Der vertikale Bauernhof oder wie sich eine Großstadt selbst ernähren könnte

Eine faszinierende Idee ist das Projekt eines vertikalen Bauernhofs: Es wurde von Dickson Despommier, Professor für öffentliches Gesundheitswesen an der Columbia University in New York, entwickelt. Mit Studenten entwarf er einen Plan für mehrgeschossige Bauernhöfe. Diese sollen nach einem Kreislauf- und Selbstversorger­system funktionieren.

Das Regenwasser aus der ­Kanalisation dient der Zucht von Hydrokulturen in oberen Geschossen. Darunter könnten Kleinvieh, Geflügel oder auch Fische gezüchtet werden. Pflanzenreste dienen als Nahrung und Abfälle aus dem Tiermist zur Düngung und Ener­gie­erzeugung. Umgebende Gebäude tragen mit ihrer überschüssigen Wärme zur Energiebilanz bei. Im Hafen von Rotterdam war das Pilotprojekt vorgesehen. Es wurde anfangs vom niederländischen Landwirtschaftsministerium gefördert, dann aber eingestellt. Inzwischen interessiert sich eine chinesische Großstadt dafür.
Sicher enthielt das Mega­projekt auch Haken und sollte nicht unbesehen bejubelt werden. Aber der Ansatz der Überlegungen ist unbedingt zu beachten: „Denn um ihre Bewohner zu ernähren, braucht eine durchschnittliche Stadt heute eine Ackerlandfläche vom Zehn­fachen ihrer eigenen Größe. Bis zum Jahr 2030 werden 4,8 Mil­liar­den Menschen in Städten leben und nach Berechnungen werden bis zum Jahr 2050 mehr als eine Milliarde Hektar zusätzliches Ackerland benötigt. Das entspräche etwa der Größe Brasiliens: einer Landwirtschaftsfläche, die auf der Erde nicht verfügbar ist.“ (Spiegel online vom 5. 5. 2008)

Landwirtschaft in der EU steht vor Scherbenhaufen
Nicht nur die Lebensmittelskandale werfen die Frage nach dem Zustand der Nahrungsmittelproduktion und -verarbeitung und der Zukunft der Landwirtschaft auf. Vor zehn Jahren schrieb der landwirtschaftspolitische Sprecher der SPD in der „Welt“ am 13. Januar: „Das System begünstigt oder belohnt Verschwendung, Umweltzerstörung und Tierquälerei. Hühner, Schweine und Rinder fristen vielfach ein qualvolles Dasein in tierquälerischen Stallsystemen auf engstem Raum. Gülleströme verseuchen Grundwasser, Flüsse und Küsten. Kriminelle Methoden bei der Fütterung und der Lebensmittelherstellung kommen jetzt noch hinzu. BSE gefährdet Menschenleben. Die Landwirtschaft in Europa steht vor einem ökonomischen und moralischen Scherbenhaufen.“
„Das System“ nennt er nicht: das auf Maximalprofit und Konkurrenz basierende kapitalistische System. Dem fielen in den letzten 50 Jahren über 1,1 Mil­lio­nen klein- und mittelbäuerliche Existenzen in Deutschland zum Opfer. Es enteignet weltweit massenhaft Bauern wie nie zuvor in der Geschichte des Kapitalismus. Das sorgt weltweit für Hungerka­tas­trophen. Dagegen stemmen sich die Betroffenen in harten Kämpfen. Dabei sind die materiellen Grundlagen für die Lösung des Welternährungsproblems herangereift:
• Die moderne Agrartechnik hat einen Standard erreicht, die Bearbeitung der Böden und die Tierhaltung artgerecht auszubauen
• über fünf Jahrzehnte Erfahrungen mit alternativen Agrarmethoden wären eine Grundlage für eine Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft, um die Zusammenhänge von Produktions-, Nährstoffkreisläufen und Transportsystemen zu verstehen, anzuwenden und weiterzuentwickeln;
• die modernen Klein- und Mittelbauern sind hochgebildete Agrarwissenschaftler mit einem Ideenreichtum und Schöpferkraft und großem persönlichem Idealismus;
• sie verstehen sich nicht nur als reine Produzenten, sondern auch als Pfleger der Naturlandschaft, die ohne Landwirtschaft zugrunde gehen würde;
• unter der Masse der Konsumenten wächst eine verantwortungsvolle Einstellung für eine gesunde Lebensweise;
• Aufgrund gemeinsamer Kampferfahrungen rücken Erzeuger und Verbraucher näher zusammen – ein ständiger, organisierter Austausch zwischen Produzenten und Konsumenten wird im Sozialismus eine selbstverständliche Basis der Ernährungspolitik sein.
Immer mehr Landwirte erkennen, dass sie nur mit Team­geist und Solidarität eine Zukunft haben. So entstanden „Maschinenringe“, bäuerliche Produktionsgemeinschaften, gemeinsam betriebene Hof­läden usw. Solche Projekte wenden sich gegen Megaprojekte immer größerer und massenhafter Anlagen mit zerstörerischen Nebenwirkungen. Wenn diese sich nicht auf die Eigenversorgung beschränken, sondern in ein internationales Netzwerk eingefügt wären, würde das Energie einsparen und Verkehrsprobleme verringern. Wie unsinnig und umweltzerstörend ist es, wenn Lastwagen Joghurt aus Dänemark nach Ungarn fahren und andere von dort quer durch Europa rasen.

Die Zukunft der Landwirtschaft
Landwirtschaft ist mehr als nur Produktion. Das beschreibt ein Vertreter der Biolandwirtschaft so: „Das Wort Kultur stammt aus dem Lateinischen und steht für ,pflegen, ehren, (das Land) bebauen (colere)‘: Es geht um ,Agriculture‘ statt ,Agribusiness‘. Eine in diesem Sinn ,kultivierte‘ Gesellschaft braucht eine neue solidarische Kultur, die uns mit dem Land verbindet, mit den Tieren und Pflanzen, mit Mutter Erde – und vor allem mit
den zukünftigen Generationen.“ („Göttinger Tageblatt“, 18. 3.  2011)
In dem Buch „Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution“ wird nachgewiesen, dass dies unter kapitalistischer Bedingung nicht möglich ist: „Das erfordert eine systemische Denkweise, die keine Konkurrenz, keine Effekthascherei und kein bruchstückhaftes Wissen und Handeln duldet. Das ist identisch mit der weltweiten Errichtung des Sozialismus, wo nicht länger Mehrwert und Akkumulation des Kapitals im Mittelpunkt stehen, sondern die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschheit in Einheit mit der Natur.“ (Seite 207)

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