Ein Gipfelpunkt des revolutionären Einflusses in der Welt

aus Rote Fahne 07/2010

RoteFahne07_10.jpg14.Februar 1950: Abschluss des chinesisch-sowjetischen Vertrags über Freundschaft, Bündnis und gegenseitigen Beistand

 

Knapp fünf Jahre nach dem Ende des II. Weltkriegs und wenige Monate nach dem Sieg der chinesischen Volksrevolution unter der Führung Mao Tsetungs hatte der Einfluss der kommunistischen Weltbewegung einen historischen Höchststand erreicht. Am 6. Juni 1950, drei Wochen, bevor die USA den Koreakrieg auslösten, schrieb Mao Tsetung: „Die gegenwärtige internationale Lage ist günstig für uns. Die weltweite Front des Friedens und der Demokratie mit der Sowjetunion an der Spitze ist noch stärker als im vergangenen Jahr. Die Volksbewegung für Frieden und gegen den Krieg hat sich in allen Ländern der Welt weiterentwickelt. Die nationalen Befreiungsbewegungen, deren Ziel das Abschütteln des Jochs der imperialistischen Unterdrückung ist, sind stark angewachsen.“ (Mao Tsetung, Ausgewählte Werke, Bd. V., S. 23)

Er führte weiter aus, dass die Widersprüche zwischen den imperialistischen Hauptländern sich verschärften, während die Beziehungen zwischen der von Stalin geführten Sowjetunion und den Ländern der Volksdemokratien in Europa und Asien von fester Einheit bestimmt seien: „Der neue chinesisch-sowjetische Vertrag, der von großer historischer Bedeutung ist, hat die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern gefestigt. Einerseits ermöglicht er uns, den Aufbau im Land frei und relativ schnell durchzuführen, andererseits fördert er auch den großen Kampf aller Völker der Welt für Frieden und Demokratie, gegen Krieg und Unterdrückung.“

 

Die Vorgeschichte der sowjetisch-chinesischen Freundschaft

Als sich 1939 zeigte, dass dem aggressiven Kriegsblock Deutschlands, Italiens und Japans von Seiten der USA, Großbritanniens und Frankreichs nicht ernsthaft entgegengetreten wurde, weil diese Länder hofften, die Aggression gegen die Sowjetunion lenken zu können, stellte Stalin unter anderem fest, dass man Japan widerstandslos gewähren ließ: „Und dann, als Japan die Kriegshandlungen entfaltete, trat man ihm Shanghai ab, das Herz des ausländischen Kapitals in China, trat man Kanton ab, den Stützpunkt des englischen Monopoleinflusses in Südchina, trat man Hainan ab, ließ man Hongkong einkreisen. Nicht wahr, all das sieht einer Ermunterung der Aggression sehr ähnlich: Mögen sie sich weiter in den Krieg verstricken, man wird dann schon sehen …“ (Stalin, Werke, Bd. 15, S. 188)

Nachdem die Sowjetunion sich durch den Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrags zunächst eine Atempause verschafft hatte, trat sie nach dem Vertragsbruch Hitlerdeutschlands und dessen Überfall auf die Sowjetunion 1941 umso energischer gegen die Aggressoren auf. Nach dem Sieg über den deutschen Faschismus begann sie am 9. August 1945 auch den Krieg gegen das imperialistische Japan. Die Sowjetarmee marschierte in China ein und vernichtete in erbitterten Kämpfen die Hauptkraft des japanischen Heeres, die Kwangtung-Armee. Das chinesische Gebiet der Mandschurei wurde nach 14-jähriger Herrschaft der japanischen Imperialisten befreit.

Am 14. August 1945 wurde in Moskau mit der Regierung Tschiang Kai-scheks ein sowjetisch-chinesischer Freundschafts- und Bündnisvertrag für die Dauer von 30 Jahren unterzeichnet. Er beinhaltete den gemeinsamen Kampf gegen den japanischen Aggressor. Gleichzeitig wurden die Haupteisenbahnlinien der Ostchina-Bahn und der Südmandschurischen Bahn in den gemeinsamen Besitz der UdSSR und Chinas überführt, Hafenanlagen verpachtet und ein gemeinsamer Flottenstützpunkt errichtet.

Als sich Tschiang Kai-schek von dem antijapanischen Bündnis mit der KP Chinas löste und sich den USA zuwandte, beantwortete das chinesische Volk das mit einem Aufschwung der revolutionären Aktivitäten, die im Oktober 1949 zur Errichtung der Volksrepublik und zu Tschiangs Flucht nach Taiwan führten.

