Kampf der Arbeitshetze! „Wir sind keine Wegwerfarbeiter“

Am vergangenen Donnerstag legten bei Daimler in Bremen 4.000 bis 5.000 Kollegen die Arbeit für eine Stunde nieder und marschierten zur Verwaltung. Seit Anfang letzter Woche sollte mit noch weniger Personal produziert werden, in der Nachtschicht wurden die Bänder auf volle Geschwindigkeit gestellt und die fehlenden Leute mit Kollegen aus anderen Schichten aufgefüllt.

Seit Wochen ist zu viel Arbeit mit zu wenig Leuten da.
Die Kollegen kamen zu der Aktion mit Schildern mit Forderungen „Schluss mit der Arbeitshetze – Wir sind keine Wegwerfarbeiter – Festeinstellung aller Leiharbeiter“, „Festeinstellungen ohne Wenn und Aber“ und „Festeinstellung aller Leiharbeiter“.
Den Begriff „Wegwerfarbeiter“ haben die Kollegen von Japan übernommen, wo die Konzernspitze skrupellos Arbeiter in das Kernkraftwerk Fukushima schickt ohne Rücksicht auf die Gefahr durch die radioaktive Strahlung. Die Parallele zu der drastischen Verschärfung der Ausbeutung, der Ausweitung der Wochenendarbeit und der Flexibilisierung der Arbeitszeiten ohne Rücksicht auf die Gesundheit oder das Familienleben der Arbeiter wurde in der Belegschaft breit diskutiert. Das Schild mit der Parole „Wir sind keine Wegwerfarbeiter“ hing noch lange in der Halle.  
Der kämpferische Kern der Kollegen bei Daimler Bremen will Festeinstellung aller Leiharbeiter und 600 weiterer Kollegen.  
Die Betriebsratsspitze dagegen verhandelt mit Daimler nur über die Forderung nach Festeinstellung der Leiharbeiter, die über die vom Gesamtbetriebsrat ausgehandelten 8  Prozent der Belegschaft hinausgehen.
Solche Streiks haben wichtige Bedeutung für den Übergang zur Arbeiteroffensive. Die klassenkämpferischen Kräfte müssen diese Verbindung zwischen dem Kampf gegen die Verschärfung der Arbeitshetze und dem Widerstand für die Stilllegung der Atomkraftwerke bewusst fördern. Diese Durchdringung von ökonomischen und politischen Forderungen in den Kämpfen ist eine wichtige Grundlage um sich in Betrieb und Gewerkschaft über die notwendige Stärkung der revolutionären Richtung auseinanderzusetzen.
Aus Berichten von Nachtschichtarbeitern an die „Rote Fahne“ geht hervor, dass bei der Arbeit ständig über die Schlussfolgerungen aus der Atomkatastrophe diskutiert wird, dass etliche Kollegen auf ihren Handys Nachrichten oder von N24-Meldungen runterziehen und ihre Kollegen mit dem neuesten versorgen.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU Bundestagsfraktion Pfeiffer lehnt eine sofortige Stilllegung der Atomkraftwerke ab mit dem demagogischen Argument: „Die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland und damit die Arbeitsplätze müssten gesichert werden …“ (web.de 29. 3. 2011).  
Als ginge es den Monopolen um die Arbeitsplätze? Die buttern sie ihrer Profitgier genauso unter wie die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung. Dagegen muss die Arbeiterbewegung klar Stellung beziehen. Durch eine vorbildliche Bildungs- und Aufklärungsarbeit im Betrieb, besonders in der Gewerkschaft und der Arbeiterjugend, gilt es, die Verharmlosungs- und Desinformationspolitik der bürgerlichen Medien zu durchkreuzen. Ein Arbeitskreis von Siemens-Kollegen aus Berlin hat eine eigene Broschüre zur Verwicklung des Siemens-Konzerns in die Atompolitik herausgegeben. Die überparteiliche bundesweite Bergarbeiterbewegung hat sich seit Jahren mit dem verbreiteten Argument auseinandergesetzt, dass sich der Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze im Steinkohlebergbau angeblich gegen den Klimaschutz richte. Sie konnten differenziert nachweisen, dass Kohle zum Verbrennen viel zu schade ist und als wertvoller Rohstoff heute und vor allem für künftige Generationen genutzt werden muss. Eine wertvolle Hilfe sind die Dossiers der Wissenschaftler der „Bürgerbewegung für Kryo-Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz e.V.“. Sie können bei Vertrauensleuteschulungen und ähnlichen Gelegenheiten verwendet gut werden.
Es gilt die reichhaltigen Erfahrungen für die Auslösung von Kämpfen auch für Kampfmaßnahmen gegen den Atomtod zu nutzen. Dazu gehört auch der Kampf um das politische Streikrecht. Auf verschiedenen Gewerkschaftsversammlungen verabschiedeten Kollegen oder Vertrauensleute Resolutionen zur sofortigen Stilllegung der Atomkraftwerke, wie bei dem Autozulieferer Mann und Hummel in Ludwigsburg, der Jugendversammlung bei Hoesch Hohenlimburg (Hagen) oder Anträge an den Gewerkschaftstag wie bei Ver.di in Tettnang. Dabei gibt es auch heftige Auseinandersetzungen wie bei einer Funktionärskonferenz der IGBCE in Recklinghausen. Dort würgte der Bezirkssekretär mit Hilfe des Mikrofons den Redebeitrag eines  Kollegen ab, der die sofortige Stilllegung aller Kernkraftwerke forderte. Seine Begründung für diesen Vorgang war: die Leitlinie der
IGBCE-Führung sei, den angeblichen „Ausstieg“ der ehemaligen SPD/Grüne-Regierung zu unterstützen.
Um dem aktiven Widerstand zur Stilllegung die nötige Durchschlagskraft zu geben, ist es auch richtig, wenn sich die Arbeiterbewegung bei den großen Demonstrationen gegen die Atomkraft positioniert, so wie die Vertrauensleuteleitung bei ThyssenKrupp Stahl in Duisburg zu der Demonstration am letzten Samstag in Köln aufrief. Genauso ist nötig, dass die Anti-AKW-Bewegung Vorbehalte gegenüber Industriearbeitern überwindet, und z. B. selbst Aktionen vor den Toren wichtiger Betriebe macht und sich am 1. Mai beteiligt.
Die Arbeiterbewegung muss ihre Forderungen zum Schutz der natürlichen Umwelt und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze auf Kosten der Profite als unzertrennliche Einheit vertreten und durchkämpfen.
Der 26. April als der 25. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl ist ein angemessener Anlass, dass die Arbeiter in den Betrieben mit Pausenversammlungen, Aktionen an den Toren oder Arbeitsniederlegungen ihre Kraft demonstrieren.  

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