„Es geht um das ganze System …“

Interview mit einem Vertreter der PCOT (Kommunistische Arbeiterpartei Tunesiens)

Zehn Tage steigerten sich die Massenaktionen in Tunis und in weiteren Städten. Am 25. Februar waren Hunderttausende auf den Straßen und forderten den Rücktritt der Übergangsregierung, da diese in Wirklichkeit die alten Strukturen erhalten will. Jung und Alt, Frauen und Männer verschiedenster Berufe, in jeder Stadt, in fast jedem Ort sind die Menschen auf die Straße gegangen. Militär schoss in Tunis in die Menge. Dort gab es stundenlange Gefechte mit Barrikaden und wieder vier Tote. Die Demonstranten kämpften todesmutig und blieben auch danach auf den Straßen. Am 27. Februar, sechs Wochen nach Ben Alis Sturz, trat Mohammed Ghannouchi, Premier der Übergangsregierung und enger Gefolgsmann Ben Alis, zurück. Die „Rote Fahne“ sprach darüber mit einem Vertreter der PCOT (Kommunistische Arbeiterpartei Tunesiens).

Wie geht die Organisierung der Bevölkerung weiter, damit sie ihre Interessen durchsetzen kann?

Volkskomitees gibt es jetzt in fast jeder Stadt. Es sind Komitees, um die Revolution zu unterstützen. In ihnen sind alle politischen Richtungen, verschiedene Verbände, Gewerkschaften, Vertreter des Rechtsanwalts- und Richterverbands, Jugendverbände usw. vertreten. Sie fordern eine Übergangsregierung, die vom Volk gewählt wird. Wir möchten
eine unabhängige Übergangsregierung, die nicht die Interessen der USA und der EU vertritt sondern sich nach den Interessen der einfachen Bevölkerung richtet. EU und USA sollen uns in Ruhe lassen.
Die „Front des 14. Januar“ (genannt nach dem Tag des Sturzes von Ben Ali – Anm. der Red.) mit den Komitees für die Unterstützung der Revolution können die Rolle einer wirklichen Übergangsregierung übernehmen. Aber sie versuchen immer nur einen Minister auszutauschen, um wieder Luft für ein bis anderthalb Monate zu haben.

Was hältst du von Guido Westerwelles Angebot einer „Hilfe für die Demokratisierung“?

Die westlichen kapitalistischen Staaten haben vor der Revolution Ben Ali und die Kapitalisten in Tunesien unterstützt. Jetzt wollen sie uns um die Revolution betrügen und unterstützen die Übergangsregierung. Sie sehen, dass Tunesien nicht weit entfernt ist von Frankreich, Italien, Spanien, Algerien und sagen: Wenn der revolutionäre Wind weiter weht, kann sich etwas ändern. Deswegen versuchen die westlichen Regierungen mit allen Mitteln, diesen Wind zu stoppen. Sie wollen, dass es bei einer Regierungsänderung bleibt, ohne wirtschaftliche und soziale Änderung.

Welche Art Demokratie ist euer Ziel?

Wir wollen eine antiimperialistische Demokratie, eine nationale Wirtschaft und einen demokratischen Staat mit einer Perspektive des Sozialismus. Das Parlament soll dazu dienen, dass die verschiedenen Parteien, die Ideologien, diskutiert werden können unter den Massen.
Das Volk will eine politische Änderung. Es geht nicht um Ben Ali und seine Leute. Nein, es geht um das ganze System. Diese Gedanken haben sich seit Jahresbeginn unter der Bevölkerung gut verankert.
Die PCOT muss jetzt ihre Rolle spielen, dass wir den Kampf weiter führen und den Widerstand der Massen stärken, dass die Menschen fühlen, dass es eine Partei gibt, die für ihre Interessen kämpft.

Vielen Dank für das Interview. Viel Erfolg im weiteren Kampf!

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