ThyssenKrupp: Vor einer neuen Organisierung der internationalen Stahlproduktion?

Am 5. Mai hat der ThyssenKrupp (TK)-Vorstand beschlossen, weltweit Unternehmensteile auszugliedern und zu verkaufen, von denen mindestens 35.000 Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien betroffen sind. Am 13. Mai hat der Aufsichtsrat sein Konzept einstimmig gebilligt.

TK hat seine Investitionen in den letzten Jahren auf den Neubau eines Stahlwerks an der brasilianischen Atlantikküste, mit eigenem Hafen, und in Calvert/Alabama im Süden der USA konzentriert. In Brasilien sollen im Jahr fünf Millionen Tonnen Brammen produziert werden. Gewalzt wird aber ganz woanders, in Alabama, Duisburg und Bochum.

Die Verlagerung der Stahlerzeugung in eins der an Eisenerz reichsten Länder und ihr Verbund mit den Walzwerken in einem anderen Kontinent, getrennt durch den Atlantik, deutet auf eine neue Organisierung der internationalen Stahlproduktion hin. TK steht damit an der Weltspitze. Setzt sich dieses neuartige Konzept auf breiter Front durch, hat das Folgen für Hunderttausende von Stahlarbeitern in den „alten“ Produktionsländern in Europa, den USA und Japan.

Nach den Milliardeninvestitionen im Stahlbereich sollen zukünftig die Aufzugssparte und der Anlagenbau in den am schnellsten wachsenden Märkten wie China, Indien usw. am stärksten ausgebaut werden. Um die notwendigen Mittel zu beschaffen, schreckt TK nicht einmal davor zurück, traditionelle Geschäftsbereiche mit einem hohen Weltmarktanteil zu amputieren. Dazu gehören die Erzeugung von rostfreien Stählen („Nirosta“), Autozuliefererbetriebe und die hochmoderne Fertigung maßgeschneiderter lasergeschweißter Karosserieteile für die Autoindustrie von Tailored Blanks, in dem TK 40 Prozent Weltmarktanteil hält. Das verspricht in der jetzigen Wirtschaftslage auch einen guten Verkaufspreis.

Der Vorstand hat die IG-Metall- und Betriebsratsführung frühzeitig in seine Pläne eingebunden. Die „Arbeitnehmervertreter“ im Aufsichtsrat haben zugestimmt und versuchen, die Belegschaften dafür zu gewinnen, vor allem durch das Versprechen, betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen und bei Verkäufen gebe es ein Mitspracherecht.

Sofort entfaltete sich eine lebhafte Diskussion in den Belegschaften: „Lieber Verkauf und Eigenständigkeit, als gar keinen Arbeitsplatz. Wenn es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt, kommt man schon irgendwie über die Runden.“

Ausgliederungen und Verkäufe wurden in den letzten Jahren nicht mit offenen Entlassungen oder betriebsbedingten Kündigungen durchgezogen und manche ausgegliederte Bereiche in neue Konzerne eingegliedert. Doch es wurden mit den Jahren über Sozialplan und natürliche Fluktuation massiv Arbeitsplätze vernichtet, die heute der Jugend fehlen, und mit wesentlich kleineren Belegschaften wird die Ausbeutung unerträglich gesteigert. Eine einschneidende Erfahrung war die Ausgliederung der IT-Sparte von ThyssenKrupp, nach der Ausgliederung wuchs sie von 900 auf 6.000 an und wurde dann an HP verkauft. Es wurden eine Vielzahl Arbeitsplätze vernichtet und die Löhne gesenkt. Mittlerweile ist ein Teil der ehemaligen ThyssenKrupp-Kollegen arbeitslos. Außerdem ist überhaupt nicht gesagt, dass nach Ausgliederungen wirklich keine Massenentlassungen folgen.

„Man kann einen Verkauf eh nicht verhindern, der Vorstand zieht seine Pläne durch“, ist ein weiteres Argument. Der Vorstand ist aber immer dann von einem Teil seiner Ausgliederungs- und Verkaufspläne abgewichen, wenn sich konzernweite und selbständige Elemente in den Protesten widerspiegelten. So verstärkte der konzernweite Aktionstag 2009 mit 14.000 Teilnehmern aus fast allen Bereichen von TKS das Gefühl, als einheitliche Konzernbelegschaft zu denken und zu handeln.

„Erst mal abwarten, was da kommt, wofür soll man auch kämpfen?“ Mit dieser Haltung würden sich die Belegschaften ausliefern und wehrlos hinnehmen, was sich hier abzeichnet. Die MLPD unterstützt voll und ganz die kämpferische Richtung, die nicht abwarten will, sondern berät, wie und wofür der Kampf aufgenommen und offensiv geführt wird. Die MLPD fördert den internationalen Schulterschluss insbesondere der Belegschaften in den internationalen Übermonopolen wie ThyssenKrupp. Sie müssen sich ihrer gemeinsamen Kraft und des gemeinsamen Gegners bewusst werden.

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