Beim Widerstandscamp in Madrid

Eine REBELL-Delegation berichtet aus Spanien

Portugal, Spanien, Griechenland, Frankreich – in immer mehr Ländern Europas rebelliert die Jugend inzwischen gegen die herrschenden Zustände.
In Spanien haben zigtausende Jugendliche seit dem 15. Mai in über 60 Städten große Demonstrationen organisiert und Plätze besetzt. In Barcelona wurden die Platzbesetzer am 28. Mai mit Schlagstöcken und Gummigeschossen von der Polizei brutal vertrieben – der Platz sollte angeblich für die Meister-Feier des FC Barcelona geräumt werden. Über 100 Menschen wurden verletzt. Zwei Tage später dann die brutale Räumung der Puerta del Sol in Madrid …
Eine Delegation des Jugendverbands REBELL reiste letzte Woche nach Spanien – der erste Teil ihres Berichts erschien in „Rote Fahne“ 21. Hier die Fortsetzung:

Aus Barcelona kommen wir nach Madrid, gegen 12 Uhr, auf dem bekannten Platz „Puerta del Sol“ („Sonnenpforte“) an. Das Camp ist noch größer besetzt und aufgebaut als in Barcelona. Am Platz stehen sich plastisch die Gegner gegenüber: In der Straße vom Camp wegführend stehen Teile des Regierungssitzes und der palastartige Sitz der „Banco Santander“ (internationales Übermonopol, 2009 auf Rang 37). Entgegen den blutleeren Gebäuden ist das Camp vom Leben erfüllt, weit hörbar wird schon eine erste Versammlung mit etwa 300 Teilnehmern abgehalten. Auf dem Platz verteilt sind insgesamt sicherlich 700 Leute.

Umsichtige Organisation
Wieder sind wir von der Organisation beeindruckt, insbesondere, wie man sich hier gegenseitig umeinander kümmert, gerade auch um die vermeintlich „kleinsten“ Bedürfnisse. So gibt es über den Platz verteilt drei bis vier Stände, an denen man kostenlos einen Becher Wasser erhält, was bei den Temperaturen absolut notwendig ist; dann gibt es am Tisch daneben alle möglichen mitgebrachten Sonnencremes, bei denen sich jeder bedienen kann, dann gehen Trupps Jugendliche über den Platz, um die Leute mit Wasserzerstäubern zu erfrischen usw. Die Müllentsorgung ist wie vom Bahnhof bekannt in vier Teile  aufgeteilt (Restmüll, Papier, Glas, Verpackung), nur sind die Behälter selbstgebaut. Auf dem Platz wurde eine Bibliothek mit mehreren hundert Büchern errichtet, in diesem Lesezelt kann man tagesaktuell zumindest die größten Zeitungen lesen, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Liebevolle Kinderbetreuung
Am meisten angetan sind wir von der Kinderbetreuung, die mit viel Liebe hergerichtet ist. Der Boden ist gut gepolstert, große Planen gegen die Sonneneinstrahlung gespannt, Kinderstühle, Spielzeuge, Malecke, Wickelmöglichkeit, großes Eingangsschild (mit „Fotografieren verboten“-Zeichen, wegen den Kindern) und eine organisierte Kinderbetreuung. Als wir ankommen, wird gerade begonnen, ein Planschbecken für die Kleinen aufzubauen.
Etwas erstaunt, aber auch nicht zu sehr, nehmen drei junge Mütter mit ihren Babys unser „Hereinkommen“ wahr. Mit dem Rotfuchsaufkleber „Kampf der Kinderarmut“ stellen wir die Kinderorganisation vor. Zwei von ihnen finden das ganz gut, weil Kinder darf man bei so einem Kampf nicht raushalten. Wir führen ein Interview mit einem der Kinderbetreuer durch: Er nimmt an der Bewegung teil, weil er will, dass sie weiter wächst und es ist sein Beitrag dazu, dass er als Freiwilliger die Kinderbetreuung unterstützt. Er kritisiert die Regierung, ist aber der Meinung, dass sie die alleinige Schuldige ist an der miserablen Lage und den schlechten Zukunftsaussichten in Spanien. Dass die Banken und Konzerne die Politik diktieren, findet er nicht. Für ihn ist Sozialismus gleichbedeutend mit der „sozialistischen“ Partei an der Regierung und darum nichts besonders Positives. Auch von der Rolle der EU hat er ein etwas diffuses Bild, wenn er fordert, dass man sammeln muss, was alle Länder brauchen, damit die Bevölkerung gut versorgt ist und diese Forderungen dann an die EU heranträgt und mit Demos und Unterschriftensammlungen durchsetzt. Es bestehen doch noch ziemliche Illusionen in die bürgerliche Demokratie. Das Pfingstjugendtreffen findet er eine gute Möglichkeit für Jugendliche, sich auszutauschen und hat Interesse, zu kommen.