Mit dem neuen Vertrag von 1950 garantierte die Sowjetunion die Sicherheit Chinas vor der imperialistischen Bedrohung. Zugleich gewährte sie einen langfristigen Kredit in Höhe von 300 Millionen Dollar zu Vorzugsbedingungen. „Im Rahmen dieses Kredites liefert die Sowjetunion an China Ausrüstungen und Materialien zur Wiederherstellung und Entwicklung der Volkswirtschaft. Zwischen China und der UdSSR wurden auch Abkommen über den Handel und über die Gründung gemischter sowjetisch-chinesischer Gesellschaften zur Gewinnung von Erdöl und Buntmetallen in Sinkiang sowie zur Einrichtung ziviler Luftfahrtlinien in China geschlossen. Diese Abkommen, die auf dem Prinzip brüderlicher Freundschaft und völliger Gleichberechtigung der Partner beruhen und den ureigensten Interessen des sowjetischen und des chinesischen Volkes entsprechen, spielen eine große Rolle bei der raschen Wiederherstellung und Entwicklung der chinesischen Wirtschaft.“ („China. Eine Großmacht im Wandel der Jahrtausende“, Berlin 1957, S. 74)

 

Der Bruch des Vertrags

Noch 1960 hieß es in der offiziellen „Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion“: „Der Sieg des chinesischen Volkes ist das wichtigste Ereignis der Nachkriegszeit. Ihrer Bedeutung und ihrem Einfluß auf das Schicksal der Menschheit nach steht die chinesische Revolution nach der Oktoberrevolution an zweiter Stelle in der Geschichte der internationalen Befreiungsbewegung.“ (S. 760)

Doch der damalige Führer der KPdSU, Nikita Chruschtschow, hatte zu diesem Zeitpunkt die revolutionäre Sache bereits verraten und in der Sowjetunion die Wiederherstellung des Kapitalismus begonnen. Seine Verurteilung Stalins und sein Verrat an den Prinzipien des Marxismus-Leninismus führte auch zum Bruch mit allen wahren Revolutionären.

Als Mao Tsetung den Revisionismus Chruschtschows kritisierte, antwortete dieser auf hinterhältige Weise: Der chinesisch-sowjetische Freundschaftsvertrag wurde zur Makulatur und die Sowjetunion versuchte, China nach Kräften zu schädigen. Wie schäbig sich die Chruschtschow-Leute 1960 verhielten, schilderte die Österreicherin Ruth Weiss, die in China eine neue Heimat gefunden hatte, aus eigenem Erleben: „Schon seit 1957 wusste man, daß es zwischen der Sowjetunion und China Differenzen gab, Chruschtschow hatte ja einen ‚Geheimbericht‘ über Stalin abgegeben, der dann in der New York Times abgedruckt wurde, den Delegationen der verschiedenen Kommunistischen Parteien hatte er kein Wort gesagt! Berechtigter Weise fand China das absolut ungehörig … Von da an gab es immer wieder aufregende Episoden – die schlimmste war wohl, daß zu Ende des Sommers, als Kollegen vom Sommerurlaub in Beidaihe zurückkamen, sie uns zuflüsterten, daß die sowjetischen Spezialisten plötzlich innerhalb von 24 Stunden verschwunden wären … Was geschehen war? Daß China sich allen Versuchen einer sowjetischen Kontrolle nicht beugen wollte, daß es seine Souveränität als wichtig ansah und damit den Großmachtgelüsten des ‚großen Bruders‘ entgegentrat … Vielleicht wäre es nicht so schlimm gewesen, wenn sie einfach abgezogen wären, aber sie taten es unter Mitnahme aller Pläne und Unterlagen für die 159 Projekte, die die UdSSR China bauen helfen sollte … Eine Stagnation trat im Aufbau ein, die oft unerklärlich war, sich aber daraus herschrieb, daß man eben China den Teppich unter den Füßen weggezogen hatte. Es zeigte sich, daß bei den meisten Projekten die wichtigsten Einzelteile fehlten, noch nicht geliefert worden waren – wahrscheinlich glaubte Chruschtschow, China damit einen tödlichen Schlag versetzt zu haben!“ (Ruth Weiss – „Am Rande der Geschichte. Mein Leben in China“, Melle 2005, S. 348)

China zog die Lehren und vertraute auf die eigene Kraft – ein Prinzip, das erst nach dem Tod Mao Tsetungs und dem Machtantritt der neuen kapitalistischen Machthaber wieder beseitigt wurde.

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