Betonköpfe bleiben sich treu

Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) zum Bau der Berliner Mauer

Die 1968 in Westdeutschland gegründete DKP war von Anfang an abhängig von der DDR-Führung. Ihr imposantes Parteihaus in der Düsseldorfer Innenstadt, die Großdruckerei in Neuss, die Herausgabe der Tageszeitung „Unsere Zeit“ und ein Apparat mit über dreihundert hauptamtlichen Funktionären – all das wurde durch die Regierungspartei SED finanziert. Und es galt die Devise: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing! Deshalb gab es von der DKP-Führung auch kein Sterbenswörtchen der Kritik an der Berliner Mauer.

Ein Jahr vor der DKP-Gründung hatten oppositionelle Kräfte in der illegalen KPD geschrieben: „Es gibt für einen aufrechten Marxisten-Leninis­ten kaum ein beschämenderes Beispiel in der deutschen Geschichte, daß sich ein ,Arbeiter- und Bauernstaat‘ auf deutschem Boden durch eine Mauer im buchstäblichen Sinne des Wortes isolieren muß, damit ihm die eigenen Arbeiter, Bauern und Studenten nicht fortlaufen.“ („Probleme der Marxisten-Leninisten in der BRD“, Wien 1967, S. 17)

Eine solche Kritik an der revisionistischen Entartung der DDR und der Wiederherstellung des Kapitalis­mus wurde von der DKP-Führung als „kleinbürgerlicher Maoismus“ und „ul­tralinkes Sektierertum“ verleumdet.

Ein wahrhaft massenfeindliches Sektierertum betreibt die DKP-Führung jedoch bis heute. Über Jahrzehnte wurde die Kritik der MLPD und ihrer Vorläuferorganisationen bekämpft – anfangs noch vom hohen Ross der gut bezahlten Nachplapperer Honeckers, nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch der DDR mit der Gehässigkeit unbelehrbarer Betonköpfe.

Mauerbau als Friedensakt?

Die Mauer habe 1961 einen Krieg verhindert – auf diese Behauptung versteift sich die DKP seit Jahren. „Für den Schutz des Friedens“ überschrieb die mittlerweile als Wochenzeitung erscheinende „UZ“ einen ausführlichen Artikel von Prof. Dr. Anton Latzo am 7. August 2009. „Die Sicherung des Friedens durch die eindeutige Fixierung der nach dem zweiten Weltkrieg in Europa entstandenen Lage vertrug keinen Aufschub mehr“, dozierte Latzo – mit dem schönen Wort „Fixierung“ war die Errichtung der Mauer gemeint.

Was in Wirklichkeit keinen Aufschub mehr vertrug, war aber die Unterbindung der Massenflucht aus der DDR, durch die ihre Stabilität damals viel stärker bedroht war als durch die aggressive Politik des Adenauer-Regimes. Das Kernproblem der SED-Führung bestand darin, dass sie die eigene Bevölkerung nicht wirksam gegen die imperialistischen Ansprüche der BRD mobilisieren konnte und die Ursache dafür wollen alle Revisionisten bis heute nicht wahrhaben!

Auch Heinz Keßler, ehemaliger Verteidigungsminister der DDR und heute DKP-Mitglied in Berlin, wo er bei den anstehenden Senatswahlen für sie kandidiert, behauptet nach wie vor: „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“. Gemeinsam mit Fritz Streletz, damals Generaloberst der DDR, stellte er am 20. Mai in Berlin ein Buch mit diesem Titel vor. Dabei waren die beiden aber unklug genug, über den „kostenlosen Zufluss von Humankapital“ in die BRD zu reden: 120 Milliarden Mark seien der DDR durch Abwanderung junger Leute und Ingenieure abhanden gekommen („Süddeutsche Zeitung“, 21./22. Mai 2011, S. 1). Da lag der Hase im Pfeffer – nicht aber bei einer erfundenen akuten Kriegsgefahr!

Nobelpreis für Ulbricht?

Dass die USA 1961 keinen dritten Weltkrieg wegen Berlin vom Zaun brechen wollten, war vorher bekannt und das zeigte auch ihre Reaktion auf den Mauerbau – und wie hätte auch dadurch so ein Krieg verhindert werden sollen?! Nicht anders als zynisch kann man es daher nennen, wenn heute der DKPler Prof. Georg Fülberth für einen Kommentar zum 50. Jahrestag die Überschrift wählte: „Nobelpreis für Walter Ulbricht?“ („UZ“, 29. Juli 2011). Der damalige Erste Sekretär der SED habe eine „Notbremsung“ vollzogen, „um ein Abgleiten in einen dritten – nunmehr mit Atomwaffen geführten – Weltkrieg zu verhindern.“ Nach dieser Ansicht soll man Ulbricht also für den Mauerbau dankbar sein! Die Lage der Massen in der DDR ist für Fülberth dagegen weniger wichtig und zur Frage der inneren Ursachen des DDR-Zusammenbruchs schreibt er in seinem Kommentar süffisant: „Das können wir ja ein andermal diskutieren.“

Den Vogel abgeschossen hat der „UZ“-Redakteur Adi Reiher, der es aktuell fertig brachte, die 68er-Bewegung auf den Mauer­bau zurückzuführen: „Man kann ja vielfach nachlesen, dass der Grund für die Studentenbewegung der Mauerbau von 1961 gewesen sei. Danach blieb der Zustrom von gut ausgebildeten Akademikern aus dem Osten aus. Und die westdeutschen Hochschulen begannen aus den Nähten zu platzen.“ („UZ“, 24. Juni 2011, S. 8)

Mauerbau – Ursache für die 1968er Bewegung?

Jahrelange Mitarbeit in der revisionistischen DKP führt offensichtlich zu galoppierendem Realitätsverlust! Noch in ihrer „Grundsatzerklärung“ von 1969 hatte es geheißen: „Bewegungen, Protest und Unwillen unter der Jugend haben ihre Ursachen nicht im Generationskonflikt, sondern in den Widersprüchen der Gesellschaft, die vom Großkapital beherrscht wird.“ (S. 45) Dass Jahrzehnte später jemand auf die Idee kommen könnte, die unterbundene Massenflucht aus der DDR als Auslöser der Studentenproteste in der BRD zu bezeichnen, hätten sich die DKP-Gründer bestimmt nicht träumen lassen.

Ebenso wenig wie Fülberth verschwendet Reiher einen Gedanken daran, dass die marxistisch-leninistische Kritik an der DDR eine Erklärung für die Massenflucht geben könnte und auch durch die MLPD gegeben hat. Und deshalb trägt er ebenso wie dieser die massenfeindliche und sektiererische Verteidigung des Mauerbaus mit, die von heutigen Antikommunisten genüsslich ausgenutzt wird!

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