Mit Karl Marx vor Daimler

aus Rote Fahne 03/2011

RoteFahne03_11.jpgMontagmittag, 13.30 Uhr, vor dem Tor bei Daimler in Untertürkheim: Die Sonne scheint, die Kollegen kommen einzeln, machen aber einen etwas gehetzten Eindruck. Die Frage nach der „Kommunismus-Debatte“ reißt keinen so richtig vom Hocker. Also stelle ich die Frage, ob sie sich vorstellen können oder wünschen, in einer Gesellschaft ohne Klassen, ohne Arme und Reiche zu leben? „Na, das wäre eigentlich schon okay, aber das geht doch nicht … Das kannst du mit den Menschen nicht machen.“ und „Ich muss jetzt eh rein …“ „Aber über eine solche Alternative zum Kapitalismus muss man doch offen diskutieren können“, werfe ich ihm noch zu. Schon durch das Drehtor gegangen, ruft er zurück „Das auf jeden Fall“.

 

Jetzt kommen die Kollegen schon häufiger. Ich halte das Titelbild mit Karl Marx und der Erstausgabe des „Kommunistischen Manifestes“ jedem direkt entgegen. „Ja, den kenn’ ich schon. Aber wissen tue ich eigentlich kaum etwas“ – das ist keine Einzelmeinung. „Der hat den Kommunismus begründet“ – „Ja, der hat sicher das Beste gewollt …“ Einer sagt auf die Frage, was er von Karl Marx hält, ziemlich bestimmt: „Auf jeden Fall nichts Gutes“ Auf meine Rückfrage kurzes Schweigen: „Das kann ich dir so genau gar nicht sagen“.

Ein Kollege, der als Jugendlicher aus Polen nach Deutschland kam, bleibt stehen und sagt: „Der Sozialismus hat Gutes und Schlechtes. Ich komme aus Polen, wir haben da nach dem Krieg eigentlich ganz gut gelebt. Hier hast du mehr Lebensstandard, aber du weißt eigentlich nicht, was morgen ist.“ „Und was war das Schlechte?“, frage ich nach. „Die Unterdrückung eben, wie dann in der DDR mit der Stasi“. „Aber da war das doch schon lange kein Sozialismus mehr.“ Er wiegt den Kopf. „Natürlich, da herrschten dann auch so Bonzen. Aber als ich weggegangen bin, war ich wie gesagt noch ziemlich jung.“ Warum ist die Familie dann gegangen? „Eigentlich nicht wegen dem Sozialismus, aber wir wurden als Schlesier auch etwas angefeindet. Aber jetzt muss ich rein. Aber die Zeitung nehm’ ich mit, das interessiert mich.“ Er drückt mir zwei Euro in die Hand.

Auch der nächste Gesprächspartner kommt aus einem ehemals sozialistischen Land, der Sowjetunion. „Der Kommunismus ist ein schöner Traum, ich glaube nicht an ein Paradies auf Erden. Der Kommunismus geht nur mit idealen Menschen und die gibt es nicht und deshalb kommen immer welche nach oben und wirtschaften in die eigene Tasche.“ „Das kann man verhindern“, erwidere ich, „man muss eine effektive Kontrolle organisieren, von oben und von unten – über die Denkweise, mit der auf den Posten gearbeitet wird.“ „Also eine Kontrolle von oben?“ „Nicht nur, auch von unten.“ „Na ja, eben eine Diktatur des Proletariats“, entgegnet er und betont das Wort „Diktatur“ ganz besonders, als ob damit schon alles gesagt wäre. „Ja, eine Diktatur des Proletariats“, entgegne ich und betone nun meinerseits „des Proletariats“ ganz besonders. „Keine Diktatur über das Volk, sondern über die alten Herren.“ „Und was ist mit Stalin?“, kommt die Frage trocken. Ich erzähle ihm, dass ich im Sommer mit einer Gruppe in St. Petersburg war. „Da habe ich einiges gehört und gesehen, wie der Sozialismus auch zu Zeiten Stalins aufgebaut wurde, welchen erbitterten Kampf die Leningrader gegen die Blockade der faschistischen Wehrmacht geführt haben. Was wäre denn aus Europa geworden, wenn die rote Armee, das russische Volk mit Stalin an der Spitze Hitler nicht besiegt hätten?“

„Das stimmt schon, aber Russland hätten die eh nicht besetzen können … Ich würde jetzt noch gerne mit Ihnen weiter diskutieren, aber ich muss jetzt rein!“   „Und was ist mit der Zeitung?“ „Mann, ich hab’ wirklich kein Kleingeld dabei.“ „Ok, ich leg dir’s aus. Und in zwei Wochen sehen wir uns hier wieder, dann kannst du sie bezahlen.“

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