„Entweder der Kapitalismus stirbt oder die Mutter Erde“*

„Die Menschheit befindet sich vor einer großen Entscheidungsfrage: den Weg des Kapitalismus, der Plünderung und des Todes fortzusetzen oder den Weg der Harmonie mit der Natur und der Achtung vor dem Leben einzuschlagen“.

So heißt es in der Erklärung der „Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde“, die im April 2010 in Cochabamba/Bolivien stattfand.

Über 35.000 Teilnehmer aus 140 Ländern, darunter beeindruckend viele Arbeiter und einfache Bauern, haben dort drei Tage lang über dieses
Dokument diskutiert (s. S. 8/9). Das war eine offensive Antwort auf das Desaster der UN-Weltklimakonferenz von Kopenhagen im Dezember 2009.
Der „Geist von Cochabamba“ – ein wichtiger Keim des notwendigen Aufbaus einer internationalen Widerstandsfront gegen die Umweltzerstörung:
Von Cochabamba geht ein klares Gegensignal aus gegen die imperialistischen „Umweltkonferenzen“, die den verheerenden Trend der Zerstörung der Lebensgrundlagen nicht antasten. Cochabamba orientiert auf den internationalistischen Zusammenschluss der Massen. Unverzichtbar ist dabei der untrennbare Zusammenhang mit dem antiimperialistischen Kampf und dem Kampf für den Sozialismus – die Systemfrage muss in der kämpferischen Umweltbewegung offensiv behandelt werden!

Sprunghafte Entwicklungen
Die große Sorge der Mehrheit der weltweiten Bevölkerung um die Zukunft der Erde und der Menschheit ist berechtigt: Überall mehren sich Ereignisse, die einen seit den 1990er Jahren beschleunigten Übergang in eine globale Umweltkatastrophe signalisieren. Auch im neuen Jahr setzte sich dies ungebremst fort.
• Die australische Katastrophenschutzbehörde teilte am 22. Januar mit, dass durch weitere rekordartige Regenfälle mit der Überflutung bis zu zehn weiterer Städte gerechnet wird und die großflächigen Überschwemmungen noch bis Februar andauern können.
• Durch die bisher stärksten in Brasilien aufgezeichneten Regenfälle wurde eine ganze Region in der Nähe von Rio de Janeiro überschwemmt und von Schlammlawinen regelrecht niedergewalzt – über 800 Tote! Auch gigantische Profitprojekte wie z. B. ein Mega-Staudamm bei Belo Mone auf Betreiben des Strom-Multis Eletronorte tragen dazu bei, wogegen sich bereits Massenproteste richten.
• Unberechenbare Hochwasserstände werden auch in Deutschland inzwischen zur Regel – der bisherige Verlauf des Winters mit ungewöhnlich heftigen Schneefällen ließ viele Menschen spüren, dass das Klima aus den Fugen gerät.
Extreme Wetterlagen mit Hitze, Kälte und Überschwemmungen zeigen, dass ein dramatischer Prozess eingeleitet ist, der bereits jetzt weltweit jährlich zirka 300.000 Todesopfer, 50 Millionen Klimaflüchtlinge, Krankheiten und Elend hervorruft.
Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steigt an. Auf zwei bedeutende, sich gegenseitig verstärkende Rückkopplungen bei der Erderwärmung weist ein Korrespondent hin. Das sind „… einmal die ehemaligen Permanentfrostgebiete, z. B. Sibiriens und Alaskas, wo durch das längere und tiefere Auftauen der Böden derzeit nicht messbare Mengen von CO2 und Methan in die Atmosphäre gelangen; und zum Zweiten die sprunghaft abnehmende Nordpoleisfläche, welche durch die verminderte Wirkung des sogenannten ,Albedo-Effektes‘ direkt physikalisch zur Erderwärmung beiträgt: Eis reflektiert 90 Prozent der einfallenden Sonnenstrahlung zurück ins Weltall, Wasser jedoch nur 10  Prozent!“
Solche Prozesse dauern Jahrzehnte, bevor sie in ihrer ganzen Dramatik wirksam werden. Was wir derzeit erleben, ist deshalb nur ein „sanfter Hauch“ des Sturmes, der über die Erde fegen wird, wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird!


