Verharmlosung und Lügen – nicht erst seit Fukushima

In den Medien und seitens der Regierungen erleben wir eine weltweit gleichgeschaltete Verharmlosungs- und Vertuschungskampagne. Zugegeben wird nur, was nicht mehr zu leugnen ist.

Stuttgart Großdemo 19.3.Zynisch erhält die menschenverachtende Desinformation noch Beifall bundesdeutscher Politinstanzen, wie Ex-Bundeskanzler und AKW-Befürworter Helmut Schmidt (SPD): „Es ist notwendig, vermeidbare Panik zu vermeiden. Die Regierung ist nicht gezwungen, alles zu sagen, was sie weiß.“ („FR“, 16.3.2011)

Eine Mischung aus Information und Desinformation, Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen, Eingeständnissen und Dementis zielt auf die Verunsicherung der Massen. Dazu gehören sich widersprechende Meldungen angeblich allesamt seriöser Experten ebenso wie eine Faktenflut, ohne Bezug zu den praktischen Auswirkungen. Dreist werden „Trauermeldungen“ wie der Tod von Eisbär Knut zum Medienereignis hochgespielt. Gewünschter Effekt dieser Meinungsmanipulation ist, dass man nicht mehr weiß, was man glauben soll oder sich wenigstens an die Schreckensmeldungen gewöhnt.

Getreu diesem Motto wird auch in Deutschland die Bevölkerung über die weltweiten Folgen der japanischen Katastrophe desinformiert: „Es ist nach menschlichem Ermessen nicht vorstellbar, dass Deutschland von den Auswirkungen des Unglücks in Japan betroffen sein könnte“, lügt Kanzlerin und Physikerin Angela Merkel am 12. März in die Stenoblocks der Presse. Tatsache ist, dass jede radioaktive Verstrahlung sich über Luft, Wasser und den internationalen Güteraustausch weltweit verbreitet und die Gesamtbelastung der Menschheit erhöht. Am 23. März wird ein Anstieg der Radioaktivität in Island und Kalifornien gemessen. Am 25. März in Deutschland. Anfang April verschwindet Fukushima dann von den Titelseiten der bürgerlichen Medien.

Die EU hat inzwischen die Grenzwerte für Radioaktivität in Lebensmitteln erhöht – ein Standardverfahren bei Atomunfällen, wie die EU-Behörden lapidar mitteilen.

Die systematische Verharmlosung hat auch in Deutschland Geschichte. Krebsregister und wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse über ein deutlich erhöhtes Leukämie-Risiko bei Kindern in der Umgebung von AKWs werden unterdrückt.

In den deutschen Atomkraftwerken gab es zwischen 1996 und 2010 im Schnitt jährlich 132 meldepflichtige Störfälle. Darunter schwerwiegende Ereignisse wie Brände, austretende Radioaktivität und Explosionen. Zumindest vom AKW Philippsburg ist inzwischen bekannt, dass meldepflichtige Störfälle vertuscht wurden. Motiv: die von der Merkel/Westerwelle-Regierung geplante Verlängerung der Laufzeiten nicht zu gefährden. Sie nennt ihre Laufzeitverlängerung „Brückentechnologie“. Das verschleiert demagogisch die Tatsachen. Weltweit waren Mitte 2010 439 Atomkraftwerke in 30 Ländern im Betrieb. 56 weitere sind im Bau, 154 in der Planung und weitere 344 im Gespräch.

Keiner der führenden Monopolpolitiker und Manager kann sich herausreden: Die tödliche Gefahr war vollständig bekannt und wurde bewusst in Kauf genommen. Mit der zynischen Formulierung des sogenannten „Restrisikos“ fand sie sogar Eingang in die entsprechenden Gesetzestexte.

Die jahrzehntelange Desinformation gleicht einer psychologischen Kriegsführung. Hier liegt auch der Grund, dass in vielen Ländern die Gefahren der Atomkraft noch wenig bekannt sind und sich erst jetzt beginnt, der Widerstand zu regen.

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