Ein Heer der besonderen Art: Die Rote Ruhrarmee

aus Rote Fahne 12/2010

RoteFahne12_10.jpgEs hat auf deutschem Boden eine Armee gegeben, die sich von allen Armeen der Kaiserzeit bis zur heutigen Bundeswehr unterscheidet: Die bewaffneten Ar-beiterstreitkräfte im März 1920. Sie war die notwendige Antwort auf den faschistischen Kapp-Putsch, der die Beseitigung aller erkämpften demokratischen Rechte bedeutet hätte. Jeder Widerstand sollte mit dem Tode bestraft werden. Der Generalstreik war ohne gleichzeitige Ergreifung der Waffen gar nicht möglich.

 

Die Rote Ruhrarmee verteidigte nicht die Ausbeuterherrschaft und war kein Instrument aggressiver Ziele, sondern focht im Bewusstsein, ihrer eigenen Sache zu dienen. In der bürgerlichen Geschichte wird allenfalls der Generalstreik und höchstens noch die Niederschlagung der bewaffneten Arbeiter erwähnt. Die Rolle der Roten Ruhrarmee wird heruntergespielt.

Noch 1928 erinnerte der reaktionäre Hofschreiber der Kohlebarone Hans Spethmann in seiner Geschichte „12 Jahre Ruhrbergbau – 1914 bis 1925“ voller Hass, aber auch mit angsterfülltem Respekt an die Rote Ruhrarmee: „Mittlerweile waren die Roten dabei, immer neue Truppen für ihre Front zu werben. Man meint mitten in einer Mobilmachung vor einem Kriege zu stehen. Lange Kolonnen von Männern und Jünglingen, zum Teil begleitet von Frauen und Mädchen, ziehen heran, aus den Betrieben strömen Arbeiter hinzu, die Rote Armee wächst stündlich an Zahl, die die Zentrale in Hagen am 23. März auf 120.000 Mann schätzte. War die Zahl vielleicht etwas hoch gegriffen …, so dürfte sie für die Zeit vom 25. bis 29. März ungefähr das Richtige treffen. Immerhin ist sicher, dass man es mit einer ansehnlichen Macht zu tun hatte.“ (S. 143)

So urteilte der Klassengegner der Arbeiter damals. Heute gilt als üblich die Zahl 50.000. Diese kommt aus der Geschichtsschreibung der SPD. Darüber berichtet Michael Dahlmanns in „Der Aufstand – Dinslakener Beiträge zur Geschichte und Volkskunde“ von 1988:

„Die Gesamtzahl der Arbeiter, die die Rote Armee bildeten, ist nicht exakt zu ermitteln. Während ihre eigene Kampfzentrale in Hagen auf dem Höhepunkt des Aufstandes von etwa 120.000 Rotarmisten ausging, bezifferte sie Severing (SPD-Reichskommissar für das Ruhrgebiet) auf lediglich 50.000.“ (S. 27)

Die Rote Armee entstand innerhalb weniger Tage und bildete eine wohlgeordnete und in 110 Kompanien gegliederte Kampftruppe. Sie war in ihrer Zusammensetzung eine Armee von Arbeitern – in erster Linie von Bergarbeitern.

Zu ihrer Absicherung musste sofort ein ganzer Apparat der Logistik für Verpflegung, Nachschub von Waffen und Munition usw. errichtet werden. Es galt, die den geschlagenden Reichswehr- und Freikorpsverbänden abgenommenen Waffen sofort an die notwendigen Stellen der Front zu transportieren. Eine Meisterleistung der Organisation, die in der Schnelle nur Menschen, die durch die Fabriken, durch den Militärdienst und den politischen Kampf geschult waren, vollbringen können.

Das musste auch der erwähnte Reaktionär Spethmann zugestehen: „Als Ganzes gesehen, stellte die Rote Armee einen starken Machtfaktor dar, der von rücksichtslosestem Siegerwillen beseelt war und der auch militärisch teilweise von fachkundigen Offizieren geleitet sein muss. Der Gesamtaufmarsch spricht sogar von einer hochstehenden militärischen Oberleitung.“

Die Führer der Kompanien waren im Kampf gestählte und erfahrene Arbeiter, die sich in den Streiks und politischen Kämpfen während und nach dem Krieg die größte Autorität erworben hatten.

Eine Feldgendarmerie sicherte den Rückraum der Front. Jeder, der sich der Roten Armee anschloss, wurde kontrolliert, um zu verhindern, dass sich Saboteure und Plünderer einschlichen. Gegen solche wurden härteste Strafen verhängt. Es war ein Kampf auf Leben und Tod. Der Roten Ruhrarmee angegliedert waren Sanitätseinheiten, die vor allem Arbeiterfrauen organisierten. In den von Reichswehr, bürgerlichen Einwohnerwehren und Polizei befreiten Städten übernahmen Vollzugsräte die Organisierung des öffentlichen Lebens. Über ihr Regime wurden später zahlreiche Gräueltaten verbreitet. Tatsache ist, dass sie lebensnotwendige Mittel requiriert hatten, nachdem die Verkehrswege in das Ruhrgebiet für Nahrung und Heizmittel völlig abgeriegelt waren. Die Vollzugsräte waren verantwortlich, dass allen, denen Gegenstände abgenommen wurden, Quittungen ausgestellt wurden mit dem Vermerk, dass diese ihnen später bei Vorlage entgolten werden.

Der Roten Armee waren nur wenige Tage vergönnt zu zeigen, was die Arbeiterklasse zu leisten vermag. Das Geheimnis, dass sie in wenigen Tagen überlegene Kräfte überrennen konnte, war ihr proletarisches Klassenbewusstsein. Jeder, der sich den Rotgardisten anschloss, hat diese mit seiner Eidesformel unterstrichen:

„Ich schwöre auf das Programm der revolutionären Arbeiterschaft, daß ich die hohen und heiligen Ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mit Herzblut erkämpfen will. Die mir vorgelegten Paragraphen des Reglements sollen mir stets als Richtschnur meines Handelns dienen. Es lebe der Sozialismus! Menschenrecht, wer Menschenantlitz trägt.“

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