Der 8. Mai 1945 - Der Sozialismus ist stärker als Faschismus und Reaktion

aus Rote Fahne 18/2011

RoteFahne18_11.jpgAm Wochenende jährt sich das Ende des II. Weltkriegs zum 66. Mal. Am 8. Mai 1945 um 23.01 Uhr schwiegen die Waffen auf Europas Schlachtfeldern nach einem sechsjährigen mörderischen Krieg. Er kostete über 50 Millionen Menschen das Leben. Am 7. Mai unterschrieben Vertreter des Deutschen Reiches im US-Hautquartier Reims die Kapitulationsurkunde. Zwei Tage später unterschrieben sie diese gegenüber der Führung der Roten Armee in Berlin-Karlshorst. In vielen Ländern der Welt ist der 8. bzw. 9. Mai offizieller Feiertag als „Tag des Sieges“, „Tag der Befreiung “ oder „VE-Day“.

 

Am 17. April fanden in ehemaligen Konzentrationslagern Gedenkveranstaltungen zum 66. Jahrestag der Befreiung statt. In Dachau mahnte die ehemalige Vorsitzende des „Zentralrats der Juden in Deutschland“, Charlotte Knobloch, als Lehre aus dem Tag der Befreiung, „null Toleranz gegen Neonazis“ zu üben, und unterstrich die Forderung für das Verbot der NPD.

 

Umstrittene Bewertung

Die Bewertung des 8. Mai ist in der deutschen Geschichtsschreibung wie kaum ein anderer historischer Tag umstritten. In der ehemaligen DDR und in der revolutionären Arbeiterbewegung wurde er als der „Tag der Befreiung“ begangen. In der Bonner Republik wurde er jahrzehntelang als „Tag der Niederlage Deutschlands“ bezeichnet. Ganzen Schülergenerationen wurde mit diesem Tag das Bild einer Katastrophe vermittelt. Die bedingungslose Niederlage des Hitlerfaschismus als Katastrophe zu bezeichnen verrät die Gesinnung in den damaligen westdeutschen Amtsstuben und Ministerien, in denen viele mittlere und höhere Nazi-Größen Unterschlupf fanden. Eine andere offizielle Lesart führte Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede vor dem Bundestag 1985 ein: „Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Das war ein Zugeständnis

an die Weltöffentlichkeit. Nach dem amerikanischen Film „Holocaust“ im Jahr 1979 geriet die westdeutsche Haltung zunehmend in Kritik. Es war auch der Versuch, das sinkende Ansehen des „Rechtsstaates“ der Diktatur der Monopole als Ziel der Befreiung aufzumöbeln und damit kein Auftakt zu einer befreienden objektiven Geschichtsschreibung, wie bürgerliche Massenmedien die Weizsäcker-Rede bejubelten.

 

Der „Historikerstreit“

Das brachte der sogenannten „Historikerstreit“ zwischen reaktionären und bürgerlich-liberalen Professoren vor 25 Jahren zum Ausdruck. Der Historiker Ernst Nolte relativierte den „Holocaust“, indem er ihm die angeblichen Verbrechen des Sozialismus gegenüberstellte. Scheinheilig und demagogisch warf er in der „FAZ“ die Frage auf: „Vollbrachte Hitler eine ,asiatische‘ Tat vielleicht nur deshalb, weil sie sich und ihresgleichen als potentielle oder wirkliche Opfer einer ,asiatischen‘ Tat betrachteten?“ Unter liberalen und fortschrittlichen Menschen erntete seine rassistische Äußerung, das faschistische Verbrechen als „asiatische Tat“ zu umschreiben, großen Protest. Aber Noltes Vorstoß war wohl ganz im Sinne der „geistig-moralischen Wende“, mit der Helmut Kohl seine 17-jährige Kanzlerschaft eingeleitet hatte. Der Historikerstreit wurde zum Ausgangspunkt einer Neubewertung der jüngeren deutschen Geschichte, die vor allem in den 1990er Jahren einsetzte.

Nicht zufällig in der Zeit, in der mit der Neuorganisation der internationalen Produktion die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus eine neue Stufe erreicht hat und die Frage nach einer Perspektive ohne Ausbeutung und imperialistischer Unterdrückung wieder verstärkt aufgeworfen wurde. Um dem vorzubeugen, mussten die Herrschenden den Sozialismus in den Augen der Massen diskreditieren. Sozialismus und Kommunismus seien vom Wesen her menschenverachtend. Stalin sei gleichermaßen wie Hitler ein kriegslüsterner Diktator, der diesem nur zuvorgekommen sei.

Die unbestreitbare Tatsache sollte relativiert werden, dass einzig Hitlerdeutschland unter der Losung „Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“ den verheerendsten Krieg der Geschichte anzettelte, zig Länder überfiel, ausraubte und verwüstete, Millionen Menschen systematisch vernichtete und einen schonungslosen Mordfeldzug gegen den revolutionären proletarischen Widerstand entfesselte, der auch kirchlich motivierte und bürgerliche Oppositionelle erfasste. Warum konnte das eine solche Wirkung bis in unsere Tage erzielen?

