„Und als Morgenröte der Freiheit, die Fahne, die rote, wird wehn …“

140 Jahre Pariser Kommune, Teil 7 (Schluss)

Nach 76 Tagen wurde das revolutionäre Feuer der Pariser Kommune in einem Blutbad erstickt. 30.000 Menschen wurden bestialisch ermordet. Über 40.000 wurden eingekerkert oder zu Zwangsarbeit verurteilt. Der Mai 1871 ging als Blutmai in die Geschichte ein. Die revolutionäre Glut konnte die Reaktion nicht auslöschen. Im Endkampf der Kommune rief August Bebel im Deutschen Reichstag: „Meine Herren, … wenn auch im Augenblick Paris unterdrückt ist, dann erinnere ich Sie daran, daß der Kampf in Paris nur ein kleines Vorpostengefecht ist, (…) und daß, ehe wenige Jahrzehnte vergehen, der Schlachtruf des Pariser Proletariats, ,Krieg den Palästen, Friede den Hütten, Tod der Not und dem Müßiggange!‘ der Schlachtruf des gesamten europäischen Proletariats werden wird.“

Mit Hilfe des Verrats am 21. Mai durch einen kleinen Finanzbeamten und Amateurspion namens Ducatel gelang es den Versailler Truppen unter der Führung von General Mac Mahon, in die Stadt einzudringen. Am 23. Mai 1871 entbrannte der Kampf um Montmartre. Die Verteidigung auf den Barrikaden begann. Am 24. Mai erschien der letzte Aufruf der Kommune, der an Deutlichkeit der Lage nichts zu wünschen übrig ließ: „Der Feind ist nicht dank seiner Stärke, sondern mit Hilfe von Verrätern in die Stadt eingedrungen. Der Mut und die Energie der Pariser werden ihn zurückschlagen (…) Alle auf die Barrikaden! Läutet Sturm, laßt alle Glocken dröhnen und alle Kanonen donnern, solange auch nur noch ein einziger Feind in der Stadt ist! Dieser Krieg ist furchtbar, denn der Feind kennt kein Erbarmen. (…) Der vollständige Sieg ist die einzige Aussicht auf Rettung, die dieser erbarmungslose Feind uns läßt …“

Der Pariser Blutmai
Paris erlebte am 28. Mai den letzten Kampf auf der letzten Barrikade. Lissagaray hat ihn mit bewegenden Worten geschildert: „Um 10 Uhr haben die Föderierten beinahe keine Kanone mehr und sind von zwei Dritteln der Armee eingeschlossen. Sie verzagen trotzdem nicht. (…) Die Versailler Artillerie beschießt sie, bis die Föderierten ihre Munition verbraucht haben. Als die letzte Patrone verschossen ist, stürzen sie sich, mit Kugeln überschüttet, in die Bajonette, von denen sie umzingelt sind. (…) Die letzte Barrikade der Maitage ist in der Rue Ramponneau, die eine Viertelstunde lang von einem einzigen Föderierten verteidigt wird. (…) Um 11 Uhr war alles aus.“ (Prosper Lissagaray, „Geschichte der Commune von 1871“, ed. suhrkamp, S. 385 )
General Mac Mahon verkündete den Tagesbefehl für das besiegte Paris:  „Paris ist befreit. … Heute ist der Kampf beendet. Ordnung, Arbeit und Sicherheit werden wiederkehren.“ (Jacques Duelos, „Himmelsstürmer“, Berlin 1963, S. 228 )
Viele Intellektuelle wie der Dichter Flaubert sahen den Sozialismus „für lange Zeit gestorben“. Doch er sollte sich täuschen. Eugène Pottiers, der – in Paris versteckt – im Juni 1871 die „Internationale“ schrieb, schleuderte den Henkern der Kommune die Verse entgegen:  „Man hat sie an die Wand gestellt und tausendmal erschossen und brüllend zog die Unterwelt ihr Banner durch die Gossen. Der Henker hob es aus dem Kot und schrie, das ist die Sühne! Doch trotz Verbot,  sie ist nicht tot, sie lebt noch: die Kommune!“
Lenin, der Führer der siegreichen Oktoberrevolution von 1917, analysierte 1911 zwei Gründe für die Niederlage der Kommune: „Zur siegreichen sozialen Revolution bedarf es mindestens zweier Vorbedingungen: Die Entwicklung der Produktivkräfte muss eine hohe Stufe erreicht haben, und das Proletariat muss vorbereitet sein. 1871 fehlten jedoch diese Vorbedingungen. Der französische Kapitalismus war noch wenig entwickelt und Frankreich war damals ein überwiegend kleinbürgerliches Land (…) Anderseits war keine Arbeiterpartei vorhanden, es fehlte die Vorbereitung und lange Schulung der Arbeiterklasse, die in ihrer Masse noch nicht einmal eine völlig klare Vorstellung von ihren Aufgaben und den Methoden ihrer Lösung hatte.“ (Lenin, Werke, Bd. 17., S. 124)  
In dem aktuell erschienen Buch „Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution“ wird die historische Errungenschaft der Pariser Kommune auf dem langen Weg zur proletarischen Weltrevolution hervorgehoben: „Die wechselseitige Unterstützung revolutionärer Kämpfe in allen kapitalistischen Zentren ist die höchste Form der internationalen Solidarität und eine Existenzfrage der internationalen proletarischen Revolution. Die Erziehung der Arbeiterklasse im Geist des proletarischen Internationalismus war das größte historische Verdienst der Internationalen Arbeiterassoziation. (…) Zur Organisierung eines länderübergreifenden revolutionären Ansturms war die Internationale Arbeiterassoziation nicht in der Lage. Dazu hätte es international vereinter proletarisch-revolutionärer Parteien zumindest in den wichtigsten europäischen Ländern und den USA bedurft.“ (S. 60)

Die Kommune ist unsterblich
Noch einmal Lenin: „Die Sache der Kommune – das ist die Sache der sozialen Revolution, die Sache der völligen politischen und wirtschaftlichen Befreiung der Werktätigen, die Sache des Weltproletariats. Und in diesem Sinne ist sie unsterblich.“ (Lenin, Werke, Bd. 17, S. 126)
Unter dem Eindruck der dramatischen Ereignisse fasste 1872 der deutsche Arbeiterdichter Max Kegel Sehnsucht und Hoffnung in folgende Zeilen: „Und als Morgenröte der Freiheit – Die Fahne, die rote, wird wehn. Hoch leb die Pariser Kommune, bald möge sie wieder erstehn!“

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