IG-Metall-Führung setzt auf Energieversorgung ohne Atomkraft – warum aber nicht sofort?

IG-Metall-Führung setzt auf Energieversorgung ohne Atomkraft – warum aber nicht sofort?

Köln, 26. März: Die Bevölkerung ist tief besorgt

In einem Positionspapier vom 16. März erklärt die IG-Metall-Führung: „Die IG Metall setzt auf eine Energieversorgung ohne Atomkraft.“ Da sie bisher zu den Verfechtern der Atomenergienutzung gehörte, ist man gespannt, wie die Änderung der Position zustande kommt. Um es gleich vorweg zu sagen: Wer gehofft hatte, dass die IGM-Führung die unverantwortliche Nutzung dieser nicht beherrschbaren Technik sofort stoppen will, wird enttäuscht.

Zu Recht kritisiert sie zwar, dass Sicherheits-Checks, wie sie die Bundesregierung jetzt mit ihrem Moratorium ankündigt, nicht ausreichen und dass sich Atomenergie nicht als Brückentechnologie zur Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energie eignet. Sie bleibt dann aber bei der Forderung stehen, dass die Bundesregierung die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke zurücknehmen muss.
Ohne irgendwelche Fakten, warum eine sofortige Stilllegung aller Atomanlagen nicht möglich sein soll, will sie „den im Jahr 2000 zwischen der damaligen SPD/Grünen-Bundesregierung und den Energiekonzernen vereinbarten Atomkonsens zur Grundlage für einen geplanten Ausstieg aus der Atomenergie bis 2020“ machen. Das würde bedeuten, dass nur Biblis A und B, Neckarwestheim 1 und Isar 1 sofort abgeschaltet werden müssten, alle anderen AKWs aber weiter betrieben werden könnten, Neckarwestheim 2 sogar bis 2022. Auch zur damals ermöglichten Übertragung der sogenannten Restlaufzeiten auf andere AKWs wird in dem Papier nichts gesagt. Damit übernimmt die IGM-Führung eins zu eins die offizielle SPD-Position, die schon der verstorbene SPD-Umweltexperte Herrmann Scheer scharf kritisierte.
Erstens gibt es in Deutschland erhebliche Überkapazitäten bei der Stromerzeugung. Außerdem könnte die Spitzenlast durch ein effektiveres Hochfahren der industriellen Anlagen erheblich gesenkt werden. Durch den Einsatz effizienterer Elektromotoren in der Industrie wäre auch die Grundlast deutlich niedriger. Zahlreiche Studien belegen, dass bis ca. 2025 eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien ohne jegliche Verbrennung fossiler Stoffe möglich ist. Die IGM-Führung strebt auch einen „Ausbau der Kraft-Wärme-Koppelung“ an, übernimmt aber die von den Konzernen vorgegebene Zeitspanne, erst „bis 2050 bei der Stromerzeugung den Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare zu schaffen“. Sie tritt für den weiteren Ausbau der fossilen Verbrennung ein „durch neue hocheffiziente Kohle- und Gaskraftwerke“. Das jedoch ist bezogen auf die Klimakatastrophe und die Steigerung des CO2-Ausstoßes unverantwortlich und nützt allein den Profitinteressen der Kraftwerksbetreiber.
Das Konzept der IGM-Führung für eine Energieversorgung ohne Atomkraft entspricht daher weder den technischen Möglichkeiten noch den Erfordernissen zur Rettung der natürlichen Umwelt vor der Profitgier der großen internationalen Übermonopole. Es lenkt von der vordringlichen Forderung nach der sofortigen Stilllegung aller Atomanlagen auf Kosten der Betreiber ab.

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