„Ich will vieles anders als meine Eltern machen …“

Der Jugendverband REBELL interviewte in Stuttgart 60 Mädels und junge Frauen

Stuttgarter Rebellen haben eine Umfrage auf der Straße unter Mädchen und jungen Frauen gemacht. Sie wollten herausfinden, wie sie ihre gesellschaftliche Rolle als Frau beurteilen, und mit ihnen über die Aufgabe der Befreiung der Frau sprechen. Hier ein kleiner Ausschnitt aus den interessanten Antworten:

Dass Frauen im Schnitt immer noch 24 Prozent weniger verdienen, finden alle ungerecht und meinen auch, dass das geändert werden muss. Maria, 25 Jahre, kritisiert aber die Vorstellung, das zu lösen, indem jetzt alle Frauen Karriere machen:
„Die meisten Berufe werden immer noch als Männersache angesehen, aber viele Frauen wollen da jetzt mit ins ,Business‘
einsteigen. Viele soziale Berufe sind sch.... bezahlt, z.B. in der Pflege, und da ist Personalmangel. Also, ich finde, man sollte lieber schauen, dass die Frauen besser verdienen, z. B. einen Mindestlohn einführen, als dass alle Frauen jetzt ins Business gehen wollen.“
Viele der Befragten äußerten sich kritisch über die traditionelle Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern im täglichen Leben, wie sie diese von ihren Eltern mitbekommen haben. Eine typische Antwort ist die von Lisa, 20 Jahre, Schreiner-Lehrling: „Die Rollenverteilung war früher so Brauch und da haben es die Frauen akzeptiert. Viele sind ja ganz zufrieden als Hausfrau und Mutter.“ Oder von drei jungen Arbeiterinnen bei Ford: „Das ist gar nicht mehr so krass, auch Männer nehmen Elternzeit. In Deutschland ist es nicht automatisch so, dass Frauen nur für die Familie zuständig sind. Es kommt auch drauf an, wer mehr verdient, wer zu Hause bleibt. Ich will aber, wenn ich eine Familie habe, auch nicht vom Mann finanziell abhängig sein. Beide sollten Geld verdienen, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Die Frauen sind aber auch selber Schuld dran, erstens, wenn sie das mitmachen, dass sie immer den Haushalt schmeißen, und zweitens, wenn die Mütter das auch so an ihre Kinder weitergeben. Meine Mutter hat mir alles beigebracht, was mit Haushalt zu tun hat. Damit hatte mein Vater nichts zu tun.“
Die befragten jungen Frauen und Mädchen haben selbst alle noch keine eigene Familie und sind der Zerreißprobe von Beruf, Familie und Kindererziehung konkret noch nicht ausgesetzt und der Meinung, sie lassen das später nicht mit sich machen. Typisch war die Einstellung, „ich will vieles anders als meine Eltern machen“.
Die jungen Frauen und Mädchen sind sehr aufgeschlossen gegenüber unseren Interviews. Einen großen Raum in den Gesprächen nimmt das Thema Sexismus ein, aber erst, nachdem es durch unsere Fragen angestoßen wurde. Vielen fällt gar nicht mehr auf, wie der Sexismus im Alltag verbreitet wird. Lisa bedankt sich, dass wir sie zum Nachdenken angeregt haben:
„Ja, die ,Standardfrauen‘, wie sie vorgegeben werden, sind schon ein Problem. Mich stört das auch bei meinen Freundinnen. Wenn sie diesem Ideal nachstreben, dann wird die Beziehung oberflächlich. Es ist nur noch Small Talk, man muss immer gut drauf sein usw. Dagegen könnte man versuchen, die unterschiedlichsten Frauen zusammenzubringen. Ich werde mit meinen Freundinnen darüber sprechen und noch mehr darüber nachdenken.“ Kia und Steffi, 22 Jahre, Gewerkschafterinnen, berichten: „Das Problem ist der Versuch, cool zu sein. Am Band ist das Alltag. Meine Freundin z. B. arbeitet bei BMW. Sie ist die einzige Frau in der Abteilung. Da kommen so Sprüche wie ,du bist flachlegenswert‘ und so. Wenn man sich dagegen wehrt, ist man uncool. Der Kampf gegen Sexismus muss im Kopf passieren. Das fängt im Freundeskreis an, am Biertisch, bei der Arbeit. Wenn man es duldet, dass solche Sprüche fallen, das liegt, glaub’ ich, ganz viel an einem selbst. Man muss es verändern durch kluge Auseinandersetzung mit den Menschen, die so etwas sagen, ihnen bewusst machen, was sie da eigentlich sagen.“
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