Redebeitrag der MLPD auf der internationalen Gedenkfeier in Buchenwald

Am 5. August fand vor dem Glockenturm beim ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald eine internationale und antifaschistische Gedenkfeier statt. Klaus Wallenstein sprach dort für das Zentralkomitee der MLPD:

Liebe Freundinnen und Freunde,

Liebe Genossinnen und Genossen, werte Antifaschisten,

es ist mir eine große Ehre, heute für die MLPD an diesem geschichtsträchtigen Ort zu euch und ihnen sprechen zu dürfen.

Hier im Konzentrationslager Buchenwald wurden eine viertel Million Menschen vom Hitler-Faschismus inhaftiert, versklavt, gequält - 51.000 wurden ermordet.

Hier im Konzentrationslager Buchenwald haben sich vor 62 Jahren die Häftlinge am 11. April 1945 aus eigener Kraft von ihren faschistischen Folterknechten befreit. Knapp einen Monat später mussten die deutschen Faschisten am 8. Mai 1945 bedingungslos vor der Anti-Hitler-Koalition kapitulieren.

Im Auftrag des deutschen Imperialismus entfesselte der Hitler-Faschismus 1939 den II. Weltkrieg. Die faschistische Ideologie vom „Volk ohne Raum", das Kolonien und Land im Osten, in Polen und in der Ukraine braucht, entsprach der Gier der deutschen Monopole nach Rohstoffen und Einflussgebieten.

So war der deutsche Imperialismus von Anfang an auf einen Krieg gegen die damals sozialistische Sowjetunion ausgerichtet. 55 Millionen Tote, zerstörte Städte und Dörfer, verwüstetes Land, Millionen Flüchtlinge, unvorstellbares Elend, jahrelanger Hunger waren die schrecklichen Folgen.

Es hat sich tief und unauslöschlich in das Bewusstsein der Arbeiter und breiten Massen in Deutschland eingegraben, dass so etwas nie wieder geschehen darf!

Die Häftlinge, die sich in Buchenwald unter der Bedingung der näherrückenden US-Armee befreiten, kamen aus 50 verschiedenen Ländern. Die 18 Länder, aus denen die meisten Häftlinge stammten, werden durch die 18 Säulen geehrt, die wir auf unserem Weg hierher passiert haben. Die Plastik von Fritz Cremer, vor der wir hier stehen, ist dem Widerstandskampf im Lager gewidmet.

Die Selbstbefreiung der Häftlinge in Buchenwald ist einmalig in einem Konzentrationslager auf deutschem Boden. Vorausgegangen war dem ein jahrelanger systematischer, illegaler, hoch organisierter Widerstand unter kompliziertesten Bedingungen und ständiger Todesbedrohung.

Die organisierten Antifaschisten unter den Häftlingen leisteten unter Führung eines streng verdeckt arbeitenden internationalen Lagerkomitees Sabotage in der Rüstungsindustrie, sie schmuggelten Waffen in das Lager, retteten Häftlinge vor dem sicheren Tod, wo immer dies möglich war, leisteten gegenseitige Solidarität, organisierten politische und kulturelle Bildung und retteten Zehntausenden das Leben.

Sie bauten eine internationale Militärorganisation mit 900 teilweise bewaffneten Kämpfern auf. Dieser Widerstand wurde wesentlich getragen und geführt von Genossinnen und Genossen von kommunistischen Parteien aus 11 Ländern.

Es war ein internationaler Widerstand. Er wurde auch als Kleine Internationale bezeichnet - in Anlehnung an die Kommunistische Internationale, die damals den Zusammenschluss der kommunistischen Parteien rund um den Erdball organisierte.

Am 18. August 1944 wurde hier in Buchenwald der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands, Ernst Thälmann, auf den persönlichen Befehl Hitlers ermordet. Es ist uns eine große Ehre, hier unsere Wurzeln und unsere Verbundenheit mit der revolutionären Tradition der deutschen Arbeiterbewegung zum Ausdruck zu bringen.