„Hallo“ für Solidarität aus Deutschland
Die Technik ist noch besser als in Barcelona organisiert. Einige Lautsprecher sind quer über den Platz verteilt und so kann man über ein Mikrofon alle erreichen. Nach ihren Prinzipien dürfen hier nur interne Durchsagen gemacht werden. So lehnt einer der Verantwortlichen ab, dass hier Werbung für das Pfingstjugendtreffen gemacht werden kann. Obwohl er uns da missverstanden hat, weil wir ihn eigentlich nur persönlich interessieren wollten. Als wir dann sagen, dass wir aus Deutschland Solidaritätsgrüße überbringen und beeindruckt sind von der ganzen Organisation, ist ihm das doch eine Durchsage wert, welche mit einigem „Hallo“ in den verschiedenen Winkeln des Zeltcamps begrüßt wird.

Großes Interesse an Widerstandsgruppen
Auch hier gibt es eine Kommission Umwelt. Sie treten klar ein für die Stilllegung aller Atomkraftwerke in Spanien. Die Atomkatastrophe in Fukushima hat auch hier die Leute „sensibilisiert“. Entsprechend stößt die Idee des Widerstandsplenums auf dem Pfingstjugendtreffen auf großes Interesse. Wir betonen besonders, dass wir damit einen Beitrag zum Aufbau einer internationalen Widerstandsfront leisten wollen. Wir laden dazu ein. Es soll auf jeden Fall in das nächste Kommissionstreffen eingebracht werden. In der Diskussion entwickelt sich auch der Vorschlag, eventuell eine Videokonferenz via Internet auf Großleinwand vom Protestcamp zum PJT und zurück aufzubauen.
Interessant ist, dass sich besonders hier an der Umweltfrage dann die Auseinandersetzung um eine sozialistische Perspektive mit am weitgehendsten entfaltet. Zuerst betonen die beiden noch sehr, dass jetzt die Bewegung ihre eigenen Konzerne aufbauen muss, die nicht nach Profit wirtschaften und dass es vor allem auf den Ausbau solcher Versammlungen wie in Madrid ankommt, damit wir ein besseres System erringen. Beidseitig wird lebhaft argumentiert. Zu Ende wird das von uns gezeichnete Bild des Sozialismus greifbarer. Einer kauft die Broschüre „Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen“ und wir wollen in Kontakt bleiben.

Grüße vom REBELL
Fast den ganzen Tag findet eine öffentliche Diskussion mit offenem Mikrofon statt. Als wir dort sprechen, wird es von zwei 17- bzw. 18-Jährigen durchgeführt. Vor zirka 350 Zuhörern überbringen wir solidarische und kämpferische Grüße vom Jugendverband der MLPD, dem REBELL. Wir stellen die Montagsdemobewegung und das Pfingstjugendtreffen vor. Das stößt auf Freude und großes Interesse an den verteilten Flyern zum Pfingstjugendtreffen und den Aufklebern des REBELL. Es gibt großen Respekt für die Montagsdemobewegung, die fast schon seit sieben Jahren den Kampf führt. Einer will die Situation in Deutschland und den „vielen“ Arbeitsplätzen ganz genau wissen, denn den Jugendlichen in Spanien wird empfohlen, nach Deutschland zu gehen. Er selbst arbeitet als Koch, und wenn er nicht arbeitet, ist er auf dem Platz und hilft hier bei der Zubereitung des Essens mit. Er kauft sich ein „Rebell“-Magazin (er kann deutsch lesen) und überlegt, ob er zum PJT kommen kann.
Die Erfahrungen aus den Besuchen der Protestcamps in Barcelona und Madrid sind sehr bewegend, weil sie einen kleinen Ausschnitt davon zeigen, was eigentlich möglich ist in der Initiative, im Ideenreichtum, Zusammenhalt, Zusammenleben, gemeinsam kämpfen – wenn sich die Selbstorganisation der Massen Bahn bricht.
Wenn sich das mit der  Perspektive der internationalen sozialistischen Revolution verbindet, dann werden wir unsere Ketten sprengen …

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