Daimler spitzelt in Facebook!

Stuttgart (Korrespondenz): Mindestens fünf Daimler-Kollegen mussten bei der Personalabteilung vorreiten. Sie waren im Facebook der Gruppe „Daimler-Kollegen gegen Stuttgart 21“ beigetreten. Mit dem in Facebook üblichen „Gefällt mir“-Button hatten sie ihre Zustimmung zu einem Artikel ausgedrückt, der unter anderem Merkel, Mappus und auch Daimler-Chef als „Spitze des Lügenpacks“ bezeichnete. Zehntausende hatten solche „Lügenpack“-Parolen übrigens auf den Demonstrationen gerufen und selbst die eifrigen bürgerlichen Gerichte sahen darin nichts Verurteilungswürdiges. Diese Facebook-Seite war eine hervorragende Initiative von Daimler-Kollegen, sich als Arbeiter politisch gegen „S 21“ zu positionieren. Dem eifrigen „S 21“-Befürworter Zetsche hingegen, der unter der Hand immer den Eindruck erweckt, er spreche gleich für die Belegschaft mit, passte dies nicht in den Kram. Daimler schrieb an Facebook und ließ die Seite sperren. Außerdem wurden Daimler-Kollegen herausgefiltert und vorgeladen.

Das führte jedoch schnell zu einigem Unmut unter den Kollegen, auch der Betriebsratsvorsitzende Nieke intervenierte bei der Personalabteilung. Die ruderte zurück und erklärte heuchlerisch, Daimler sei „die Meinungsfreiheit heilig“, die Gespräche seien ja „freiwillig“ und dienten nur der „Sensibilisierung“ der Kollegen. Rein zu deren „Sensibilisierung“ wurde dann auch wohl unter dem irreführenden Namen BPO (Business Practices Office) unter der Führung des ersten weiblichen Vorstandsmitglieds auch eine Art hauseigene Stasi-Abteilung aufgebaut. Sie soll Äußerungen aufspüren, die das „Daimler-Image“ schädigen und dazu unter Anwerbung von Denunzianten auch die Daimler-Kollegen in- und außerhalb des Betriebes bespitzeln. Offensichtlich hat der sich immer so selbstsicher gebende Vorstand schlichtweg Angst vor der „eigenen“ sich auch noch selbst vernetzenden Belegschaft. Angst vor der Entwicklung ökonomischer und politischer Kämpfe, der Verbindung von Arbeiteroffensive und aktivem Volkswiderstand der Massen. Deshalb wird vom Daimler-Vorstand zu solch unverschämter Unterdrückung gegriffen, wie sie von der Bundesregierung gerne heuchlerisch als „Verteidigung der Menschenrechte“ gegenüber China angeprangert wird. China ist offenbar gar nicht so weit weg von Untertürkheim, aber ebenso entwickelt sich in Auseinandersetzung damit das proletarische Klassenbewusstsein – hier wie dort!

Und hier wie dort muss die Arbeiter- und Volksbewegung auch im Internet die bürgerlich-demokratischen Rechte verteidigen. Die Löschung der Facebook-Seite „Daimler-Kollegen gegen ,S 21‘“ muss zurückgenommen werden. Schluss mit den Personalgesprächen dazu – Vernichtung aller Aktennotizen dazu!

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