 

Enthüllungen im „Bild“-Stil

1956 wurde der Verrat am Sozialismus unter der Führung von Chruschtschow zur größten Katastrophe für die internationale Arbeiterbewegung. Um ihre schmutzige Konterrevolution zu decken, griffen sie Stalin an und gaben allen Antikommunisten der Welt die größte Steilvorlage. Die Rolle von Stalin und sein Ansehen unter großen Teilen der Bevölkerung in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion konnten alle antikommunistischen Führer des heutigen Russland von Gorbatschow bis Putin nicht auslöschen. Sie sind gezwungen, den Tag der Befreiung öffentlich zu feiern und gleichzeitig neue antikommunistische Munition nachzuladen.

Deshalb werden immer kurz vor den Feierlichkeiten angeblich bisher unbekannte Enthüllungen aufgetischt. Nicht zufällig wird nun in diesem Jahr ein angebliches Tagebuch des ehemaligen „Leibarztes“ namens Alexander Myasnikov angekündigt. Stalin sei geisteskrank gewesen und wegen seiner Schizophrenie ein bösartiger Mensch geworden. Nun kennt die Geschichte durchaus auch Geistesgestörte auf Regierungssesseln. Wer die Protokolle der Konferenzen der Siegermächte und die Aussagen der beteiligten Personen liest, stellt fest, dass sie alle Stalin mit Respekt eine große Geisteskraft bezeugen. Seine prägende Rolle für den erfolgreichen Zusammenschluss aller Kräfte gegen den Hitlerfaschismus hatten auch alle führenden Männer der Zeit wie Churchill, Truman und Roosevelt bekräftigt.

 

Der 8. Mai ist Mahnung, Lehre und Zuversicht

Der 8. Mai mahnt zur Wachsamkeit gegen alle faschistischen Tendenzen. Eine neue Variante, um reaktionäres faschistisches Gedankengut in die Massen zu träufeln, vollzieht sich mit dem Auftreten ultrarechter Parteien und Strömungen in allen Industriestaaten in Europa und den USA. Mit dem Begriff „Rechtspopulisten“ soll verbreitet werden, dieses reaktionäre Gedankengut stamme aus dem Volk. Das liegt auf der gleichen Linie wie die Behauptung, dass das ganze deutsche Volk Hitler hervorgebracht habe. In dem Buch „Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution“ heißt es dazu:

„Auch wenn die Kommunisten durch ihre Mitverantwortung für das Scheitern der antifaschistischen Einheitsfront gegen den Hitler-Faschismus nicht von Schuld freizusprechen sind, ist die bürgerliche Theorie der ,Kollektivschuld‘ entschieden abzulehnen. Diese setzt Täter und Opfer gleich, nimmt das Finanzkapital als Drahtzieher des Hitler-Faschismus aus dem Schussfeld und verleugnet und diffamiert den mutigen und opferreichen Widerstand zahlloser Kommunisten, Sozialdemokraten und Christen.“ (S. 249)

 

Der 8. Mai lehrt: Es kann keinen erfolgreichen Kampf gegen Faschismus und Reaktion, auf der Grundlage des Antikommunismus geben. Darauf hatte schon Brecht hingewiesen, z. B. in einem Brief am 18. Oktober 1937 an die Generalversammlung des „Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller in Frankreich“: „Werte Kollegen, ich höre, daß in letzter Zeit große Diskussionen stattgefunden haben, welche zu immer stärkerer Uneinigkeit unter den exilierten Schriftstellern führten. Einige Leute sollen der Meinung sein, daß der Kampf gegen den Faschismus getrennt von den Kommunisten unter uns geführt werden könne. Demgegenüber möchte ich feststellen, daß die Kommunisten unter uns immer die größten Opfer gebracht haben, um einen gemeinsamen Kampf um Freiheit und Demokratie für Deutschland zu ermöglichen. Es scheint mir nicht zu viel verlangt, wenn man an alle Antifaschisten die Forderung stellt, sich ebenso zu verhalten.“

 

Der 8. Mai gibt die Zuversicht: Sozialismus ist stärker als Faschismus und Reaktion. Deshalb ist die wichtigste praktische Schlussfolgerung, alle revolutionären Parteien zu stärken, das heißt in Deutschland vor allem Mitglied in der MLPD und in ihrem Jugendverband REBELL zu werden.

Die MLPD ist die Partei in Deutschland, die für den Kampf um eine sozialistische Perspektive eintritt, die die Lehren aus der Vergangenheit, die Siege über den Faschismus, aber auch die Niederlagen

der Arbeiterbewegung schöpferisch verarbeitet hat. Sie ist Mitglied in der im letzten Jahr gegründeten ICOR. Das ist eine Weltorganisation revolutionärer Parteien und Organisationen. Sie tritt an, mit aller Kraft an den subjektiven Voraussetzungen zu arbeiten, dass eine weltweit überlegene Kraft das allein herrschende internationale Finanzkapital überwinden wird.

Der 8. Mai ist ein Kampftag gegen Faschismus und Krieg. In seinem Sinne setzen wir uns für das Verbot aller faschistischen Parteien und Organisationen ein. Und fördern den Kampf gegen Militarismus, für den Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan. Wir fordern den Stopp der Nato-Aggression gegen Libyen. Dazu bereiten wir auch die Aktionseinheit zum 1. September als Kampftag gegen Faschismus und Krieg in Deutschland vor und verteidigen die Friedenspolitik der ehemaligen sozialistischen Länder als unvergänglichen historischen Beitrag des proletarischen Internationalismus.

Wolf-Dieter Rochlitz

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