Super-GAU wird zur akuten Gefahr für Millionen

25.03.11 - "Wir haben es jetzt mit dem Super-GAU zu tun. Die Vergleiche mit Tschernobyl werden ernst. Weitere Evakuierungsmaßnahmen sind dringend erforderlich." Diese dramatische Einschätzung traf Dr. Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V., am 22. März.

Messungen der IAEA (Internationale Atomenergie-Agentur) ergaben Werte der radioaktiven Strahlung zwischen 200.000 und 900.000 Bequerel im Umkreis des japanischen Reaktorkomplexes Fukushima I. Das liegt in der Größenordnung dessen, was auch in der näheren Umgebung Tschernobyls nach der Katastrophe von 1986 gemessen wurde. Die Ereignisse der letzten Tage untermauern die Befürchtung, die die MLPD bereits am 13. März äußerte:

Die Kernschmelze ist nicht mehr aufzuhalten

In den Containments der Reaktorblöcke herrscht nach den IAEO-Angaben eine Strahlenhölle. Die Werte von bis zu 60,5 Sievert pro Stunde liegen beim 220-Millionenfachen der natürlichen Hintergrundstrahlung. Das aus dem Kern des Reaktors 3 ausgelaufene Wasser hat nach Angaben der Betreiberfirma Tepco eine 10.000-fach erhöhte Radioaktivität. Das deutet darauf hin, dass die dort eingesetzten MOX-Brennstäbe beschädigt sind. Sie enthalten einen erhöhten Anteil von Plutonium. Schon 20 Milligramm des Ultragifts können einen Menschen töten. Ein mit Plutonium verseuchtes Gebiet ist auf Dauer unbewohnbar. In den mit Meerwasser besprühten Reaktoren haben sich mittlerweile Tonnen von Salz angesammelt, die die Brennstäbe verkrusten und eine weitere Kühlung vollends unmöglich machen.

Die Auswirkungen auf die Umwelt werden immer dramatischer. Das Meerwasser vor Fukushima ist verseucht, das Gemüse aus der ganzen Region kann nicht mehr gegessen werden und im Trinkwasser werden bis nach Tokio bedrohlich erhöhte Werte an Radioaktivität gemessen. Doch Japans Regierungschef sieht immer noch keine Notwendigkeit, der Weltöffentlichkeit endlich reinen Wein einzuschenken. Zahlreiche Rettungskräfte werden in Fukushima in den sicheren Tod geschickt. Und die Betreiberfirma hat noch die Stirn, den durch radioaktives Wasser lebensgefährlich verletzten Arbeitern die Schuld für ihre Kontamination in die Schuhe zu schieben. Eine menschenverachtende, verbrecherische Spurenverwischung!

Bisher haben die japanische Regierung und die Betreiberfirma die Menschen im Land mit einer systematischen Desinformationskampagne verunsichert. Jetzt wächst die Angst. Doch - wie Heinrich Heine es einmal ausdrückte - "Angst ist bei Gefahr das Gefährlichste", wenn sie in Panik oder individuelle Rettungsversuche treibt. Beides wäre ausweg- und perspektivlos. Das Gebot der Stunde liegt in entschlossenem, international koordiniertem Kampf, Handeln und unverbrüchlicher Solidarität:

Aktiver Widerstand - jetzt!

1. Sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke - weltweit!
2. Umgehende großflächige Evakuierung der Bevölkerung!
3. Kinder und Schwangere müssen unverzüglich außer Landes gebracht werden!

Auch wenn es menschenunmöglich erscheint, muss alles daran gesetzt werden, so viele Menschen wie möglich vor der ungebremsten Wirkung der Katastrophe zu schützen.

Die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke ist angesichts der riesigen weltweiten Überkapazitäten der Stromerzeugung technisch ohne Weiteres möglich. Argumenten sind die Profiteure der Atomkraftwerke und imperialistischen Politiker nicht zugänglich. Auch angesichts der Katastrophe setzen sie ihren unverfroreren Betrug fort, als seien sie die größten "Umweltschützer". Das von der Bundeskanzlerin verkündete "Moratorium" für Alt-AKW´s ist nichts als Lug und Trug. Kaum fühlte sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle im Beisein hochrangiger Konzernchefs auf "sicherem Terrain", plapperte er die Wahrheit des wahltaktischen Manövers aus. Jetzt hat die Regierung ein Problem mehr - und die Bundesvereinigung der Deutschen Industriellen (BDI) einen Hauptgeschäftsführer weniger. Herr Schnappauf nahm den Hut – wegen Verantwortung für die "Indiskretion" (nicht etwa wegen einer Falschmeldung)!

 

Drei Gesichter eines verbrecherischen Systems

 

  • In Japan entfaltet sich der Super-GAU, weil der Imperialismus für Maximalprofite auch über Leichen geht.
  • Mit Bombenangriffen auf Libyen will die NATO die Vorherrschaft über Libyen und die ölreiche Region mit aller Gewalt durchsetzen.
  • Der EU-Gipfel von Brüssel beschloss einen Generalangriff auf die Arbeiter und breiten Massen in ganz Europa, um die gigantischen Summen des Euro-Rettungsschirms - einem Garantiekonto für Banken und Konzerne - aufzubringen.

Der Imperialismus existiert nur noch in Krisen. Das soll die Zukunft sein?

Massendiskussion über eine revolutionäre Alternative

Mahnwachen und Menschenketten reichen nicht aus, um gegen diese menschenverachtenden Konzerne und Regierungen etwas auszurichten. Es muss eine überlegene international stärkere Kraft entstehen, beginnend mit dem aktiven Widerstand gegen Atomtod und Klimakatastrophe. Ein erster Schritt muss ein weltweiter Aktionstag am 26. April, dem 25. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl, sein. Die enge gegenseitige Koordinierung der Revolutionäre auf der Welt hat sich die im Oktober 2010 gegründete ICOR ("Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen") zur Aufgabe gestellt, in der auch die MLPD Mitglied ist.

Entfalten wir die Massendiskussion über eine revolutionäre Alternative zum maroden Kapitalismus, den echten Sozialismus! Wer nach einer klaren Orientierung dafür sucht, der findet sie in dem neuen Buch "Mörgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" von Stefan Engel. Zur Herausbildung einer neuen welthistorischen Situation heißt es darin optimistisch: "Eine Situation, in der die Menschheit nicht mehr zurück kann, sondern vorwärts muss! Eine welthistorische Entwicklung, an deren Ende nur die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung stehen kann, wenn nicht die ganze Welt in der Barbarei untergehen soll." (S. 19)

(Hier der Artikel als Flugblatt-Vorlage im pdf-Format)

(Termine der Großdemonstrationen am Samstag)

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