Angeklagt – das kapitalistische System!
Schon Karl Marx hat darauf hingewiesen, dass der Kapitalismus mit Umweltzerstörung verbunden ist. Die MLPD analysierte 1984 in ihrem theoretischen Organ REVOLUTIONÄRER WEG 23, dass sich eine Umweltkrise entwickelt hatte: „Von einer Umweltkrise sprechen wir dann, wenn diese Veränderungen der natürlichen Umwelt durch den Menschen in eine beschleunigte, alle grundlegenden Lebensbedingungen des menschlichen Lebens berührende Phase der Zerstörung von Boden, Wasser, Luft, Flora und Fauna übergehen.“ (S. 180)
Inzwischen hat sich die Situation dramatisch verschärft. Dazu der MLPD-Vorsitzende Stefan Engel im Interview mit der „Roten Fahne“ vom 23. 12. 2010: „Auf der heutigen Stufe des Kapitalismus, der Neuorganisation der internationalen Produktion, hat sich die Zerstörung der Umwelt von einer Begleiterscheinung zu einer neuen gesetzmäßigen Erscheinung des Imperialismus umgewandelt. Das heißt, dass heute die Zerstörung der Umwelt untrennbar mit der gesamten kapitalistischen Produktions- und Verteilungsweise durchdrungen ist“. Und weiter: „Dieses Problem kann nur gelöst werden, wenn der Imperialismus beseitigt und durch den Sozialismus ersetzt wird.“
Die Jagd der internationalen Monopole nach einer weltmarktbeherrschenden Stellung zur Erzielung eines schnellen Maximalprofits führt heute „zu einer chronischen Überakkumulation des Kapitals, weil die Märkte mit dem Wachstum des Kapitals nicht mithielten … Der schreiende Gegensatz zwischen wachsender Produktivität und völliger Unfähigkeit beziehungsweise Desinteresse der Kapitalisten, sie zum Nutzen der Menschheit einzusetzen, kennzeichnet die außerordentliche Fäulnis und Zersetzung der imperialistischen Produktionsweise.“ („Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen“, S. 24)
Im Rahmen internationaler Produktionsverbünde und Lieferketten werden so z. B. mit einem immensen Transportaufwand und Emission von Schadstoffen Produktionsteile, Waren und Lebensmittel teils mehrfach um den ganzen Erball gejagt; oder es wird die Vergeudung von Energie und Bodenschätzen auf die Spitze getrieben. Das ruiniert und zerstört die Lebensgrundlagen ganzer Völker in ausnahmslos allen Ländern.

Der imperialistische Ökologismus
Wir haben es nicht mit einem „Klimawandel“ zu tun, wie es oft vorgegaukelt wird. Wenn die Bundesregierung nicht müde wird, den angeblichen „Erfolg von Cancun“ zu beschwören, wenn sie ihre Klimapolitik als „vorbildlich“ hinstellt – dann wird das Problem massiv verharmlost! Der imperialistische Ökologismus der Herrschenden zielt nicht auf die Rettung der Umwelt, sondern missbraucht schamlos die große Sorge wegen des Zustands der Erde, um die Lasten auf die Konkurrenten, auf die unterentwickelten Länder, auf die Massen abzuladen.
Dem jüngsten UN-Umweltgipfel-Theater von Cancun/Mexiko Ende 2010 machte die bolivianische Regierung allerdings durch den mutigen und unbeugsamen Auftritt ihrer Delegation einen Strich durch die Rechnung. Der Präsident Boliviens, Evo Morales, kritisierte die völlig unverbindlichen Absichtserklärungen von Cancun. Darin wurde unter anderem das Ziel festgehalten, die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen. Morales: „Gegenwärtig haben wir bei 0,8 Grad Anstieg schon sehr ernste Probleme in der Welt.“ Er forderte unter anderem eine sofortige umfassende Reduktion der Emissionen der Hauptverursacherländer um 50 Prozent und die Bezahlung der Klimaschäden durch die Verursacher. Unter Beugung der UN-Charta wurde das Veto von Bolivien nur „im Protokoll vermerkt“.

Eine internationale Widerstandsfront aufbauen!
Es führt kein Weg daran vorbei: Soll die Erde vor dem Untergang bewahrt werden, muss ernsthaft am Aufbau einer internationalen Widerstandsfront zur Rettung der Umwelt vor der Profitgier gearbeitet werden. Die MLPD unterstützt dies von ganzem Herzen. Die Unterschätzung der Umweltfrage muss in der Arbeiter- und revolutionären Bewegung überwunden werden, die Widerstandsfront muss eine wesentlich größere Breite bekommen.
Ein wichtiger Schritt zur Entwicklung eines koordinierten internationalen aktiven Widerstands ist die Verpflichtung der Weltorganisation ICOR (Internationale Koordinierung revolutionärer Organisationen und Parteien) zur Durchführung jährlicher internationaler Kampftage zur Rettung der natürlichen Umwelt.
Wichtig ist auch, überparteiliche Initiativen zur Rettung der Umwelt weiter zu fördern. In diesem Zusammenhang wird der in Bottrop stattfindende 2. Internationale Umweltratschlag am 8./9. Oktober eine größere Bedeutung bekommen (www.umweltratschlag.de).
Die weltweite Umweltkatastrophe ist kein unabänderliches Schicksal, auch wenn heute schon irreversible Zerstörungen zu verzeichnen sind. Es ist noch nicht zu spät, die Umwelt zu retten! Das erfordert allerdings, dass sich der aktive Widerstand zur Rettung der Umwelt immer stärker mit dem Klassenkampf und dem Kampf für den Sozialismus durchdringt.
Mitglied in der revolutionären Arbeiterpartei MLPD oder ihrem Jugendverband REBELL zu werden, ist deshalb auch im Sinne der Rettung der Umwelt vor der Profitgier der richtige Schritt!

 

(* Evo Morales auf der Weltkonferenz der Völker in Cochabamba)

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