträgerin zur möglichen Islamistin abgestempelt und Überzeugungsarbeit durch Zwang ersetzt. Der kämpferische, gleichberechtigte Zusammenschluss von Frauen und Mädchen über weltanschauliche Grenzen hinweg wird erschwert statt geduldig aufgebaut. Gerade das ist aber ein Markenzeichen einer kämpferischen Frauenmassenbewegung mit der Perspektive der Befreiung der Frau (bei Ausschluss von Faschistinnen, Rassistinnen und religiösen Fundamentalistinnen).

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