Wir sind stolz darauf, heute unsere Feier mit so vielen internationalen Gästen begehen zu können, mit denen uns das starke Band des antifaschistischen Kampfes und des proletarischen Internationalismus verbindet.

In den 30er Jahren war unter dem Industrieproletariat der Wille gereift, auch in Deutschland eine sozialistische Gesellschaftsordnung nach dem Vorbild der Sowjetunion zu erkämpfen. Die Hitler-Faschisten hatten bei den Wahlen 1932 ihren Zenit überschritten und die KPD bekam immer größeren Masseneinfluss.

In dieser Situation bedienten sich die Monopole Hitlers, der ihnen 1932 im Industrieclub in Düsseldorf u.a. verkündet hatte, er wolle "den Marxismus bis zur letzten Wurzel in Deutschland ausrotten...!"

Die Monopole hatten sich schon seit 1922 als Geldgeber der Nazis betätigt. Der Zentralausschuss der Unternehmerverbände richtete eine besondere „Adolf-Hitler Spende" ein, in die jedes Mitgliedsunternehmen einen bestimmten Prozentsatz der Lohn- und Gehaltssumme einsetzen musste.

Leiter dieser Stiftung war Alfred Krupp. Heute gehört Thyssen-Krupp zu den führenden Stahlmonopolen der Welt. 1933 erhielt die NSDAP allein von den IG-Farben knapp 4 Millionen Reichsmark an Unterstützung. Die IG-Farben war damals ein Kartell der führenden deutschen Chemiemonopole. Sie arbeiteten eng mit der SS zusammen, die ihnen KZ-Häftlinge zur „Vernichtung" durch Arbeit in ihren Fabriken überließ.

Zugleich kauften ihnen die Faschisten für Traumprofite ein Gas mit Namen Zyklon-B ab. Damit wurden Millionen Juden unter anderem in Auschwitz vergast! Die heutigen internationalen Übermonopole BASF und Bayer-Leverkusen sind aus der IG-Farben hervor gegangen.

Sie versäumen es bis heute nicht, einem ehemaligen Chef der IG-Farben zum Todestag einen Kranz nieder zu legen. Der Faschismus ist nichts anderes als die aggressivste, reaktionärste Herrschaftsform des Imperialismus.

Er richtet sich v.a. gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und den Sozialismus! Im Kampf gegen den Faschismus hatte die Sowjetunion allein 27 Millionen Tote zu beklagen.

Im Kampf gegen den Faschismus wurden insbesondere von den Kommunisten, aber auch Sozialdemokraten und Christen unendliche Opfer gebracht. Systematisch wurde die Arbeiterbewegung Deutschlands ihrer revolutionären Führung beraubt, was nach dem II. Weltkrieg bis heute seine schmerzlichen Auswirkungen hat.

Es ist eine bewusste Geschichtsfälschung der bürgerlichen Geschichtsschreibung, wenn sie behauptet, der Faschismus habe sich hauptsächlich gegen die Juden gerichtet und das deutsche Volk hätte kollektiv den Hitlerfaschismus zu verantworten.

Wenn die Fassade der bürgerlichen Demokratie nicht mehr aufrecht zu erhalten ist, dann greifen die Monopole zur offen terroristischen Herrschaftsmethode.

Seine Massenbasis - die der Faschismus im Gegensatz zur Militärdiktatur tatsächlich besitzt - hatte der Hitlerfaschismus nicht unter den Arbeitern, sondern sie beruhte auf den kleinbürgerlichen Zwischenschichten und dem Lumpenproletariat.

Die Errichtung der faschistischen Diktatur war dennoch die größte Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung. Die Hauptverantwortung für die Spaltung der deutschen Arbeiterklasse trägt zweifellos die damalige Führung der SPD. Sie nahm gegenüber den Faschisten eine Abwartehaltung ein, hetzte gegen die Sowjetunion und die KPD.

