„Kämpferische Stimmung in den Redaktionen“

„Rote-Fahne“-Interview mit Ver.di-Pressesprecherin Cornelia Haß zum Streik der Journalisten bei den Tageszeitungen

Wie ist die Stimmung bei den Streikenden und welche Streikbeteiligung zeichnet sich ab?

Wir haben im Vergleich zu früheren – durchaus auch konfliktbeladenen – Tarifrunden bei den Redakteuren in diesem Jahr eine ausgesprochen kämpferische Situation. Die Kolleginnen und Kollegen haben einstimmig über die Einleitung von Urabstimmungen befunden. Sie beteiligen sich in immer größerem Maße auch an den Streiks. Wir haben bereits drei Urabstimmungen durchgeführt und zwar in Bayern, Baden-Württemberg und Nord­rhein-Westfalen. Jetzt werden wir am 2. August auf Wunsch der Arbeitgeber erneut am Verhandlungstisch zusammenkommen. Das ist den kämpferischen Situationen in den Re­daktionen geschuldet. Man muss das auch in der Reihe der Ereignisse sehen. Wir haben im Bereich der Redakteure schon seit vielen Jahren schrittweise Zugeständnisse gemacht. Da hieß es immer, das müsste eben sein und das würde die Zukunft der Arbeitsplätze sichern. Nach sehr vielen Jahren dieser bitteren Pillen ist da jetzt das Maß voll. Um bei dem Begriff zu bleiben: Es ist jetzt wirklich das Ende einer Fahnenstange erreicht. Das wird sehr deutlich, wenn man mit den Kollegen spricht.

Die Ergebnisse bei den Urabstimmungen waren ja recht hoch. Wie lässt sich das interpretieren?

Die Urabstimmungsergebnisse spiegeln im Prinzip wieder, was ich gerade schon zum Thema „Kämpferische Stimmung in den Redaktionen“ berichten konnte. Wir haben eine hohe Beteiligung an den Urabstimmungen und fast 100-prozentige Zustimmung zum unbefristeten Erzwingungsstreik. Das spiegelt die Stimmung wieder, dass in den Re­daktionen gesagt wird: „Es reicht.“ Da ist auch ein großer Stolz auf die eigene Arbeit dabei.

Welche konkreten Streikziele gibt es?

Ganz, ganz klar steht über allem die Zukunft des Manteltarifvertrags. Es geht zum einen darum, dass wir nicht wollen, dass das sogenannte „Tarifwerk 2“ eingeführt wird. Das würde zu Abstrichen von bis zu 30 Prozent für neu eingestellte Redakteurinnen und Redakteure führen, was wir eben auch als Gefährdung des Berufsjournalisten und der Berufsjournalistin betrachten. Zum anderen stehen die geforderten Abstriche für die bereits eingestellten Journalisten und Journalistinnen aus unserer Sicht überhaupt nicht zur Diskussion. Das heißt also, der Mantel soll für jetzt angestellte wie für zukünftige Generationen von Journalistinnen und Journalisten unangetastet bleiben. Außerdem streiken wir auch für eine Gehaltserhöhung in Höhe von 4 Prozent, sowohl für die Honorare als auch für die Gehälter der festangestellten Redakteurinnen und Redakteure. So dass es ein Paket mit zwei Komponenten ist: Zum einen der Widerstand gegen die geforderten Einschnitte und zum anderen aus unserer Sicht angemessene Lohnerhöhungen.

Es zeigt sich, dass nicht alle Re­daktionen mitmachen …

Das wird dezentral organisiert, so dass nicht immer alle rausmüssen. Weil das für die Kolleginnen und Kollegen natürlich auch eine Belastung ist. Nordrhein-Westfalen ist zum Beispiel sehr aktiv. Zum Beispiel waren die „WAZ“-Kollegen sehr aktiv. Wir hatten auch schon Streiks bei den Redaktionen von „Bild“ in Köln und in Essen. Das hat es auch noch nicht so oft gegeben. Also, ich habe es noch nicht erlebt, dass eine „Bild“Zeitungs-Redaktion gestreikt hätte. Die Belegschaft des „Bonner Generalanzeigers“ hat sich gut beteiligt, so wie die anderer Zeitungen in Nordrhein-Westfalen auch, wobei der Schwerpunkt der Beteiligung eindeutig in Baden-Württemberg zu verorten ist.

Ist ein flächendeckender Streik geplant?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das nicht geplant. Wir haben die Bewegung sehr stark dezentralisiert. Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen in den Bundesländern entscheiden eigenverantwortlich, ob sie in die Streikbewegung einsteigen. Auch in den ehrenamtlichen Gremien wird das diskutiert und dann entsprechende Entscheidungen gefällt. So dass es jetzt für einen bundesweiten, einheitlichen Streiktag oder ähnliches im Moment keine Pläne gibt.

Solidarische Grüße und vielen Dank für das Gespräch!

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