„Das Vermächtnis von Mao Tsetung lebt!“ Interview mit der in den USA lebenden Chinesin Paoyu Ching

aus Rote Fahne 29/2011

RoteFahne29_11.jpgWelchen Eindruck hast du von der Entwicklung der Klassenwidersprüche im heutigen China?

 

In den letzten 30 Jahren mussten die Arbeiter, Bauern und die breiten Massen durch die kapitalistische „Reform“ Ausbeutung und Leid erdulden. Das war die Hauptquelle von Widersprüchen in China. Zusätzlich hat die Konzentration und der Missbrauch der Macht durch die bürokratischen Kapitalisten die Widersprüche vertieft und zu einer explosiven Stufe geführt.

Geschäftsleute und Manager haben enorme Macht. Sie schließen Fabriken und entlassen Arbeiter; sie nehmen Bauern oder Stadtbewohnern das Land weg für profitable Projekte; sie zahlen den Arbeitern Niedriglöhne ohne Sozialabgaben; sie halten fällige Löhne zurück; sie steigern das Arbeitstempo und verlangen bis zu 160 Überstunden im Monat; und sie weigern sich, medizinische Hilfe bei Arbeitsunfällen zu zahlen. Dennoch, so viel wirtschaftliche Macht diese Geschäftsleute und Manager auch haben, ohne politische Macht könnten sie nicht so mit den Menschen umgehen. Deshalb bestechen sie die politisch Mächtigen, um sich Einfluss zu erkaufen. In vielen Fällen sind die beiden Seiten identisch: Partei- und Regierungsbürokraten besitzen und führen Firmen.

Die ungezügelte Ausbreitung der Korruption verstärkt den Unmut der Arbeiter, Bauern und der einfachen Leute. Die Verantwortlichen haben ihre Unfähigkeit immer wieder bewiesen, Bestimmungen zum Schutz der Umwelt oder der Arbeiterrechte durchzusetzen. Auf der anderen Seite sind sie sehr effektiv, wenn es darum geht, Steuern, Gebühren oder willkürliche Strafen jeder Art einzutreiben. Im Interesse illegaler Handlungen der Fabrikbesitzer, Immobilienspekulanten oder Bergwerksbetreiber gehen sie mit äußerster Brutalität vor. Zur gleichen Zeit sind diese bürokratischen Kapitalisten extrem reich geworden. Diese Widersprüche lösten in den letzten Jahren eine wachsende Zahl von Arbeiterstreiks und Demonstrationen aus. Die Regierung ist immer brutaler vorgegangen, um die Proteste niederzuschlagen – im Namen der „Harmonie“.

 

Was kannst du über das Klassenbewusstsein der chinesischen Arbeiter und besonders der Jugend sagen?

Die herrschende „Kommunistische Partei“ steckt in der schwersten Krise seit 1949, weil ihre Legitimität von rechts und links in Frage gestellt ist. Die Partei ist in verschiedene Fraktionen gespalten. Die Rechte fordert eine Machtteilung und will ein westliches Mehrparteiensystem, während die Linke die Partei des Schwindels anklagt, weil sie nicht mehr dem Marxismus-Leninismus und den Mao-Tsetung-Ideen folgt.

Die Maoisten in China erlitten vor mehr als 30 Jahren eine Niederlage, als Deng Xiaoping die Macht ergriff und die kapitalistische Reform begann. Aber die Maoisten sind nicht verschwunden. Im Gegenteil, sie sind zu neuem Leben erwacht und greifen die Machthaber wütend und unerbittlich an, in weltanschaulichen, politischen und ökonomischen Kämpfen. Mit der Verschärfung der Widersprüche werden die linken Kräfte weiter gestärkt werden. Sie haben Artikel und Bücher veröffentlicht, gedruckt und online; sie haben öffentliche Diskussionsforen abgehalten für ihre Anliegen; sie haben Studiengruppen zu Marx, Lenin und Mao Tsetung gebildet; sie haben Studenten zusammengeschlossen, um von den Arbeitern zu lernen und die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu untersuchen; sie haben Massenkundgebungen organisiert mit Reden und revolutionären Liedern; sie haben sich auf jede mögliche Weise an Arbeiterkämpfen beteiligt.

All das belegt, dass das Vermächtnis von Mao Tsetung lebt und ebenso die ursprünglichen Lehren der Kommunistischen Partei, die jahrzehntelangen Kämpfe gegen Revisionismus und Imperialismus, die konkreten Erfahrungen mit dem Übergang zum Sozialismus. Es ist unvermeidlich, dass es kleinbürgerliche Einflüsse in der Bewegung gibt. Aber die Maoisten lernen und wachsen im Kampf. Sie beeinflussen immer mehr junge Intellektuelle und Arbeiter.

Ein alter Revolutionär schrieb kürzlich in einem Papier zur Zukunft Chinas: „Wir, die alten Revolutionäre, haben die Verantwortung, den jungen Revolutionären die Geschichte unseres Kampfes zu erzählen und ihnen zu helfen. Wir beugen uns, damit die jungen Revolutionäre auf unseren Rücken steigen und vorwärts schreiten können.“

 

Vielen Dank für das Interview!

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