„Zukunftstarifvertrag“ bei Airbus: Lohnerhöhung nur gegen verschärfte Ausbeutung?

„Zukunftstarifvertrag“ bei Airbus: Lohnerhöhung nur gegen verschärfte Ausbeutung?

Hamburger Airbus-Kollegen bei einem Aktionstag am 6. Juni 2011

Bremen (Korrespondenz): In den Verhandlungen um einen „Zukunftstarifvertrag“ bei Airbus fordert der Konzern eine Produktivitätssteigerung um 5 Prozent – und das „netto“. Was Airbus darunter versteht: Würden bei einer Tarifrunde 2 Prozent mehr Lohn ausgehandelt werden, soll die Produktivität um 7 Prozent gesteigert werden. Das ist doppelter Betrug und Erpressung: Als erstes ist das Steigerung der Ausbeutung pur! – sozusagen als Automatismus. Dabei will Airbus allen Ernstes der Belegschaft weismachen, sie müssten sich eine Lohnsteigerung erst mal extra „verdienen“. Die Wirklichkeit ist jedoch, dass Airbus (wie auch alle anderen Kapitalisten, besonders die Monopole) sich den allergrößten Teil der von den Arbeitern und Angestellten geschaffenen Werte einsackt. Gemessen am Umsatz beträgt der Lohnanteil bei Airbus noch nicht mal 10 Prozent! Umso dreister ist es seitens der Geschäftsführung, mit dieser Methode eine ganze Belegschaft dazu zu bringen, in Tarifrunden nichts oder möglichst wenig zu fordern. Und nicht nur das: Würden die 5 Prozent Produktivitätssteigerung im Jahr nicht erreicht, sollen die Beschäftigten auf Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten!

Zur gleichen Zeit wird im Europa-Betriebsrat über die Gewinnbeteiligung verhandelt. Diese hat sich bisher am EBIT orientiert, d. h. nach dem ausgewiesenen Gewinn vor Zinsen und Steuern. So wurde in den letzten beiden Jahre nur wenig ausgezahlt, obwohl beide Male die Auslieferungszahlen neue Rekorde darstellten. Nun soll das Budget für die Gewinnbeteiligung, also die Auszahlungssumme, absolut verdoppelt werden und die Höhe der Auszahlung an die geplan­ten Auslieferungszahlen gebunden werden: werden 2011 545 Flugzeuge ausgeliefert, werden 100 Prozent ausgezahlt, bei 540 nur 85 Prozent, bei 535 nur 70 Prozent.

In den Diskussionen von Kollegen untereinander wurde dieses Vorgehen der Geschäfts­führung, aber auch die Zusam­menarbeit der rechten Betriebsratsspitze mit dem Konzern kritisiert: Wir sollen nicht mehr wie bisher durch feste Tarife unser Geld verdienen, sondern sollen unsere Denkweise voll nach der Firma und ihren Zielen im Konkurrenzkampf ausrichten. Dabei gibt es eine wachsende Kampfbereitschaft vieler Flugzeugbauer bei Airbus gegen steigende Arbeitshetze, die eingeleitete Erhöhung der Taktrate von 36 auf 42 Flieger allein bei der A32-Serie, immer mehr Samstagsarbeit usw. Seit Wochen werden an verschiedenen Bauplätzen und Produktionshallen Überstunden verweigert, wird „Dienst nach Vorschrift“ gefahren und immer wieder gibt es Pausenversammlungen der Kolleginnen und Kollegen.

Für Airbus bedeutet diese „Beschäftigungssicherung“ im Kern die „Sicherung“ einer ständigen Verschär­fung der Ausbeutung. In den IG-Metall-Forderungen zum „Zukunftstarifvertrag“ fehlen klare und offensive Forderungen dazu allerdings weitgehend. Notwendig ist eine deutliche Lohnerhöhung mit einer klaren Absage der Koppelung der Löhne an die Produktivitätssteigerung! Und die Aufstellung der Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Gegen Erpressung und Arbeitshetze, für die unbefristete Übernahme aller Lehrlinge entsprechend der Ausbildung und für die sofortige Festeinstellung aller Leiharbeiter. Ein solches Programm hat Zukunft!

Am 8. Juni wurde ein Aktionstag durchgeführt, an dem sich 6.000 Kolleginnen und Kollegen beteiligten. Es wurde ein kämpferisches Zeichen gesetzt – vor allem für die Einheit von Jung und Alt. Bei der Mehrheit der Kollegen überwiegt ei­nerseits eine gewisse Hoffnung auf die „Beschäftigungssicherung“. Gleichzeitig sagen vor allem die Arbeiter, dass es Airbus nur um die Steigerung des Profits geht. Die Kolleginnen und Kollegen machen die Erfahrung und lernen von anderen Belegschaften, dass der Kampf für Arbeiterinteressen nur im gemeinsamen Kampf auf Kosten der Profite erfolgreich sein kann. Und dass dabei wie auch im Kampf um unsere Zukunfts­interessen gegebenenfalls der gewerkschaftliche Rahmen durchbrochen und selbständig gekämpft werden muss.

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