Aber auch von der Kommunistischen Internationale gingen mit der Sozialfaschismustheorie folgenreiche Fehler aus. Dazu schreibt Willi Dickhut, Vordenker und Mitbegründer der MLPD, der selbst KZ-Häftling im Konzentrationslager Börgermoor war und schwere Folter erleiden musste:

„Die Diffamierung aller Sozialdemokraten als Sozialfaschisten zerstörte bestehende Kontakte zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten und verhinderte die Schaffung einer proletarischen Einheitsfront, die als starkes Rückgrat einer breiten antifaschistischen Aktionseinheit die Machtübernahme Hitlers hätte verhindern können."

Vielen kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter wurden diese Fehler erst schmerzlich bewusst, als sie sich gemeinsam im Konzentrationslager wieder fanden. Heute versuchen Neofaschisten wieder ihre demagogische Propaganda zu verbreiten und Einfluss zu gewinnen.

Die Herrschenden geben ihnen Spielraum, ihre Stoßtrupps gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und ihre Partei aufzubauen. Aber wo sich heute fünf Faschisten in der Öffentlichkeit zeigen, sehen sie sich mindestens 500 antifaschistischen Demonstranten gegenüber.

Seit ihrer Parteigründung fordert die MLPD das Verbot aller faschistischen Organisationen.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten - hat die wachsende Resonanz auf diese Forderung aufgegriffen: innerhalb weniger Monate wurden in Deutschland 100.000 Unterschriften für das Verbot der NPD gesammelt. Das zeigt das tiefe antifaschistische Bewusstsein der Arbeiter und breiten Massen in Deutschland.

Die zentrale Schwäche des bürgerlichen Antifaschismus ist seine antikommunistische Grundhaltung. Sie geht sogar so weit, den Sozialismus mit dem Faschismus gleich zu setzen.  Ich erinnere daran: es war das sowjetische Volk, das unter Führung Stalins „Hitler das Genick gebrochen" hat, wie dies Ernst Thälmann voraus gesagt hatte.

Der Antikommunismus spaltet und schadet dem gemeinsamen antifaschistischen Kampf. So fordert das Thüringer Stiftungsgesetz für Buchenwald ausdrücklich die Einbeziehung der »Geschichte des sowjetischen Internierungslagers« in die Gedenkstätte.

In diesem Lager wurden von der Anti-Hitler-Koalition nach dem Krieg faschistische Kriegsverbrecher und Funktionäre interniert. Hier wird Geschichte gefälscht, werden Täter zu Opfern gemacht - ein Schlag ins Gesicht aller Opfer des Faschismus und des antifaschistischen Kampfes!

Wirksam war der Antifaschismus bürgerlicher Kreise immer dann, wenn er in enger Verbindung mit dem kommunistischen Widerstand gegen die Hitler-Faschisten stand.

Wenn wir heute dem antifaschistischen Widerstand in Buchenwald gedenken, dann sind wir uns auch darüber im Klaren: Wir stehen heute mit dem deutschen Imperialismus demselben Gegner gegenüber wie damals.

Es sind dieselben Monopole, die nach dem II. Weltkrieg die wirtschaftliche und politische Macht wieder ergriffen haben.

Auch wenn sie zeitweise ihr Wesen durch die bürgerliche Demokratie zu bemänteln versuchen: Sie haben nichts von ihrerAggressivität, ihrer Feindschaft gegenüber derArbeiterbewegung und dem Kmapf für eine sozialistische Zukunft verloren. Wenn wir die Lehren aus Buchenwald ziehen, wissen wir, welch Geistes Kind diese Leute sind.

Die MLPD fühlt sich der Aufgabe verpflichtet, den Faschismus mit all seinen Wurzeln zu vernichten. Das bedeutet für uns nicht nur den konsequenten antifaschistischen Kampf, sondern den Kampf für eine Zukunft, die im Sozialismus und Kommunismus diese neue Welt des Friedens und der Freiheit erkämpfen wird!

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