Guttbye!

Bühnenreif, dieser Abgang im Berliner Verteidigungsministerium. Wo er den wohl abgekupfert hat? A la preußischer Offizier im Kaiserreich, der Spielschulden oder andere Schande auf sich geladen hatte? Wobei es in solchen Fällen mit einem Rücktritt gemeinhin nicht getan war …

Die Sache mit dem Doktor hat der CSU-Star ganz offenbar missverstanden. Frau Merkel wollte doch gar keinen wissenschaftlichen Assistenten! Auch Seehofer, Söder und Ramsauer, denen die oberfränkische Lichtgestalt vom Schloss Guttenberg neue Hoffnung auf wieder steigende Umfragewerte gegeben hatte, hätten ihn jederzeit auch ohne Titel genommen – hatte er doch zahlreiche andere Werte und Referenzen, die ihn als Politiker qualifizierten. Ein kurzzeitiges Praktikum war in seinem Lebenslauf zur „beruflichen Station in New York“ angeschwollen. Und zum Wirtschaftsminister fühlte er sich berufen, weil er durch „Vermögensverwaltung im eigenen Familienbetrieb Erfahrung gesammelt“ habe. Eckart Lohse und Markus Wehner, beide promovierte (!) Historiker und FAZ-Redakteure, enthüllen in ihrem jetzt erschienenen Buch „Guttenberg. Biographie“ auch dieses Windei: das Guttenbergsche Familienvermögen verwaltet ein jüngerer Bruder, und um die deutsche Erbschaftssteuer zu sparen, ist es in einer österreichischen Stiftung untergebracht.
Auch jetzt hätten sie ihn noch behalten, in der Regierung, als Kriegsminister, als gekürten Kanzlerkandidaten – und am liebsten hätten sie sicher das Guttenplag-Wiki abgeschaltet. Die Statistik dort lautete am 1. März 2011 um 15.05 Uhr: „Auf 324 der 393 Seiten der Dissertation wurden bisher plagiierte Stellen gefunden. Dies entspricht 82,44 %. Es sind nun 891 Plagiatfragmente aus über 120 verschiedenen Quellen mit zusammen 8.061 von insgesamt 16.325 Zeilen der Arbeit dokumentiert.“
Über den Protest Zehntausender Wissenschaftler, Studenten, Doktoranden und vieler anderer Menschen konnte sich Angela Merkel schließlich nicht mehr hinwegsetzen und musste – ausgerechnet – bei der Cebit-Eröffnung mit Guttenberg den Rückzug vereinbaren. Stabiler ist ihre Regierung und das parlamentarische Betrugssystem dadurch nicht geworden.
Es ist schon bezeichnend für den Zustand der Merkel/Westerwelle-Regierung, dass ein derartiger Heuchler und Blender zur Zukunftshoffnung aufgeblasen wird. Selbst im Abgang ist er unfähig, auch nur ein Wort der Selbstkritik vorzubringen. Zu Recht protestiert der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Michael Konken, gegen die Beschimpfung der Medien durch Guttenberg. „Den Medien die Schuld für sein Fehlverhalten in die Schuhe schieben zu wollen, ist perfide.“
In einem aber hat er Recht, der Lügenbaron: In erster Linie war er Kriegsminister. Er steht nicht nur für Lug und Trug beim Ergaunern eines akademischen Titels, sondern vor allem für die reaktionäre Politik und in Misskredit geratene Politik des deutschen Imperialismus: Aufstandsbekämpfung in Afghanistan, Umstrukturierung der Bundeswehr zur Berufs- und Freiwilligenarmee, Militarisierung der Gesellschaft.

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