„Ohne Haushaltsplan geht gar nichts“

„Ohne Haushaltsplan geht gar nichts“

Sandra Castagna mit Mitstreitern der Bottroper Montagsdemonstration

Wie kommen wir diesen Monat über die Runden?“ Eine Frage, die sich in den letzten Jahren zunehmend mehr Familien stellen müssen. Der Grund ist meist der gleiche: Löhne, die nur ein Leben knapp über und häufig unterhalb der Existenzgrenze ermöglichen. Kommen dann noch unvorhergesehene Kosten hinzu, wird das Geld schnell sehr knapp. Ein Beispiel dafür, wie man mit wenig Geld über die Runden kommen muss und trotzdem nicht resigniert, sondern sich für eine Welt ohne Ausbeutung und Un­terdrückung einsetzt, sind Sandra und Marco Castagna aus Bottrop, die gegenüber der „Roten Fahne“ aus ihrem Alltag erzählen.

Im Moment ist es so, dass meine Tochter, die noch in die Schule geht, Mutter geworden ist. Da sie nicht in der Lage ist, sich um das Kind zu kümmern, mache ich das jetzt. Deshalb war ich gezwungen, aufzuhören zu arbeiten. Das heißt, das Elterngeld in Höhe von 300 Euro steht uns zu. Das ist allerdings jetzt auf zehn Monate gekürzt worden. Außerdem bekomme ich Kindergeld. Marco ist praktisch der alleinige Versorger der Familie. Er verdient 10 Euro brutto die Stunde und arbeitet bei einem Subunternehmer, der für die Metro fährt. Außerdem hat er noch einen Sohn, für den er bis vor Kurzem auch noch 350 Euro pro Monat gezahlt hat“, erklärt Sandra Castagna die Situation.

Entsprechend knapp lebt es sich damit. Ein Urlaub ist absolut nicht drin. Du lebst zwar, aber es ist auch wirklich nur leben. Sprich: Kino und andere Sachen, die über die normale Bedürfnisdeckung rausgehen, muss man sich sehr gut überlegen. Das einzige, was wir uns leisten, ist ein Auto, weil es ohne nicht geht. Marco muss ja auch zur Arbeit kommen … Finanziell ist das der größte Brocken. Vor allem mit den aktuellen Benzinpreisen muss man sich das gut überlegen, ob du häufig fährst oder nicht. Wir fahren dann eher selten. Allerdings ist Busfahren auch nicht viel billiger. Dann ist es so, dass ich oft nicht zum Arzt gegangen bin, weil ich mir die 10 Euro Praxisgebühr nicht leisten konnte. Außerdem musst du ja noch die Medikamente zahlen. Einkaufen will ebenfalls gelernt sein. Ohne monatlichen Haushaltsplan geht gar nichts und gekauft wird nur das Billigste beim Discounter. Ich bin schon froh, dass ich kein Fleischesser bin. Da spart man auch schon viel“, so Sandra Castagna weiter.

Du zahlst überall zu“

Allerdings ist es mit den Bedürfnissen des täglichen Lebens nicht getan. Schließlich kostet mittlerweile fast alles Geld: „Ich denke nur daran, wie der Kleine geboren worden ist. Du musst ja mittlerweile auch für die Geburtsurkunde zahlen. Als er letztlich in Gelsenkirchen drei Wochen im Krankenhaus lag, musste ich jeden Tag mit dem Bus reinfahren. Du zahlst überall zu. Bei den Ämtern musst du mittlerweile alles zahlen. Meine Tochter hat jetzt ihren ersten Personalausweis beantragt. Der kostet 23,80 Euro … Wir kommen im Monat grad so rum und sind jedes Mal froh, wenn der Monat dann neu anfängt“.

Das muss aufhören“

Mit solchen Zuständen wollen sich die Castagnas aber auf keinen Fall abfinden. Zumal sie wissen, dass es immer mehr Menschen so geht und die Ursachen dafür im herrschenden System liegen: „Gegen diese Zustände sind wir zum Beispiel bei der Montagsdemo in Bottrop aktiv. Wir setzen uns gegen die Ungerechtigkeit in diesem System ein. Wenn man mal sieht, wie viele Dollar-Millionäre es gibt, während in Somalia Menschen verhungern.

Oder wenn wir auf Deutschland schauen, wie viele Kinder hier ohne Frühstück zur Schule gehen müssen, weil die Mütter kein Geld haben und deshalb mangelernährt sind … So wird dann der eigene Einsatz, den du zu bringen bereit bist, immer größer, weil es ja wirklich eine schreiende Ungerechtigkeit ist. Wenn ich sehe, wie von den ,hohen Herren‘ das Geld verschleudert wird, dann könnte mir wirklich schlecht werden. Und wenn man sieht, was die Banken jetzt schon wieder alles in den Rachen geschoben bekommen haben. Das muss aufhören“, erklärt Sandra Castagna und stellt ihre Perspektive vor.

Perspektive Sozialismus

Deshalb heißt meine Perspektive Sozialismus. Das finde ich richtig. Wenn ich mir einmal den Fortschritt anschaue, zum Beispiel in der Medizin, dann bin ich der festen Überzeugung, dass jeder im gesellschaftlichen Reichtum leben kann und alles das, was die Arbeiter in diesem Lande schaffen, nutzen kann. Jetzt kommt das immer nur einigen Menschen zu Gute und der Rest darf verrecken. Deshalb setze ich mich für eine zukünftige sozialistische Gesellschaft ein. Das muss der nächste Schritt in der Geschichte sein.“

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